MGTOW – Men Going Their Own Way

In Nordamerika, in den USA und Kanada, hat sich in den 2010ern eine Bewegung namens MGTOW gebildet. Men Going Their Own Way – Männer, die ihren eigenen Weg gehen.

Diese Männer haben beschlossen, gar keine Beziehungen mehr zu Frauen einzugehen und gänzlich ihr eigenes Ding zu machen.

Eine naheliegende Theorie ist, dass MGTOW als Reaktion entstand auf die unsägliche Benachteiligung von Männern insbesondere in nordamerikanischen Familiengerichtsfällen.

Es ist auch eine Reaktion auf die faktische Abschaffung der Unschuldsvermutung an Universitäten und extreme Angriffe gegen Männer zum Einen wegen völlig frei erfundener Schandtaten, zum Anderen, weil auf manche Männer Blitz, Hölle und Feuer niedergegangen sind wegen absoluter Bagatellen.

Ein US-Senator verlor seinen Posten, weil er FÜNFZEHN JAHRE ZUVOR einer Frau FÜR WENIGE SEKUNDEN eine Hand AN DEN UNTEREN RÜCKEN gelegt hatte. Nicht in den BH, nicht in die Hose. Nicht in der Absicht zu fummeln, sondern im Versuch zu trösten, weil sie traurig war. Sie entschied 15 Jahre später, dass sie dies nun unangemessen fand.

Alles Frauenverachter, Verschwörungstheoretiker und Nazis?

Nicht alle MGTOWs sind gleich. Vielen haben schlicht beschlossen, aus dem Mann-Frau-Spiel auszusteigen, weil die Gewinnchancen ihnen unattraktiv erscheinen.

Ja, bei manchen ist das wie bei dem beleidigten kleinen Jungen, der die anderen anblafft „Ich spiel nicht mehr!“, weil ihm die Ergebnisse des Spiels nicht gefallen, weil er noch nicht gewonnen hat, usw.

Und andere wurden vom „Justiz“-System Nordamerikas in Grund und Boden geschleift oder haben übelste Fälle falscher Anklagen erlebt.

Wahrscheinlich ist auch eine kleine Gruppe dabei, die zutreffende Anklagen erlebt haben, gerade noch einmal entkommen sind und sich nun auf der Flucht befinden.

Manche MGTOW produzieren Podcasts, die mir sehr albern erscheinen, in denen sie in ihrer kleinen Echokammer sitzen und schmollen und herumnölen „die Weiber sind ja alle doof!“ usw.

Professor Jordan Peterson bezeichnete die MGTOW in einem Vortag als „erbärmliche Wiesel“. Dafür entschuldigte er sich später bei mehreren Gelegenheiten öffentlich mit der Begründung, die Bewegung hätte zumindest recht mit ihren Betrachtungen zur Fairness im Familien-„Justiz“-System in Nordamerika. Er gab in diesen Interviews auch eine differenziertere Interpretation des Phänomens.

Manche MGTOW erlebe ich als frauenverachtend, andere nicht.

Aber es ist viel cooler, wenn wir eine Gruppe als Ganzes verurteilen und uns dabei so viel schlauer vorkommen!

Exkurs: Verschwörungstheorien

Zu einem meiner Lieblingswörter „Verschwörungstheorie“: Wenn mehrere Leute gemeinsam ein Verbrechen begehen, sprechen sie sich vorher ab? Wohl eher ja. Da haben wir bereits eine Verschwörungstheorie: Leute sprechen sich ab, ein Verbrechen zu begehen.

Die offizielle Geschichte des NSU, erzählt von deutschen Behörden, ist eine Verschwörungstheorie: Die Uwes und die Beate haben sich abgesprochen, Verbrechen zu begehen. Ob das die ganze Wahrheit ist, weiß ich nicht, und es ist per definitionem eine Verschwörungstheorie. Die Tatsache, dass es, Stand Februar 2018, sieben Zeugen gibt, die auf seltsame Weise zu Tode gekommen sind, ist wahrscheinlich auch eine Verschwörungstheorie. Ach nee, sind ja Tatsachen… Aber Tatsachen, die mir nicht in den Kram passen. Also: Verschwörungstheorie!

Die offizielle Geschichte zu 911, erzählt von amerikanischen Behörden, ist eine Verschwörungstheorie: 19 Täter haben sich abgesprochen, gemeinsam ein Verbrechen zu begehen. Das ist eine Verschwörungstheorie. Ob die zutrifft, weiß ich nicht. Die Planung von Operation Northwoods wurde inzwischen amtlich bestätigt. Aber diese Tatsache ist halt auch eine Verschwörungstheorie…

Die offizielle Geschichte zu den Verbrechend des Marc Dutroux, erzählt von belgischen Behörden, ist eine Verschwörungstheorie. Marc Dutroux hat sich mit seiner Frau und anderen abgesprochen, Verbrechen zu begehen. Das ist eine Verschwörungstheorie. Auch hier, die Tatsachen von Seltsamkeiten bei den Ermittlungen und seltsam verstorbene Zeugen: Diese Tatsachen sind eine Verschwörungstheorie, und wer sie ausspricht, ist automatisch ein Aluhut tragender Rechtspopulist.

Das Wort „Verschwörungstheorie“ wird seit den 2000ern bis jetzt (Stand: Februar 2018) als rhetorischer Kampfbegriff benutzt, ein Schlagwort, um Diskussionen abzuwürgen. Im Kindergarten funktioniert dieses Niveau, und solange der größte Teil der Welt ein großer Kindergarten bleibt, funktioniert es auch weiterhin.

Ist MGTOW eine Lösung?

Ich halte es zunächst einmal für eine gute Idee, mich von den Bewertungen Anderer so unabhängig zu machen, wie es geht, insbesondere von den neurotischen Bewertungen Anderer.

Insofern kann es helfen, für eine Weile räumlichen Abstand von den Beurteilenden zu nehmen.

Der Konflikt wird durch MGTOW nicht gelöst, sondern vermieden.

Gibt es Männer, die Frauen verachten? Ja, gibt es. Gibt es Frauen, die Männer verachten? Ja, gibt es auch.

Für ein gegenseitiges Verstehen und ein konstruktives Miteinander wird es noch sehr viel friedliche Auseinandersetzung brauchen.

Wie relevant ist MGTOW für Deutschland?

Deutschland hatte seine Fälle von Aufregung um Komplimente, die als unpassend empfunden wurden (z.B. „Dirndl“) und von wahrscheinlich falschen Anschuldigungen (z.B. Kachelmann).

Es gibt auch Auseinandersetzungen zum Thema Kinder-Besuchsrechte für Väter und einige Problematiken beim Thema Kindesunterhalt. Aber die deutschen Familiengerichte neigen nicht in dem selben Maße dazu, Existenzen komplett zu schleifen wie einige US-Gerichte.

In Deutschland ist das Ganze insgesamt weniger aufgeregt, deshalb ist MGTOW für Deutschland weniger interessant. Die juristische Unschuldsvermutung ist zumindest im Gericht noch intakt (Stand: Februar 2018), ungeschickte Annäherungsversuche werden noch nicht in die gleiche Kategorie eingeordnet wie Kriegsverbrechen, und die Kommunikation erscheint mir in weiten Teilen vernünftig.

 

Titelfoto: taylorjamesphotos

 

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Alexander

Controller, Dozent bei AME Fortbildung und Controlling UG (haftungsbeschränkt)
Seit 1998 freier Controller, seit 2010 zusätzlich als Dozent im Rechnungswesen unterwegs. Schreibt über alles Mögliche.
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