Neue Formate zum Lernen?

Die Digitalisierung erweitert auch die Möglichkeiten der Ausbildung und Fortbildung. Zahlreiche digitale Angebote ermöglichen das Lernen von zuhause aus oder unterwegs mit dem Smartphone.

In diesem Artikel befasse ich mich mit den Fragen:

  • Was hat sich mit der Digitalisierung im Lernen verändert? Was ist „besser“ oder „schlechter“ geworden?
  • Gibt es sonst etwas „Neues“?
  • Wofür würde ich weiterhin analogen Unterricht bevorzugen?

Was hat sich durch die digitalen Angebote verändert?

Heute kann ich aus zahlreichen Tutorials zu allen möglichen Themen auswählen. Im März 2018 lerne ich über MS Access. Vor allem belege ich Kurse über das Lernportal udemy, davor bei video2brain, und dazu gibt es reichlich Tutorials auf youtube. All diese Angebote variieren stark in der Qualität, wobei ich meine udemy-Kurse zu MS Access bisher alle mit der Höchstbewertung versehen habe (Stand: Anfang März 2018).

Ich suche etwas über Unterformulare? Kein Problem, mindestens 3 verschiedene Videos auf youtube. Ich will einen Einblick in VBA für Access? Für 11,99 EUR erhalte ich von Access-Vollprofi Bruce Myron einen herausragend guten Einblick; 9 Stunden Top-Material. Zu fortgeschritten für mich am Anfang, aber ein toller Einblick.

Ich kann meinen Wissenshunger in kleinen, exakt zuschneidbaren Portionen stillen.

Das wäre im Zeitalter des reinen Präsenzunterrichts nicht finanzierbar gewesen. Der Dozent fährt zwei Stunden durch die Gegend, um mir dann in 5 Minuten eine exakte Frage zu beantworten? Und natürlich will ich dann auch nur 5 Minuten bezahlen? Eher nicht.

Dadurch, dass die Personalkosten für die Anwesenheit des Unterrichtenden wegfallen, sind die Lerninhalte viel feiner skalierbar.

Vorteil der Online-Kurse ist, ich kann dann lernen, wenn ich Zeit habe, ich muss mich nach niemandem anders richten. Nachteil ist, ich habe dabei keinen Kontakt mit anderen Menschen, die im betreffenden Fachbereich arbeiten oder arbeiten wollen, also keinen unmittelbaren, kritischen Austausch.

Kritischere Auseinandersetzung

Nach meinem Eindruck besteht ein großer Teil der etablierten Ausbildung aus Warmlufterzeugung.

Während meines eigenen Studiums fiel mir auf, dass ich viele Begriffe auswendig lernen sollte, deren Nutzen mir bisher (Stand: März 2018) schleierhaft geblieben ist. Der Lehrplan war überfrachtet mit allerlei Theorien ohne jegliche Anwendungsmöglichkeit und völlig übertriebener Mathematik.

Zuerst war ich an der Uni und an Fachhochschulen, um festzustellen, wie irreal und praxisfern mir der gesamte Lehrplan erschien. So entschied ich mich, den staatlich geprüften Betriebswirt zu absolvieren, im Fernstudium bei ILS. Das erwies sich als gute Entscheidung; fast alles Gelernte fand ich anwendbar, und mehr als die Hälfte konnte ich bereits in meinem ersten Job nach dem Studium anwenden.

Es musste erst das Jahr 2009 anbrechen, bis ich im Rahmen meiner persönlichen Schuldenkrise bemerkte, dass ich als Betriebswirt die grundlegenden Mechaniken des betrieblichen Wirtschaftens nicht verstanden hatte. Ich musste erst mittelstark auf die Fresse kriegen und in 6 Jahren 30.000,00 EUR Schulden abbauen, bis ich begann, ernsthaft zu lernen.

Durch die Digitalisierung, durch die Möglichkeit, Lerninhalte schneller aufzunehmen und zu vergleichen, ist auch ein kritischerer Diskurs entstanden, insbesondere darüber, welche Lerninhalte wirklich relevant sind und wie man diese am besten vermittelt.

Gibt es sonst etwas „Neues“?

Aus meiner eigenen Lerngeschichte sind mir zwei Schlagworte in Erinnerung: Superlearning und „gehirngerechtes Lernen“.

Superlearning

Beim Superlearning, wie ich es seinerzeit in den 1980ern verstanden hatte, sollte durch bestimmte Töne in Kopfhörern das Gehirn in besondere Zustände versetzt werden und damit aufnahmefähiger werden.

Klang mir erstmal plausibel. Das Gehirn reagiert in irgendeiner Weise auf Töne, das ist wohl ganz gut wissenschaftlich gesichert. Das nennt man „Hören“. Aber kann man dadurch besser lernen?

Wenn ich entspannt bin, lerne ich besser als verspannt. Macht auch Sinn.

Ich hatte dann kurz mit einem Unternehmen zu tun, das sich auf Superlearning spezialisiert hatte, was sich aber als Teil der Scientology-Organisation entpuppte.

Im Laufe der 1990er ist dann das Thema Superelarning mehr oder weniger vom Markt verschwunden.

Gehirngerechtes Lernen

Das „gehirngerechte Lernen“ erscheint mir größtenteils wie eine Ansammlung von Binsenweisheiten. Selbstverständlich helfen Bilder, Metaphern und Sprüche beim Lernen. Seit wann ist das neu?

Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe von Erkenntnissen über Wahrnehmung, Assoziationen, Gehirnfunktionen zu verschiedenen Tageszeiten,usw., die sich bestimmt zum Unterrichten und Lernen nutzen lassen, über die ich im Moment (März 2018) wenig weiß.

Wofür würde ich weiterhin analogen Unterricht bevorzugen?

Lernveranstaltungen sind unter anderem Gelegenheiten zum Netzwerken, die sich in dieser Form online nicht bieten.

Der Austausch mit realen Menschen macht nochmal eine andere Wirkung und andere Eindrücke.

Alles, was mit mechanischen Teilen zu tun hat, muss natürlich offline gelernt werden, ebenso der Umgang mit realen Menschen. Fotografie und Kommunikation lassen sich online wahrscheinlich nicht so gut lernen.

Deshalb mische ich.

Heute (Stand: März 2018) nutze ich eine Mischung aus Online-Kursen, vorrangig über udemy, und Präsenz-Kursen, z.B. an der Volkshochschule oder auch bei anderen Akademien, die ihre Preise realistisch gestalten.

HAVE FUN!

 

Bild: Im Vordergrund der Autor an einem Bad Hair Day, Bild von Gellinger

 

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Alexander

Controller, Dozent bei AME Fortbildung und Controlling UG (haftungsbeschränkt)
Seit 1998 freier Controller, seit 2010 zusätzlich als Dozent im Rechnungswesen unterwegs. Schreibt über alles Mögliche.
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