Wie kann ich ein Minimalist werden?

Gast-Artikel von Alan Smithee

In diesem Blog hatten wir bereits über Minimalismus geschrieben.

Dieser Artikel soll Anregungen liefern, wie jeder selbst zum Minimalisten werden kann.

Das oberste, wichtigste Prinzip: Das Wichtigste sind menschliche Beziehungen

Wer einmal verstanden hat, wie fundamental unser persönliches Gefühl von Erfüllung von der Qualität unserer persönlichen Beziehungen abhängt, wird deutlich weniger nach materiellen Ablenkungen streben.

Hierüber gibt es zahlreiche Studien. Nachweislich wird das menschliche Glücksempfinden am meisten beeinflusst durch die Qualität unserer Beziehungen.

Weitere wichtige Prinzipien auf dem Weg, ein Minimalist zu werden

  1. Vermögenswerte, Schulden und Zeugs
  2. Hauptposten: Wohnen
  3. Budget-Balance plus Sparen
  4. Brauche ich das?
  5. Niemals ein neues Auto
  6. Wiederverkaufswert
  7. Reparieren oder neu kaufen?
  8. Unnötiges loswerden
  9. Der Rucksack als Trainingsinstrument

Wie sieht das konkret aus?

Minimalist-Prinzip 1: Vermögenswerte, Schulden und Zeugs

Diese Sichtweise wurde populär gemacht durch Robert Kiyosaki mit seinem Buch „Rich Dad, Poor Dad“.

Er schreibt: Arme Menschen kaufen Zeugs, die Mittelklasse kauft Schulden / Verpflichtungen, reiche Menschen kaufen Vermögenswerte. Vermögenswerte sind Werte, die mir Geld VERDIENEN bzw. mir auf reale Weise helfen, Geld zu verdienen oder zu sparen.

Unter diesen Gesichtspunkten kann ich alle weiteren Anregungen betrachten. Verbraucht es nur Geld, oder fügt es Wert zu meinem Leben hinzu?

Das heißt nicht, dass man niemals Geld fürs Vergnügen ausgeben sollte; manchmal gehört das sogar zur notwendigen Selbsterhaltung. Sinnigerweise hält man das aber in Maßen.

Das Buch von Robert Kiyosaki ist auf amazon als kindle-Edition gratis erhältlich und kann auf youtube gratis als Hörbuch angehört werden.

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Minimalist-Prinzip 2: Hauptposten Wohnen

Was ist bei den meisten Menschen der höchste Ausgabeposten: Miete, oder auch Eigentumserwerb an Wohnraum.

Da kann sich jeder fragen: Wie viel Wohnraum brauche ich wirklich?

Wofür brauche ich Wohnraum, außer zum Essen und Schlafen, als Selbständiger vielleicht noch zum Arbeiten?

Noch ökonomischer als eine kleine Wohnung ist eine Wohnung mit 2-4 Zimmern, die man mit anderen gemeinsam bewohnt. Auf diese Weise wird die Wohnung zum Vermögensgegenstand, weil sie Geld spart bzw. anteilig verdient.

Minimalist-Prinzip 3: Budget-Balance plus Sparen

Natürlich sollte man weniger ausgeben, als man einnimmt und mögllichst einen Teil sparen und in soliden Werten anlegen.

Was ist solide? Ganz sicher nicht elektronisches Geld auf der Bank. Bitcoin? Noch unklar (Stand: November 2017).

Aktien möglicherweise. Selbst wenn alle Währungen kollabieren, werden viele Unternehmen ihren Wert in irgendeiner Form behalten.

Am ehesten wahrscheinlich Gold und Silber, wobei hier eher nicht mit Gewinnen zu rechnen ist, maximal langfristig mit Werterhaltung.

campfire

Lagerfeuer – Bild: LeBanc

Minimalist-Prinzip 4: Brauche ich das?

Um Minimalist zu werden, ist dies wohl die wichtigste Frage vor jedem Kauf: Brauche ich das wirklich?

Wenn wir „Brauchen“ streng definieren im Sinne des Überlebens, dann brauchen wir wohl das Meiste nicht.

Aber es lohnt sich, vor jedem Geldausgeben mehrmals zu fragen: Will ich einen Teil meines Geldes wirklich hierfür eintauschen? Will ich dieses Geld nicht lieber für Exxistenzsicherung und Altersvorsorge investieren, so gut es geht?

Es lohnt sich dabei auch, sich klar zu machen, dass jeder Euro Konsum in Wirklichkeit zwei Euro sind.

Minimalist-Prinzip 5: Niemals ein neues Auto

Überhaupt alles, was Sinn macht, gebraucht zu kaufen, sollte man gebraucht kaufen. Und bei nichts anderem ist der Wertverlust so hoch wie bei einem Auto.

Ein Auto neu zu kaufen ist wirklich die dümmste Geldverschwendung.

Ein Auto ist ein Transportmittel. Ein schickes Auto kann eine Investition sein, wenn man wirklich sehr genau über Autos bescheid weiß.

Minimalist-Prinzip 6: Wiederverkaufswert

Das bringt uns an den nächsten Punkt. Wenn ich schon in etwas investiere, das ich nicht unbedingt brauche, z.B. für ein Hobby, dann kann ich auf den Wiederverkaufswert achten.

Wenn ich eine E-Gitarre kaufe, dann macht es eventuell Sinn, sogar 250 EUR mehr auszugeben für eine echte Gibson, weil ich diese später, wenn ich will, viel besser verkaufen kann.

Bei Autos ist es tatsächlich so, dass ein gepflegter, gebrauchter Porsche, der etwa 10 Jahre alt ist, bei den Betriebskosten insgesamt so günstig oder etwas günstiger ist als ein gebrauchter Audi. Der Benzinverbrauch ist etwa gleich. Die Reparaturen beim Porsche sind zwar deutlich teurer, weil die Ersatzteile sehr teuer sind, aber bei einem gepflegten Porsche hat man gewöhnlich sehr viel seltener Reparaturen als bei allen anderen Marken.

Und nach 10 Jahren ist der Wertverfall beim Porsche auch nur noch sehr gering.

Praktisch gar keine Minderung der Verkaufspreises habe ich bei einem 1994er Lotus

Lotus Esprit S2

Lotus Esprit S2. Bild: Pubic Somain

Esprit. Dafür sind das hochgezüchtete Fun-Autos, mit permanenten, teuren und langwierigen Reparaturen, die sich für den Alltag kaum eignen.

Lotus Esprit sind für angeberische Trottel mit Minderwertigkeitsgefühlen. Ich darf das sagen, weil ich selbst mal einen hatte. Der ging dann schnell kaputt, wie das typisch ist für dieses Modell. Tausende von DM in Rauch aufgegangen.

Die besten Autos sind alte gebrauchte PKW von soliden Marken. Halten lange, kosten wenig in der Versicherung und in der Wartung.

Minimalist-Prinzip 7: Reparieren oder neu kaufen?

Bei allem, was kaputt geht, stellt sich die Frage: Reparieren, reparieren lassen oder neu kaufen?

Ich kann mich schon im Vorwege dagegen entscheiden, etwas zu kaufen, was schwer oder gar nicht zu reparieren ist. Je nachdem, wie viele Ressourcen die Reparatur verbraucht, kann das besser oder schlechter für die Umwelt sein.

Wenn ich selbst lerne, etwas zu reparieren, etwa ein Auto oder ein Moped, mache ich mich damit umso unabhängiger und habe meinem Umfeld sogar relevante Fähigkeiten anzubieten.

Hier findet sich wieder die alte Abwägung zwischen Zeit und Geld. Wenn ich Zeit habe, etwas ausreichend zu reparieren, sollte ich kein Geld dafür ausgeben. Wenn ich es selbst nicht kann, macht es natürlich Sinn, jemanden anders zu beauftragen.

Minimalist-Prinzip 8: Unnötiges loswerden

Eines der obersten Prinzipien, wenn man ein Minimalist werden will: Alles loswerden, was nicht unbedingt notwendig ist.

Dann braucht man weniger Platz und macht sich weniger Sorgen um den eigenen Besitz.

Minimalist-Prinzip 9: Der Rucksack als Trainingsinstrument

Rucksack, Hiking

Trainingsinstrument Rucksack. Bild von maxmann

Ein notorischer Minimalist, der es zu etwas digitalem Ruhm gebracht hat, ist Aaron Clarey von Asshole Consulting. Er bezeichnet sich als „America’s older brother“ und gibt jüngeren Menschen sehr sinnvolle praktische Tips für ihr Leben.

Von ihm stammt der Vorschlag, ein paar Wochen zu reisen und nur aus einem Rucksack zu leben, um sich an das frugale Leben zu gewöhnen.

Fazit zum Leben als Minimalist

Da wir uns in der westlichen Welt ohnehin immer weniger leisten können (während ärmere Teile der Welt zunehmend ihre Armut mildern), lohnt es sich, die Minimalist-Perspektive auszuprobieren.

Ich bin ein Freund davon und kaufe kaum noch Zeugs, achte auf den Wiederverkaufswert von Dingen, wohne günstig mit anderen und versuche, Vermögensgegenstände aufzubauen.

Viel Erfolg!

Titelfoto: Sorbyphoto

Lagerfeuer-Foto: Lebanc

Foto vom Lotus Esprit: wikimedia commons, Public Domain

Rucksack-Foto: maxmann

 

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Alan Smithee

Alan Smithee

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Alan Smithee ist ein Künstlername, der auf unserem Blog männlichen Autoren zur Verfügung steht, die anonym veröffentlichen wollen. Die Idee stammt von dem gleich lautenden Pseudonym, welches Hollywood für Regisseure bereit hielt, die sich von der Endfassung ihres Films distanzieren wollten. Das icon ist von openclipart.
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