Leben fast ohne Geld: Ein gelungener Ausstieg

Es gibt einige Menschen, die es tatsächlich geschafft haben, sich „aus dem System“ weitgehend zu verabschieden, vor allem von den finanziellen und administrativen Abhängigkeiten. Sie leben weitgehend „frei“ und verbrauchen wenig Strom, Wasser, Kleidung, sie wohnen preisgünstig und belasten ihre Umwelt so wenig wie möglich.

Einer davon ist Thomas Häfker. Er ist nach Spanien ausgewandert, in die Kleinstadt San Fulgencio, und führt ein gesundes Leben für sehr wenig Geld. Nach allem, was ich von ihm gelesen habe, erscheint er mir sehr realistisch und bodenständig.

Er isst vegetarisch, trinkt Wasser, wäscht sich mit Kernseife, kocht selbst. Details gibt es auf seiner Seite „sichergesundleben“.

Ich stieß auf Thomas Häfker bei Recherchen zum Thema „günstig wohnen“. Er macht ein paar Vorschläge zum Thema, die sehr gut nutzbar sind für Menschen, die gerne in ländlichen Gegenden wohnen. Auf diese Weise kann man tatsächlich zu minimaler Monatsmiete wohnen, wenn man darauf verzichten will, mitten in der Stadt zu leben.

Ein Ausstieg mit häufigem Umsteigen

Thomas Häfker war einst, nach der Definition einiger Gesetze, ein „Krimineller“.

Er beschreibt in seinem Buch sehr offen, was er getan hat und mit welchen Menschen er sich umgeben hat. Gewalt, Drogen, Zuhälterei.

Er hatte mehrere sehr schmerzhafte Begegnungen mit rivalisierenden Gangs, mit anderen „Kriminellen“, die er verärgert hatte, und mit der Polizei. Er erlitt schlimme Verletzungen und war zweimal klinisch tot. Seine Lebensgeschichte ist wahrhaft bewegend.

Warum setze ich „Krimineller“ usw. in Anführungszeichen? Nach meiner Wahrnehmung ist das, was Einbrecher und Mörder anrichten, zwar übel, aber extrem amateurhaft im Vergleich zu dem, was ein ambitionierter Politiker an Schaden anrichten kann, mit Hilfe seiner blinden und halbblinden Erfüllungsschergen.

Wir als Bevölkerung, die den täglichen Diebstahl und Mord einfach hinnimmt, haben dabei auch keine Heldenrolle.

Ob Thomas das alles wirklich genau so passiert ist, weiß ich nicht; Manches klingt mir doch allzu phantastisch.

Angesichts all der verrückten Sachen, die ich selbst erlebt habe, kann es aber durchaus sein, dass das alles wahr ist.

Thomas verließ die „Kriminalität“, wurde Unternehmer und führte mehrere Unternehmungen erst zum wirtschaftlichen Erfolg, dann in den Misserfolg. Statussymbole und teure Spielzeuge (Autos, Boote) waren ihm sehr wichtig.

Und so erging es ihm im Größeren, wie es mir einst im Kleineren ergangen war, er ließ auch das letzte Unternehmen gegen die Wand schlingern.

Er ging nach Spanien und fing bei Null wieder an. Ein kaputtes Haus ohne Möbel, kein Einkommen, fast keine Ersparnisse.

Durch die Unterstützung von Mitmenschen kam er wieder auf die Füße und lebt nun kontinuierlich fast ohne Geld.

Wie konkret lebt Thomas fast ohne Geld?

Die Familie kocht selbst, baut Nahrungsmittel selbst an, erzeugt ihre eigene Elektrizität, verbraucht wenig Wasser und wohnt vor allem sehr günstig.

Steuerlich ist Spanien noch ungünstiger als Deutschland. Aber was Spanien natürlicherweise mehr hat als Deutschland, ist Sonnenschein. Dadurch ist es viel einfacher, Elektrizität aus Solarzellen zu gewinnen, zumindest in Südspanien.

Daraus folgt naturgemäß auch, dass man weniger Schutz gegen Kälte und Regen braucht.

Nach den Fotos zu urteilen, kocht und backt die Familie sehr lecker.

Kleidung und einfache Gebrauchsgegenstände werden auf dem Flohmarkt gekauft.

Zum Waschen und Rasieren benutzt Thomas einfache Kernseife. Wer sich gesund ernährt und sich genug bewegt, stinkt ja ohnehin nicht so doll.

War das so vorherbestimmt, fast ohne Geld zu leben?

Ich weiß nicht, ob es so etwas wie Karma gibt oder einen „Seelenplan“ oder ob wir aus verborgenen psychologischen Dynamiken unserer Ahnen angetrieben werden.

Vieles in der Geschichte von Thomas Häfker weist in die Richtung, dass eine „höhere Macht“ (noch höher als die EU-Kommission) ihn mehrfach gerettet hat.

Wenn diese höhere Macht so toll ist, wo bleibt sie dann für die afrikanischen drogensüchtig gemachten Kindersoldaten?

Also, selbst wenn es sie gibt, sage ich mit Woody Allen, ist sie bestenfalls ein Underachiever.

Für mich selbst bin ich nicht sicher, ob es für mich einen Plan gab oder gibt.

Warum ist Thomas der Ausstieg dahin gelungen, fast ohne Geld zu leben, der anderen oft misslingt?

Wie ich seinem Buch entnehme, hat Thomas sehr früh angefangen, selbst zu denken anstatt das Dogma seines Umfeldes kritiklos zu übernehmen.

Außerdem hat er offenbar einige Dinge durch tiefe Erfahrung wirklich begriffen.

Was mich im ganzen „alternativen“ Umfeld manchmal irritiert ist der Eindruck, dass Einiges sehr ideologisch geprägt ist und vieles nachgeplappert wird, anstatt dass es aus einer wirklich tiefen Überzeugung kommt, die aus Erfahrung geboren ist.

Manches erscheint mir auch aus einer Rebellion gegen die Konsumgesellschaft der Eltern zu entstammen. Egal was, Hauptsache, es ärgert Mami und Papi. Thomas scheint dem Ressentiment gegen seine Eltern entwachsen zu sein.

Thomas hat die Segnungen des Materialismus bereits eine Weile lang voll ausgekostet und ist auf dieser Ebene wohl bereits satt genug, um ohne all diese hohle Zuckerwatte leben zu können. Wie ich selbst sage: Schöne Autos und schnelle Frauen. Für eine Weile fand ich das auch geil. Und ich glaube nicht, dass ich freiwillig darauf verzichten würde, wenn ich diese Erfahrungen nicht gemacht hätte.

Thomas hat sich mit den zahlreichen Möglichkeiten auseinandergesetzt, fast ohne Geld zu leben, und hat für die wichtigsten Lebensbereiche Lösungen gefunden, die für ihn und seine Familie funktionieren. Er versucht nicht, etwas unreflektiert nachzumachen.

Und nicht zuletzt, Thomas bringt substanzielle materielle Opfer, um seine Lebensweise fast ohne Geld beibehalten zu können. Er verzichtet auf vieles und geht ein erhebliches Risiko ein. (Der Gedanke an Intimrasur mit seiner Ausrüstung lässt mich zusammenzucken. Aber das lässt sich wohl lernen.)

Fazit zum gelungenen Ausstieg, Leben fast ohne Geld

Seit jeher ist es so, dass der Mensch in warmen Gegenden weniger Ressourcen braucht als in kalten.

In Südspanien die meiste Zeit ohne Heizung zu leben ist also kein Kunststück.

Was mich im Fall Thomas Häfker beeindruckt, ist sein offensichtliches Verständnis davon, was für ihn ein lebenswertes Leben ausmacht.

Er macht daraus mehr als nur Geld zu sparen, sondern eine echte gefühlte Lebensphilosophie, den Planeten zu schonen und anderen Menschen etwas beizutragen.

In diesem Sinne empfehle ich allen, seine Seite intensiv zu studieren.

HAVE FUN!

 
 
Bild: Andalucia, von PhotoGranary
 
 
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Alexander

Controller, Dozent bei AME Fortbildung und Controlling UG (haftungsbeschränkt)
Seit 1998 freier Controller, seit 2010 zusätzlich als Dozent im Rechnungswesen unterwegs. Schreibt über alles Mögliche.
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