Einige Menschen verzichten gänzlich auf alle Produkte, die aus Tieren gewonnen werden.

Diese Lebensweise nennt sich vegan.

In diesem Artikel gehe ich der Grundeinstellung der Veganer nach und versuche, die häufigsten Kritikpunkte an der veganen Lebensweise zu erklären.

Vegan: Gegen das Leiden von Tieren

Zum Einen essen Veganer keine tierischen Produkte, zum Beispiel: Fleisch, Milch, Eier, Honig.

Vegan meint aber nicht nur eine Ernährungsweise, sondern geht um Einiges weiter.

Die gesamte „Ausbeutung“ von Tieren soll vermieden werden.

Alles, was mit Tierversuchen entwickelt wurde, wird abgelehnt.

Bei der Kleidung werden Häute und Felle von Tieren abgelehnt.

Ebenso ist es nach der veganen Lebensweise unethisch, Tiere in Zirkussen und Zoos zur Schau zu stellen, wo sie in Gefangenschaft gehalten werden.

Vegane Griechen

Einige griechische Philosophen befanden schon zur Anfangszeit der griechischen Stadtstaaten, dass der Verzehr von Tieren unethisch sei.

Erst 1944 begründete Donald Watson die „Vegan Society“ und prägte den Begriff „vegan“.

Vegan gegen Ressourcenverschwendung und Umweltzerstörung

Was an Energie, Arbeitskraft und vor allem Wasser verbraucht wird, um Fleisch zu produzieren, ist enorm.

Das Verhältnis von Fleisch zu Pflanzen beträgt 1:15, es braucht also 15 kg Pflanzen, um ein kg Fleisch zu erzeugen. Und ca. 15.000 Liter Wasser. Allein diese Wassermenge erscheint mir Grund genug, meine Haltung zum Fleisch zu überdenken.

Wälder werden gerodet, um Weideflächen daraus zu machen.

Die Ausscheidungen der Tiere verschmutzen das Grundwasser. Das heißt, wir als Menschen sorgen im wahrsten Sinne des Wortes selbst dafür, dass wir Scheiße fressen.

Das ist an dieser Stelle nicht Ideologie, sondern Physik.

Unsägliche Tierhaltung

Wie Tiere in der Nahrungsindustrie gehalten, vernachlässigt und jämmerlich ermordet werden, finde ich unsäglich. Unser Gastautor Bernd Höcker hat dies bereits in seinem Artikel über vegetarische Ernährung sehr bildlich dargestellt.

Konzentrationslager, Rupfungen, Häutungen, Heißwasserbäder, Stromschläge, Familientrennung, Kindermord, Vergasung, Schredderung, die Liste ist lang und nicht sehr freundlich.

Gar nicht zu reden von den chemischen Medikament-Sauereien, die den Tieren – und damit am Ende uns – verabreicht werden.

Partnerschaft mit Tieren

Ich halte es für möglich, eine freundliche Partnerschaft mit den Tieren einzugehen, so dass sie uns nützen, ohne dass wir sie quälen oder ermorden.

So hätte ich persönlich kein Problem, Eier von WIRKLICH freilaufenden Hühnern zu essen, Milch von Kühen und Ziegen von der Weide zu trinken, und Wolle von schonend geschorenen Schafen zu tragen. Oder etwas Honig von glücklichen Bienen.

Diese Tiere müssten dann nicht leiden, wenn die Imker, Melker und Scherer freundlich zu ihnen sind und sie wirklich gut behandeln.

Vegan und Vitamin B12

Die fundierteste Kritik und nachhaltigste Kritik an der veganen Ernährung bezieht sich auf einen konkreten Nährstoff: Vitamin B12.

Die Möglichkeiten, Vitamin B12 aus nicht-tierischen Lebensmitteln zu beziehen, sind sehr begrenzt.

Erzeugt wird B12 von Mikroorganismen, die hauptsächlich in Säugetieren leben.

Es gibt wohl ein paar Algen, die eine höhere Konzentration von B12 enthalten, aber nicht genügend. Die Forschungen dazu sind noch nicht sehr umfangreich (Stand: April 2017).

Ich selbst lasse mir alle 10 Jahre ein B12-Depot in den Popo spritzen. Dieses B12 ist wahrscheinlich aus Tieren gewonnen.

Kritik an der veganen Lebensweise

Insbesondere Fernsehköchin Sarah Wiener ging um das Jahr 2015 herum auf einen wahren Kreuzzug gegen die vegane Ernährung.

In einem Beitrag des ENORM-Magazins schreibt sie z.B., die vegane Industrie würde zwar viele Fehler anderer Industrien vermeiden, aber vieles „anders falsch“ machen. Leider finde ich beim Artikel keine Details dazu und auch keine harten Daten, die solche Aussagen belegen.

Sarah Wiener hat auch u.a. gesagt, Sojamilch sei „so künstlich wie Cola“. Dies kann ich nicht beurteilen.

Das Ökosystem als Ganzes ist nicht vegan

Die taz argumentiert in ihrem Artikel „Fleisch gehört dazu“ mit den tatsächlich vorhandenen Strukturen des Ökosystems. Das Ökosystem beinhaltet auch Tiere.

Ein Teil der Erdoberfläche ist nach diesem Artikel gar nicht für den Pflanzenanbau geeignet, aber sehr wohl für Viehzucht.

Beim Verzicht auf chemischen Dünger braucht die Landwirtschaft unbedingt Tierexkremente, um ihre Pflanzen ausreichend ernähren zu können.

Bei vegan geht es um Leid

Es wundert wohl keinen, wenn die Diskussion sehr emotional geführt wird.

Schließlich geht es um viel Leid und Schmerz, das den Tieren erspart werden soll.

Die Frage, ob auch Pflanzen leiden, ist wohl nicht abschließend geklärt.

Vegan: Fazit

Essen wir mehr Fleisch, als für uns selbst, unsere Mitmenschen und unser ökologisches System gut ist? Klare Sache, ja.

Wird ein Großteil des Fleisches trotz aller Fortschritte immer noch unter unsäglichen Bedingungen für die Tiere produziert? Eindeutig, ja.

Kann mit ein bisschen Verzicht das Leben der Tiere enorm verbessert werden? Ja.

Ist die vegane Lebensweise die einzig seligmachende Antwort auf alle Probleme? Nein. Sicherlich gibt es auch hier irrige Konzepte und ein paar Herangehensweisen, die nicht das nützen, was manche sich davon versprechen.

Eine bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Ernährung, dem eigenen Konsumverhalten und der eigenen Lebensweise wird uns trotzdem nicht schaden.

Ökosysteme sind komplex und werden nicht durch Emotionen und Soundbytes erklärt.

Ob Schmerz und Leid überhaupt insgesamt vermeidbar sind, wäre auch eine spannende Frage, auf die ich derzeit (April 2017) keine Antwort weiß.

Ausführliche Infos PRO vegan gibt es bei VEBU. Bitte mit kritischem Verstand würdigen.

Vegan with Love

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BE WISE

 

Titelbild: Einladung_zum_Essen

 

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Alexander

Controller, Dozent bei AME Fortbildung und Controlling UG (haftungsbeschränkt)
Seit 1998 freier Controller, seit 2010 zusätzlich als Dozent im Rechnungswesen unterwegs. Schreibt über alles Mögliche.

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