Wie viele Männer meiner Altersgruppe wuchs ich auf mit der impliziten Idee, dass Männer das „böse“ Geschlecht sind: Gewalttätig, ohne Mitgefühl, dumpf, primitiv.

Die Beweise schienen überwältigend: Männer hatten Kriege angefangen und geführt, trafen unternehmerische Entscheidungen, die zu mehr Umweltverschmutzung führten, hatten die „Macht“.

Hatten sie die wirklich?

Interessanterweise sagte nie jemand direkt zu mir: Männer sind böse. Irgendwie „lag es in der Luft“, ohne dass ich wüsste, was das genau bedeutete.

Meine Mutter redete auch nicht schlecht über meinen Vater, auch nach der Scheidung nicht, abgesehen von 2-3 schnippischen Bemerkungen pro Jahr. Sie versuchte nie, meine Meinung über ihn zu beeinflussen und legte unserer Beziehung keinerlei Hindernisse in den Weg,

Jedes zweite Wochenende verbrachte ich bei ihm, und jeden halben Urlaub. Ich fühlte mich im Großen und Ganzen wohl und sicher dort, und vor allem sehr frei.

Und, ich dachte trotzdem: Männer sind prinzipiell weniger wert als Frauen. Woher hatte ich diese Idee? Das weiß ich bis heute nicht.

Ein Schock im Urlaub

Als ich 1986 auf Korfu im Urlaub war, gab es eine Veranstaltung, auf der die Jungs sich als Frauen verkleiden sollten und die Mädchen als Männer.

Als der Intellektuelle, der ich war, dachte ich, was für eine großartige Gelegenheit, etwas über das jeweils andere Geschlecht zu lernen und besser zu verstehen!

Und, was passierte? Die Jungs in Frauenkleidung verhielten sich überhaupt nicht weiblich, sondern tuntig. Und die Mädchen verhielten sich laut und primitiv. Ich fragte sie, ist das ernsthaft das Bild, das Ihr von Männern habt? Sie sagten, ja, genau so.

Ich wusste zumindest, dass ich nicht so war, und meine Freunde auch nicht. Gleichzeitig wusste ich, dass wir nicht die Mehrheit sind. Also dachte ich: Sind Jungs und Männer wirklich so? Zumindest ein Alpha-Junge, mit dem ich mich lose anfreundete und Tauchen ging, war auch nicht so.

Weniger schockierend, eher überraschend fand ich es, dass ein Grieche mich tatsächlich für ein Mädchen hielt und hartnäckig versuchte, mich aufzureißen.

Die Wende: Männerkultur

Als ich Mitglied der EVENT-Gemeinschaft wurde, war eines der Konzepte, dass Männer einen Teil ihrer Zeit ausschließlich mit Männern verbringen sollten, um Männer-Zeugs zu tun, und dass Frauen einen Teil ihrer Zeit ausschließlich mit Frauen verbringen sollten, um Frauen-Zeugs zu tun.

Einer der Trainer sprach von einer wissenschaftlichen Studie, die nachwies, dass Männer sich nur in einer reinen Männerrunde wirklich tief entspannen könnten.

Ich war mir nicht sicher, und aus den Erlebnissen mit meinem gewalttätigen Stiefvater und mit anderen Männern, die ich subjektiv als herrschsüchtig und brutal erlebt hatte, war ich sehr vorsichtig.

Aber ich war bereit, Männerkultur auszuprobieren.

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Wir wussten nicht, was die Frauen miteinander taten, und es interessierte uns auch nicht sonderlich. Die meisten Frauen fragten ihrerseits auch nicht nach, was wir miteinander taten.

In dieser Zeit ging mir so Einiges auf. Diese Männer waren nicht so übel. Wir sprachen über unsere Väter, und auch die meisten Väter schienen nicht so übel zu sein. Die meisten Männer zeigten Mitgefühl, Kompetenz und den ehrlichen Wunsch, eine bessere Welt zu gestalten.

Den gleichen Eindruck hatte ich mehrere Jahre später von den meisten Coaches in der PickUp-Community.

Das muss nicht zwingend heißen, dass alle Männer so sind. Ich habe auch Männer – und Frauen – erlebt, bei denen ich den Eindruck hatte, dass ihre Integrität und Beziehungskompetenz besser sein könnte.

Fehlinterpretationen

Mir ging auf, dass ich ein paar Dinge verwechselt hatte:

  • Selbstsicherheit mit Arroganz
  • Aggression mit Gewalt

Da ich mich selbst als so schwach erlebte, war jegliche Konkurrenz, jeglicher Wettbewerb sofort eine existenzielle Bedrohung.

Ich hatte auch lange unterschätzt, in welch erbärmlichen Zustand der größte Teil der Welt war und wieviel Anstrengung es erforderte, dem eigenen Umfeld ein einigermaßen anständiges Leben zu gestalten.

Und, ja, sowohl Männer als auch Frauen, waren bei diesen Versuchen nicht ausschließlich perfekt und unfehlbar. So kam es zu Szenen, die ich vor dem Hintergrund interpretierte, den ich hatte. Als sich mein Hintergrund änderte, änderte sich auch meine Interpretation: Viele Männer tun wahrhaft das Beste, was sie in der gegebenen Situation können.

Und wir können nicht alle gleich viel gleich gut, und es gibt Situationen, in denen eine „gute Lösung“ nicht möglich ist.

So erkannte ich, dass ich viele Männer in meiner Kindheit und Jugend falsch beurteilt und verurteilt hatte. Ich schrieb dann sogar einen Magazin-Artikel, der auch veröffentlicht wurde, in dem ich mich offiziell bei der letzten Generation der Männer entschuldigte für meine Fehlurteile.

Ein Platz für Nerds

Im Rückblick wurde mir klar, dass ich bereits zu Schulzeiten, trotz meiner körperlichen Schwäche, trotz meiner extremen Betonung meiner intellektuellen Seite, einen respektierten Platz in der Gemeinschaft der Männer hatte.

Natürlich wollten die Mädchen mich deswegen immer noch nicht. Die eine oder andere beschnupperte mich neugierig, nur um sehr schnell wieder zu gehen.

Aber, auch für einen Nicht-Krieger, gab es einen Platz unter den Männern.

Später, so ab 30, gab es dann auch reichlich Platz neben Frauen.

Fazit zur Männerkultur

Ich habe für mich die Männerkultur als sehr bereichernd erlebt.

Sicherlich waren die Männer, die mich damals umgaben, für mich gut als Peers und Kollegen geeignet.

Nach den Männerzeiten fand ich auch meine Begegnungen mit Frauen etwas entspannter.

 

Titelfoto: Ben_Kerckx

 

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Alexander

Controller, Dozent bei AME Fortbildung und Controlling UG (haftungsbeschränkt)
Seit 1998 freier Controller, seit 2010 zusätzlich als Dozent im Rechnungswesen unterwegs. Schreibt über alles Mögliche.

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