Seit 1998 bin ich immer wieder auf das Thema gestoßen, dass Menschen von Staaten als „rechtlose Sachen“ betrachtet werden und nicht als Menschen.

Im Netz finden sich zahlreiche Anleitungen, wie man nun von der „Sache“ oder von der „Person“ zum „Menschen“ wird und dadurch Bindungen an Dinge wie Steuerpflicht und ähnliches los wird.

Geht das? Oder ist das Tüdelüt?

Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Themen

  1. Welche Denkströmungen gibt es um das Thema herum?
  2. Was kann ich wirklich tun? Bringt das alles etwas?
  3. Was habe ich aus all dem gelernt?

Mir ist das Thema immer mal wieder über den Weg gelaufen. Die meiste Zeit habe ich es nicht wirklich ernst genommen, aus Gründen, die ich noch erläutere.

Im März 2017 hatte ich dann eine Begegnung mit einer erstaunlichen Frau, die mich tief angerührt hat, die mich wieder auf die Spur gebracht hat.

Eine nähere Recherche hat dann einerseits ergeben, dass ich die formaljuristische Seite des Themas weiterhin nicht sehr ernst nehme, was ich auch begründe, andererseits hat mich die Beschäftigung damit aus einer mehrjährigen Erstarrung zumindest gelockert.

Teil 1: Welche Denkströmungen gibt es um das Thema herum?

In allen Texten und Argumentationen, die ich studiert habe, wird vor allem viel Formaljuristisches angeführt.

Es gibt ein gewisses juristisches Durcheinander, da die Bundesrepublik Deutschland im Übergang zwischen Ostdeutschland und Westdeutschland ein paar völkerrechtliche Trivial-Problematiken mit der beliebten Hammer-Bügeleisen-Methode (erst platthämmern, dann plattbügeln) behandelte.

So gibt es eine kleine Verwirrung um die Anzahl von Schwingen von Wappenadlern und um exakte Bezeichnungen von Ausweisen, Personen, Ämtern, usw.

Mir persönlich erscheint das Meiste davon als, pardon my French, Klugscheißerei.

Die formaljuristischen Anmerkungen erscheinen mir zum Teil sachlich korrekt. Ja, die Hoheitszeichen sind etwas durcheinander und manche Bezeichnungen sind ungenau und fordern hier und da Missverständnisse heraus.

Die notorischen Reichsbürger

Besonders spannend fand ich, dass viele von denen, die sich mit der Thematik „Mensch vs. Person“ beschäftigen, auch auf dem Fortbestand des Deutschen Reiches bestehen.

Nun war das Deutsche Reich ja nicht vorrangig für sein Höchstmaß an Menschlichkeit berühmt.

Tatsächlich gibt es wohl die eine oder andere Stellungnahme offizieller Stellen, darunter ein (möglicherweise gefälschtes) Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, die darauf hindeutet, dass die Bundesrepublik Deutschland, oder, in Worten anderer, die Bundesrepublik IN Deutschland, ein völkerrechtliches Provisorium ist.

Tatsächlich ist das juristische System jedes Staates wackelig, weil nicht jeder Jurist immer an alles denkt.

Newsflash: ALLE Staaten sind völkerrechtliche Provisorien. ALLE Staaten befinden sich jetzt in einem Zustand und zu einem anderen Zeitpunkt in einem anderen. ALLE Staaten sind derzeit (April 2017) begründet auf einem Gemisch freiwillig eingegangener und erzwungener Rechte und Pflichten zwischen Bürgern und Institutionen, den Institutionen untereinander sowie den Staaten untereinander.

Ob die BRD oder die BRiD nun existiert oder nicht, ob das Deutsche Reich weiter existiert oder nicht, ist für mich eine rein formaljuristische Frage mit wenig Bedeutung.

Was mich bei meinen ersten Begegnungen mit dem Thema auch abstieß, war die Tatsache, dass speziell eine Person, die sich immer wieder als „Mensch aus Fleisch und Blut“ beschrieb, auch Äußerungen traf, die mir sehr antisemitisch erschienen. Vielleicht habe ich ungenau gelesen.

Bei den Menschen aus dem Reichsbürger-Umfeld, die mir begegnet sind, hatte ich eher den Eindruck, dass sie sich um Geldstrafen aus Ordnungswidrigkeiten drücken wollten, und nun plötzlich entdeckten, dass der gesamte Apparat, der Geld von ihnen will, ja gar nicht legitim ist. Welch wunderbarer Ausweg!

Wollten sie allerdings Leistungen vom Staat empfangen, bestanden sie auf ihrem „Recht“ gegenüber einem juristischen Konstrukt, dem sie eben noch die Existenz abgesprochen haben.

Eine schöne Stellungnahme zum Thema Reichsbürger hat Nicolai Levin geschrieben. Sie deckt sicherlich nicht alle Aspekte ab, schätzt aber glaube ich die Psychologie des Reichsbürger-Phänomens gut ein.

Der „Soziale Kontrakt“ wurde nie unterschrieben

Steuern, Sozialabgaben und andere bürgerliche Pflichten werden oft begründet mit einem „sozialen Kontrakt“, dem die Bürger unterliegen. Sie erhalten bestimmte Leistungen vom Staat und bezahlen dafür.

Insbesondere Libertäre wie Tom Woods, Stefan Molyneux und andere haben darauf hingewiesen, dass in fast allen Staaten derzeit (April 2017) seit über 3.000 Jahren kein volljähriger Bürger eine informierte Entscheidung für oder gegen diesen sozialen Kontrakt trifft.

Diese Aussage ist wahr.

Unsere „bürgerlichen“ Rechte und Pflichten werden uns per Geburt zugewiesen, und innerhalb eines gewissen Rahmens haben wir keine Optionen, dem zuzustimmen oder zu widersprechen. Das entspricht tatsächlich nicht einem freiheitlichen Zusammenleben.

Angeblich gab es im antiken Ägypten zumindest ein Ritual, in welchem die Heranwachsenden über ihre Rechte und Pflichten informiert wurden. Ob es ein Opt-Out gab, habe ich nicht erfahren. Wo sollte man auch sonst hin? In die Wüste?

Nur, wie entscheidungsfähig sind denn die meisten Leute?

Als ich auf dem Gymnasium meine eigene Theatergruppe leitete, sagte ich den Teilnehmern, „mit Trotteln mache ich Diktatur, mit intelligenten Leuten mache ich Demokratie“. Gute Ideen habe ich aufgenommen und eingearbeitet.

Daneben gab es viele nicht so gute Ideen, die ich nicht aufnahm.

Insbesondere im Frühjahr 2017 sehe und höre ich „Diskussionen“, die keine sind, Seiten, die sich wechselseitig beschimpfen und solide Fakten der jeweils anderen Seite nicht anerkennen, wenig konstruktive Lösungsvorschläge.

Ich wage kaum, mir vorzustellen, was diese ganzen Kleinkinder alles anstellen würden, wenn sie nicht von Autoritäten in Schach gehalten würden.

Von daher: Ja, der soziale Kontrakt wurde nicht bewusst angenommen. Die Alternative: Oh weia!

Person versus Mensch

In den Abhandlungen zum Thema wird auf einige Dinge hingewiesen, u.a. dass die Person kein Mensch ist, sondern dass der Mensch eine künstlich geschaffene Person hat.

Die Person sei ein juristisches Konstrukt, wie eine juristische Person. Die „natürliche Person“ gibt es demnach nicht.
Das alles auseinander zu fleddern, überlasse ich lieber Juristen.

Angeblich ist nun die Person an Rechte und Pflichten gegenüber dem Staat gebunden, der Mensch nicht. Der Mensch soll nun die Möglichkeit erhalten, seine künstliche Person abzulegen, damit den Verpflichtungen gegenüber dem Staat entkommen, andererseits volle Verantwortung für sein Handeln und Nicht-Handeln übernehmen.

Was kann ich wirklich tun?

Ich finde es immer wieder verlockend, wenn mir jemand verspricht, durch das Nachsprechen oder Abschreiben von Wort-Formeln würde mein Leben besser.

Im Netz finden sich zahlreiche Anleitungen dafür, wie man den Verpflichtungen des „sozialen Kontraktes“ entkommt und von der Person zum Mensch wird.

Dort gibt es Vorlagen für Schreiben an Behörden, Vorlagen für Urkunden und Deklarationen. Es gibt auch ein Angebot, einen angeblich international gültigen Eid als Mensch auf Malta abzulegen.

Aber welche Wirkungen haben solche Deklarationen? Haben sie tatsächlich eine rechtliche Wirkung?

Wird die deutsche Verwaltung tatsächlich aufhören, mich zu besteuern? Oder wird die Erklärung etwa die gleiche Reaktion hervorrufen wie wir, als wir im Alter von 10 Jahren voller Elan die Polizeiwache aufsuchten und unseren YPS-Detektivausweis vorlegten?

Bei meinen Recherchen stellte ich fest, dass noch sehr viele andere Leute bei diesem Thema auf den Vergleich mit dem YPS-Detektivausweis gekommen sind; das scheint naheliegend zu sein.

Und, selbst WENN ich dann frei von Personen-Pflichten bin?

In welcher Weise schaffe ich dann einen Ausgleich für die staatlichen Leistungen, die ich nutze? Benutze ich die Straßen, die der Staat gebaut hat? Lasse ich mir nachts von den Straßenlaternen heimleuchten, fahre ich auf subventionierten Gleisen? Rufe ich die Polizei, wenn ich bedroht werde?

Es gibt zahlreiche Argumentationen, dass der Staat uneffektiv arbeitet. Das mag so sein oder auch nicht. Tatsache bleibt, ein großer Teil der Infrastruktur in Deutschland ist über staatliche Organisation mitfinanziert. Andernfalls würde ich auf anderem Wege dafür bezahlen.

Aber, als Nicht-Person-Mensch, schaffe ich dann gar keinen Ausgleich für das, was ich in Anspruch nehme?

Was habe ich aus all dem gelernt?

Ich erinnere mich, wie ich ein paar Male über meinen Terminkalender sagte „Da ist mein ganzes Leben drin!“ Heute erscheint mir das absurd. Ja, da waren Adressen und Termine drin. Und das habe ich mit meinem Leben identifiziert?

Auf die Frage danach, „wer ich bin“, gibt es wohl vielfältige Antworten. Mir erscheint die Frage inzwischen kaum noch interessant, weil sie mir nicht beantwortbar vorkommt.

Über die letzten Jahre, insbesondere 2013 bis 2017, bin ich doch sehr erstarrt in meiner fachlichen Beschäftigung mit Vorschriften, Schemata und eckigen Strukturen.

Für eine Weile erschien es so, als wäre ich selbst erstarrt und eckig geworden. Die Beschäftigung mit dem Thema Menschsein hat mich wieder gelockert.

Fazit zum Thema Mensch vs Person

Ein Gemeinwesen, eine Form des Zusammenlebens muss nach irgendwelchen Regeln stattfinden. Derzeit (April 2017) wird das Gemeinwesen größtenteils über Staaten und deren Gesetze organisiert. Dies ist sicherlich nicht die endgültige Antwort auf alles.

Ob es mehr Sonderwirtschaftszonen geben wird, ob Kleinstaaten aus Sezessionsbewegungen hervorgehen werden, ob größere Staaten ihren Bürgern mehr Freiheiten zugestehen werden, ob Seasteading die Antwort ist – wir werden sehen oder auch nicht.

Das Gewaltmonopol des deutschen Staates

Ja, der Staat hat ein Gewaltmonopol. Manchmal übertreiben es einzelne Staatsangestellte mit der Gewaltanwendung. Nach meiner Erfahrung ist dies in Deutschland sehr selten. Ich erlebe die deutsche „Staatsgewalt“ als weitestgehend tiefenentspannt.

Nachdem ich selbst gesehen habe, wie die spanische Polizei jemanden „befragt“ (der noch nicht einmal einer Ordnungswidrigkeit verdächtig ist), bin ich sehr froh über die deutsche Polizei. Die Briten haben sicherlich noch einen weiteren Gang zurückgeschaltet.

HAVE FUN!

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Alexander

Controller, Dozent bei AME Fortbildung und Controlling UG (haftungsbeschränkt)
Seit 1998 freier Controller, seit 2010 zusätzlich als Dozent im Rechnungswesen unterwegs. Schreibt über alles Mögliche.

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