Meine Gitarren-Geschichte

Dies ist mein Beitrag zu einer Blogparade, zu der Stefan vom gitarre.blog aufgerufen hat.

Da ich keine einzelne besondere Geschichte auf Lager habe, erzähle ich meine Geschichte in Beziehung zu meinen Gitarren.

Gitarren als erzwungene Alternative

Ich wollte ursprünglich Schlagzeug spielen. Ich dachte, ich sei ein geborener Drummer.

Meine Mutter argumentierte, Schlagzeug könne man nur sinnvoll in einer Band spielen. Und mit mir wolle ja niemand etwas zu tun haben, da ich asozial und widerlich sei.

Dann wollte ich Bass spielen. Gleiche Argumentation.

Meine Mutter hatte selbst 10 Jahre lang Gitarren-Unterricht, hat aber nie etwas gelernt. Das verhält sich ähnlich wie mit meinen eigenen 7 Jahren Kampfkunst, in denen ich auch nichts Substanzielles gelernt habe, weil ich absolut null Talent für körperliche Bewegung habe.

Irgendwann nahm ich einfach ihre akustische Gitarre, die im Wohnzimmer lehnte, schlug das Lehrbuch auf dem Notenständer auf und sah mir die Akkorde an, die im Standard-Griffschema abgebildet waren.

Nach zwei Wochen war ich durch das Buch hindurch.

Bei der Bücherei, die direkt gegenüber von unserem Haus war, lieh ich mir das Songbuch der Rolling Stones vom Zweitausendeins Verlag und spielte mich durch die Songs.

Meine Gitarren-Evolution

Und, was war meine Lieblings-Band?

Da ich wirklich spielte, war meine Mutter schließlich bereit, mir eine E-Gitarre zu kaufen. Es war eine Stratocaster-Kopie der Marke „Gherson“, nach meinen Recherchen eine italienische Marke. Sie war gut zu spielen. Über den Sound habe ich wenig Erinnerung. Ich blastete vor allem durch einen kleinen schwarzen Kasten der Marke „Radian“, und mir war so ziemlich alles egal, Hauptsache, verzerrt.

Für eine Weile hatte ich dann eine Ibanez Destroyer, die nicht besonders toll klang, aber das war egal, weil sie cool aussah.

Die Destroyer war sehr schwer und etwas unbequem zu spielen, also verkaufte ich sie und besorgte mir eine Ibanez AxStar, die aussah wie eine Art gebogenes X. Großartig zu bespielen, federleicht und nach meinem damaligen Gehör großartig im Klang.

1995 war ich endgültig von der Illusion geheilt, jemals mit Musik Geld zu verdienen, und verkaufte alles: Heimstudio, Gitarre, Verstärker, Keyboards, MIDI-Geräte.

In den letzten Tagen der SANCTUARY-Studios lag ich in meiner großzügigen Wohnung in Hamburg-Georgswerder auf dem Boden und mischte meine letzten Demos. Die Möbel waren schon alle raus, in der Mitte meines ehemaligen Schlafzimmers standen nur noch die Aufnahmeeinheit mit Mixer und die Stereoanlage.

Am letzten Tag holten die Käufer die gesamte Ausrüstung ab. Demos fertig. Das war’s.

mit der Ibanez Destroyer, Alter 17 oder so

Kurzer Reichtum

Als ich 2007 mal richtig Geld hatte, kaufte ich mir eine Gibson SG, die mir als beste Wahl erschien, vom Aussehen und vom Sound her.

Dazu einen großen Amp von LINE6.

Im Rahmen meiner persönlichen Pleite 2009 verkaufte ich dann beides wieder.

Einzeln und im Mix – von Ibanez zu Gibson, Fender und Charvel

In 2012 begann ich wieder mit Homerecording, von da an digital, mit Produkten von MAGIX. Nachdem ich diverse andere Hersteller ausprobiert habe, die hier wahrscheinlich nicht genannt werden wollen, frage ich mich, warum überhaupt irgendjemand mit etwas anderem arbeiten will als mit MAGIX.

Da Geld knapp war, entschied ich mich nach langem Herumprobieren für eine Ltd. Viper 50. Schön zu spielen, sieht hübsch aus, und nach meinem damaligen Verständnis gut im Klang.

Ich probierte auch 2 Modelle von Harley Benton, die ich ganz gut fand.

mit Gibson SG 2007

Dann trat wieder jemand in mein Leben, den ich seit der Schulzeit nicht gesehen hatte und der professioneller Musikproduzent ist. Er meinte, wir könnten mal ein paar Demos machen.

Aus den paar Demos wurde dann nach und nach ein gesamtes Album, das Anfang Januar 2018 zu 98% fertig ist.

Jener Produzent ist ein Meister der Gitarrensounds. Von ihm lernte ich etwas, das mir vorher nie klar war: Wenn eine Gitarre für sich allein gut klingt, heißt das noch lange nicht, dass sie auch im Mix mit anderen Instrumenten gut klingt. Oft entsteht im Zusammenspiel nur Matsch.

So begann ein längerer, durchaus schmerzhafter Prozess meiner persönlichen Scheidung von der Marke Ibanez. Ich lernte, anders zu hören. Und so wunderschön die Ibanez auch alle aussehen, so toll sie zu spielen sind, so voll sie für sich allein klingen, so körnig und breiig sind sie im Mix.

Ich unternahm sogar eine Tagestour von Hamburg nach Westfalen, um eine ganze Batterie von Ibanez-Gitarren zu testen. Ergebnis: Selbst die schönen, teuren Modelle Made in Japan bringen es einfach nicht im Mix.

Das einzige Modell von Ibanez, das ich auch im Mix gut finde, ist die Iceman, die inzwischen als „PS“-Modellserie läuft, mit verschiedenen Varianten, die von Paul Stanley von KISS mit gestaltet wurde. Diese Modelle klingen sehr passend für Paul, geeignet hauptsächlich für Rhythmus

mit Gibson SG 60s Tribute

in allen Stufen der Verzerrung.

Nichts, was hervorsticht, aber eine gute, solide Begleitung, und im Mix konturiert, gut erkennbar.

Nachtrag am 21.01.2018: Mir wurde gesagt, dass manche Ibanez-Modelle speziell im Bereich Heavy Metal auch sehr gut im Mix funktionieren. Dies sind besondere Metal-Modelle, die ich gar nicht kenne, plus die etwas teureren Modelle, die Steve Vai mit entwickelt hat.

Dagegen rundum überzeugend: Viele Modelle von Fender, Gibson und Charvel, manche von Jackson und Hamer.

Weiter mit bescheidener Ausstattung

Zwischendurch hatte ich eine Squier Strat, die wir mit neuer Elektronik und neuen Tonabnehmern ausstatteten, die absolut phantastisch klang, besser als so manches teure Fender-Original.

Das coolste Weihnachtsgeschenk 2017 für den Fanboy: Eine Miniatur der Ibanez Iceman Paul Stanley Signature

Da mein Budget aber nun mal limitiert war, konnte ich nicht alles behalten.

Für mich das derzeitige Optimum, Stand im Januar 2018: Eine Gibson SG 60s Tribute, die einen neuen Knochensattel bekommen hat und 57er Pickups. Großartig.

Dazu, für eine Mischung aus Funk und Rock: Eine weiße Charvel HS, die ich so günstig angeboten bekam, dass ich sogar an meine Ersparnisse ging.

Mit diesen beiden nehme ich nun auf.

Akustik-Gitarren waren nie so meins.

Coda

Mit 40 begann ich dann übrigens endlich, Drums zu spielen. Ich nahm ein Jahr lang Unterricht bei einem Lehrer, der aussieht wie Barack Obama. In diesem Jahr stellte ich fest, dass ich absolut NULL Talent für das Schlagzeugspiel habe.

Ich habe einfach gar kein Timing, was für Drums eher schlecht ist.

 

 

 

Titelbild: Chrom72

Jugend-Fotos: Mama

mit Gibson SG 2007: Selbstauslöser

mit Gibson SG 60s Tribute: Agnes Sowinska

 

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Alexander

Controller, Dozent bei AME Fortbildung und Controlling UG (haftungsbeschränkt)
Seit 1998 freier Controller, seit 2010 zusätzlich als Dozent im Rechnungswesen unterwegs. Schreibt über alles Mögliche.
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