Ein neuer Plan am Horizont: Deutsche Haushalte sollen gänzlich unabhängig von den Stromkonzernen werden können – mit ihrer persönlichen softwaregesteuerten Batterie

Das bayrische Unternehmen Sonnenbatterie bietet eine neue Option: Strom aus Solarzellen gewinnen, diese speichern und mit intelligenter Software dosiert im Haushalt einsetzen.

Manager Philipp Schröder (32) kommt gerade vom Elektroauto-Bauer Tesla. Er hat gleich sechs Kollegen mitgebracht, davon drei aus dem Vertrieb: Marcel Meub, Alan Atzberger und Jonas Rabe.

Gemeinsam wollen sie den etablierten Stromversorgern „den kalten Angstschweiß auf die Stirn treiben“.

Schröders ehemaliger Boss, Tesla-Chef Elon Musk, hat auch einen Hang zu markigen Sprüchen. Tesla hat den Markt für Elektro-Autos praktisch neu aufgerollt und beeinflusst nun den Raketenbauer SpaceX und SolarCity.

Der Wunsch nach Selbstversorgung erzeugt einen Trend

Viele deutsche Hausbesitzer wären liebend gerne Strom-Selbstversorger. Zum Beispiel mit einer Solaranlage und einer Batterie. Aber wenn die Sonne mal nicht scheint? Dann heißt es wieder einstöpseln ins Stromnetz der Großkonzerne.

Schröder und sein Team wollen einen Trend nutzen, der sich bereits im Verhalten der Verbraucher zeigt – zunehmende Eigenproduktion von Elektrizität. Immer mehr Dächer werden von Solarzellen bedeckt, Keller werden mit Batteriespeichern ausgerüstet. Die zugehörige Technik ist bereits so preisgünstig geworden, dass die Eigenproduktion von Strom wirtschaftlich lohnt.

Dennoch bleibt der klassische Stromvertrag zur Absicherung bisher die Regel. An diesen Verträgen verdienen Versorger wie RWE und Eon. Und sie lassen sich gut bezahlen.

Nach Plan der Rebellen von Tesla sind die Großversorger bald auf eine Nebenrolle reduziert. In 10 Jahren soll die Stromwirtschaft schon komplett umstrukturiert sein. „Dann haben wir mehr Kunden als Eon“, behauptet Schröder.

Strom-Gemeinschaften mit Software-Unterstützung

Das grundlegende Konzept: Hausbesitzer und Unternehmer mit Anlagen zur nachhaltigen Stromerzeugung (Solar, Biogas, usw.) bilden Stromgemeinschaften. Produziert der eine zuviel konzept01Strom, gibt er diesen den anderen Mitgliedern. Hat jemand gerade zu wenig, so erhält er Strom von den anderen.

Eine Software soll dafür sorgen, dass stetig so viel Strom erzeugt wird, wie die Gemeinschaft benötigt. Nur in Notfällen soll es erforderlich sein, auf die Stromkonzerne zurückzugreifen.

Der selbst produzierte Strom der Gemeinschaft soll nur 0,23 EUR je Kilowattstunde kosten. Und der Strom kann zu Selbstkosten bezogen werden, weil die Gewinnmarge der Stromkonzerne wegfällt.

In einem späteren Stadium sollen auch Mieter einbezogen werden, die selbst keine Elektrizität erzeugen. Wie viel diese dann zahlen sollen, bleibt abzuwarten.

Hilfe durch Subventionen

Die Strom-Vergütung für die Mitglieder ist derzeit noch etwas höher als die Einspeisevergütung gemäß Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Hier greifen Sonderbestimmungen, nach denen Selbsterzeuger aus Erneuerbaren Energien ihren Strom direkt verkaufen dürfen und dafür Subventionen aus dem EEG-Budget erhalten.

Der erste Entwurf wird also durch Subventionen gestützt.

Nach maximal 20 Jahren fallen die Subventionen weg. Prognose des Tesla-Managers ist aber, dass bis dahin genügend preisgünstige Elektrizität auf dem Markt zur Verfügung steht, aus bereits abgeschriebenen Anlagen, Windparks usw.

POSIst dieses System wirtschaftlich?

Das Unternehmen berechnet eine Software-Gebühr von 20 EUR monatlich.

Das manager magazin hat eine wirtschaftliche Einschätzung des Konzeptes versucht und ist zu dem Schluss gelangt, dass sich das System nur rechnet, wenn der Kunde Rabatt auf Solaranlage und Batterie erhält. Wer ein großes Batterie-Modell kauft, erhält auch noch 1.000 kWh pro Jahr geschenkt.

Ein ähnliches Vorgehen praktiziert der Hamburger Stromanbieter Lichtblick. Dort verbindet man auch Blockheizkraftwerke miteinander, um Schwankungen im Stromnetz auszugleichen.

Taugen die Deutschen als Stromrebellen?

Branchenfachleute halten das Geschäftsmodell von Sonnenbatterie generell für umsetzbar. Die Verteilung von Elektrizität über Software ist durchführbar.

Rechtsexperten sehen eine Herausforderung darin, das Konzept rechtssicher und für Verbraucher einfach verständlich zu machen. Andernfalls werden Verbraucher nur aus ideologischen Gründen mitmachen.

Philipp Schröder selbst ist bekennender Öko-Enthusiast. In Gorleben kettete er sich einst an Schienen und wurde verhaftet. Er erklärt, „mit 19 darf man sowas machen“. Klar, darf man.

Auf jeden Fall ist Schröder fit genug, sich mit den Stromkonzernen anzulegen. „Die Vision einer dezentralen Energieversorgung ist schlicht mein persönlicher Antrieb und trägt daher auch meine DNA.“

Der Elektroauto-Hersteller Tesla bringt seine Version der Sonnenbatterie etwas früher auf den Markt als die deutsche Version. In Nevada entsteht eine Batteriefabrik.

Fazit

Wird es in Deutschland eine „rebellische“ Fan-Gemeinde der Sonnenbatterie geben?

Wird die Sonnenbatterie die neue Sensation?

Die Deutschen sind generell zurückhaltend mit Fanatismus, seit das letzte Experiment in diese Richtung 1933-1945 eher unerfreulich gelaufen ist.

Was die Sonnenbatterie angeht, so wird sich zeigen, ob noch andere Angebote auf den Markt kommen und vor allem, wie die Konzerne reagieren. Senken sie die Preise? Bieten sie vergleichbare Modelle an?

Was blumige Versprechen der Hersteller angeht, so würde ich die Hälfte streichen und mit der übrigen Hälfte mal schauen, was passiert.

Das Konzept erscheint auf jeden Fall umsetzbar. Dezentrale Organisation ist manchmal günstiger, manchmal nicht.

Die Bilder wurden freundlicherweise von sonnenBatterie GmbH zur Verfügung gestellt.

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Alexander

Controller, Dozent bei AME Fortbildung und Controlling UG (haftungsbeschränkt)
Seit 1998 freier Controller, seit 2010 zusätzlich als Dozent im Rechnungswesen unterwegs. Schreibt über alles Mögliche.