Gast-Artikel von Arielle

In den USA nennt man es „The Lifestyle“: Das Swingen.

Als Alternative zur „traditionellen“ Beziehung gehen viele Leute in Swingerclubs oder besorgen sich auf anderen Wegen zusätzliche Sexpartner.

Swingen bedeutet vom Prinzip her, dass Paare Sexpartner von außerhalb ihrer Zweierbeziehung in ihr Sexleben einbeziehen. Das geht vom Dreier, Vierer, Gangbang über Ehemänner, die gerne zuschauen, wenn ihre Frau von anderen bedient wird (umgekehrt ist sehr selten). Oder beide Partner nehmen sich die Freiheit, in aller Offenheit mit Dritten Sex zu haben.

Meine eigenen Erfahrungen mit dem „Swingen“ gehen gegen Null, da ich nie eine „feste Beziehung“ wollte und deshalb per Definition nicht swingen konnte. Ich war nur dreimal in Swingerclubs und beziehe mich deshalb in diesem Artikel hauptsächlich auf Aussagen Anderer.

Manche Paare gehen in Swingerclubs, weil sie zuhause nicht schreien können (oder dies glauben) wegen der Nachbarn.

In den Clubs treiben sie es dann richtig wie die Tiere, lassen sich dabei zuschauen oder (im sogenannten „Stop-Zimmer“) nur zuhören.

Naturgemäß – so wie die Dinge in unserer unreifen, albernen Gesellschaft laufen – begeben sich auch eine Menge Männer in Swingerclubs in der Hoffnung, hier ihren Stich machen zu können. Die meisten Swingerclubs erlauben eine gewisse Zahl an Solo-Herren, manche lassen sie gar nicht erst rein.

Ein gelegentliches Phänomen sind Frauen, deren Männer krank, impotent oder unwillig sind, die sich dann den Sex im Club besorgen lassen.

Manche Frauen suchen eine Gelegenheit, mit anderen Frauen ein bisschen bi zu machen. Das kann sehr süß sein.

Die geile extrem attraktive Nymphomanin, die sich in jede Körperöffnung einen Schwanz rammen lässt (neuerdings heißt das „luftdicht“) und das supergeil findet, hat den Häufigkeitsgrad eines Einhorns.

Bringste was, kriegste was

Das ist genau so wie damals mit den Briefmarken oder davor mit den Murmeln: Wer nichts zum Tauschen mitbringt, hat Schwierigkeiten, etwas zu bekommen.

Männer, die nicht sehr sichtbare Muskeln und/oder einen großen Schwanz mitbringen, oder sonstwie extrem sexy sind, haben für sich allein wenig Chancen.

Bringen sie eine hinreichend attraktive Frau mit, die dann auch nett zu anderen männlichen Gästen ist, hat der Mann keine Probleme, seinerseits von anderen weiblichen Gästen Nettigkeiten zu erhalten. Auch die zweite Frau zum Dreier ist schnell dazugewonnen, und der zweite Mann natürlich noch viel schneller…

Frauen, die dem Mann zuliebe mitgehen, damit er reingelassen wird, nennt man in der Szene auch „Eintrittskarten“. Sie versauen die Stimmung, weil sie missmutig dreinstarren und daneben hocken, während ihr Männe verzweifelt versucht, irgendwo zu landen. Weil er aber nichts Echtes zum Tauschen mitgebracht hat, sondern nur eine Attrappe, kriegt er natürlich meistens nix.

Aufdringliche Köter

Prinzipiell soll ein Nein sofort akzeptiert werden. Auch ein leises dezentes Nein soll zu sofortigem Unterlassen aller weiteren Annäherungen führen, das ist geschriebene und ungeschriebene Clubregel.

Frauen berichten aber von sehr unterschiedlichen Erlebnissen. Manche wurden ungefragt angefasst oder sogar gefingert. Viele wurden zumindest mit geringem Abstand verfolgt, „wie von jungen Hunden“. Das erging mir auch einmal so.

Mir selbst ist es nur einmal aufgefallen, aber mir wurde das Phänomen mehrfach berichtet, dass die sehr attraktiven Frauen ausnahmslos mit „privater Security“ in die Swingerclubs kommen, also mit Männern, die eine Körpersprache von Kampfkunstlehrern haben und große Muckies. Das ist sicherlich nicht von Ungefähr.

Auch deswegen organisieren viele Paare sich ihr Swingen privat und checken ihre Partner vor dem ersten Treffen ausführlich aus. Aufdringlichkeit und Druck nerven einfach zu sehr.

Uniforme Individualität

Aussehen tun Swingerclubs so ziemlich alle gleich, mit den gleichen Standards.

Es gibt die „Lustwiese“, wo theoretisch Gruppensex stattfinden kann, aber meistens nicht tut.

Es gibt das Frauenarzt-Zimmer und das BDSM-Zimmer.

Im Stop-Zimmer entscheiden diejenigen, die zuerst drin sind, wer wann dazukommen darf oder wann sie wieder rauskommen. Als Alternative gibt es kleine Häuschen mit einer Kette, die man davorhängen kann (kein Zutritt) oder weglassen kann (Besucher sind eine Option).

Am Buffet gibt’s das übliche Buffet-Zeugs, Schnittchen, Würstchen, Salat. Darum herum tiefe Ledersessel. An der Bar gibt’s Getränke.

Viele Clubs haben eine Sauna, manche auch einen kleinen Pool.

noblesse chère

Natürlich gibt es Clubs, zu denen der Normalsterbliche keinen Zugang erhält.

Es gibt auch ein mittleres Preissegment, in dem die Kunden vorher sorgfältig gescannt werden.

Für „besondere Interessen“, über die ich vor dem Essen nicht schreiben will (und danach auch nicht), gibt es natürlich speziell eingerichtete Clubs.

Was bekomme ich in Swingerclubs?

Die bittere Wahrheit ist, es ist im Wesentlichen in Swingerclubs dasselbe wie außerhalb:

Als Frau bekommst Du, wenn Du einigermaßen dem kulturellen Schönheitsformat entsprichst, so ziemlich alles: Athleten, Fettsäcke, junge Männer, alte Männer, fortysomethings, großer Schwanz, kleiner Schwanz, usw.

Und als Mann bekommst Du ebenso, was Du außerhalb auch bekommst: Wenn Du ein Muskelpaket bist und/oder entsprechend ausgestattet und nicht zu wabbelig, dann hast Du die freie Auswahl.

Wenn Du nur normal gutaussehend bist oder darunter, same procedure as always: Entweder spontaner Glücksfall oder stundenlanges bemühtes Baggern, bis Du mit ganz viel Glück bei einer mäßig attraktiven Frau landest.

Oder Du hast gutes „Game“ und landest damit. Da hast Du aber wahrscheinlich in einer Buchhandlung bessere Chancen, weil da einfach mehr attraktive Frauen durchlaufen als durch den durchschnittlichen Swingerclub.

Wer natürlich voyeuristisch veranlagt ist, kriegt meistens was zum Zusehen.

Einige wenige Clubs heuern auch noch bezahlte Damen an, die sich darum kümmern, dass die Herren nicht vollends frustriert bleiben. Die gehen dann herum und reiben oder lutschen ein paar Männern einen ab, damit sie wiederkommen.

Und, ist das jetzt geil?

Kann geil sein, kann ungeil sein. Hängt von der Situation und den Beteiligten ab.

Ich persönlich fand Swingerclubs eher abtörnend, weil der heiße feuchte Atem der jungen Solo-Männer einfach zu nahe war. Und selbst, nachdem ich FÜNF davon mit meinen Händen erleichtert hatte, stand gefühlt immer noch die gleiche Menge vor mir. Umso größer deren Enttäuschung und Frustration, als ich aufstand und ging.

Da ich selbst andere Möglichkeiten hatte, mich mit Sex einzudecken und dafür sogar noch wirtschaftliche Vorteile zu erhalten, waren Swingerclubs für mich nicht mehr so interessant.

Aber wer seinen Partner teilen will oder spannen will, der kann dort eine gute Zeit finden.

Aber was ist, wenn anderen Leute schlecht von mir denken?

In meinem Alter (40) ist es mir nun endlich egal, was andere Leute, die wahrscheinlich sowieso kein großartiges Urteilsvermögen haben, irgendetwas über mich urteilen, ohne mich zu kennen.

Ich glaube, Nietzsche sagte mal sowas wie, moralische Verurteilungen von anderen kommen hauptsächlich aus Neid.

Mir fällt kein Grund ein, warum volljährige Menschen, die sich einig sind, nicht alles miteinander tun sollten, was sie wollen, solange dies freiwillig geschieht.

Manche Menschen mögen miteinander Sachen tun, die ich mir nicht mal vorstellen will, aber das ist doch egal, solange niemand gezwungen wird.

In diesem Sinne,

love and peace

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Titelbild: Thomas Rowlandson, Public Domain

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Arielle

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Event-Management bei secret
Arielle ist Jahrgang 1977, Widder mit Aszendent Schütze und arbeitet im Event-Bereich. So viel hat sie uns erlaubt, preiszugeben. Das Profilfoto zeigt nicht Arielle, sondern ist ein Modelfoto, geschossen von claudioscotece.
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