Alejandro Jodorowsky: Regeln für das Management des Herausragenden

Einer der wenigen Menschen, die in der Filmwelt, in der Zusammenarbeit von Menschen wirklich Herausragendes geleistet haben, ist Alejandro Jodorowsky.

Jodorowsky hat 82 Gebote formuliert, die das Erreichen des Herausragenden erleichtern.

Jodorowskys monetärer Erfolg ist durchaus überschaubar. Er hat sicherlich weniger Geld gemacht als Stanley Kubrick, steht diesem aber in Intelligenz, Vision und Schaffenskraft in nichts nach. Ich halte ihn sogar für noch tiefer als Kubrick, zumindest für lebensnäher und praktischer.

Für Jodorowsky geht es auch nicht vorrangig um Geld. Sein Motto war stets „Prophetie vor Profit“.

Sein größter weithin sichtbarer Erfolg war der Film „Der Heilige Berg“ von 1973.

Subtiler war sein bis heute nachhallender Einfluss auf die Filmindustrie durch das gescheiterte Gigant-Projekt seiner eigenen Verfilmung von DUNE, welches dann von unter der Regie von David Lynch zu dessen eigenem Missfallen in den Wüstensand gesetzt wurde.

Die Storyboards und zahlreiche visuelle Ideen aus dem DUNE-Projekt haben unverkennbar Generationen von Filmemachern beeinflusst. Der Einfluss auf ALIEN und STAR WARS ist unübersehbar.

Insbesondere verstand es Jodorowsky, hervorragende Teams zusammenzustellen. So gingen HR Giger, Dan O’Bannon und Ridley Scott nahtlos von DUNE in das ALIEN-Projekt.

Nach welchen Regeln spielt nun Jodorowsky, und wie können wir selbst herausragende Projekte managen, wenn auch ohne jede Garantie auf finanziellen Gewinn?

Alejandro Jodorowskys Regeln für das Managen des Herausragenden

Im Original hat Jodorowsky 82 Regeln formuliert. Ich präsentiere hier eine Auswahl und gebe meinen eigenen Senf dazu.

1. Richte Deine Aufmerksamkeit auf Dich selbst; sei in jedem Moment gewahr, was Du denkst, fühlst, wahrnimmst, wünscht und tust

Ich vermute, hier ist keine narzisstische Selbstbespiegelung gemeint, sondern ein wertfreies Beobachten dessen, wo ich mich gerade innerlich und äußerlich befinde.

2. Beende alles, was Du begonnen hast

Ich schätze mal, hier ist nicht gemeint, jeden Unfug, den man angefangen hat, bedingungslos zu Tode zu reiten. Beenden kann auch heißen, ein Projekt bewusst und absichtlich mit Klarheit zu beerdigen.

3. Was immer Du tust, tue es so gut und gründlich wie möglich

Nach meiner Beobachtung ist dies eine Regel, die alle beachtet haben, die berühmt und reich geworden sind. Wobei die Beachtung der Regel keinerlei Garantie beinhaltet, dass ich reich und berühmt werde.

4. Hänge Dich an nichts, was Dich langfristig zerstören kann

Drogen sind langfristig wohl keine so gute Idee…

5. Entwickle Deine Großzügigkeit – aber im Stillen

Langfristig ist es für das eigene Netzwerk sehr produktiv, wenn ich großzügig bin, dies aber nicht dauernd an die große Glocke hänge.

6. Behandle alle, als wären sie nahe Verwandte

Das kommt wohl u.a. darauf an, wie das Verhältnis zur eigenen Familie ist. Aber wir verstehen, was gemeint ist. Jeder begegnet uns irgendwann wieder…

7. Organisiere das, was Du desorganisiert hast

No comment

8. Lerne anzunehmen und für jedes Geschenk Dankbarkeit zu zeigen

Da haben wir doch mal was, worüber ich auch schon geschrieben habe. Mit Dankbarkeit komme ich weiter, und die Fähigkeit zum Annehmen halte ich für zentral wichtig.

9. Höre auf, Dich selbst zu definieren

Je weniger ich mich selbst definiere, desto mehr kann ich außerhalb eines starren Selbstverständnisses handeln. Wie bereits mein Mentor Warren Barigian sagte, das Verständnis der Menschen ist ohnehin zu begrenzt, um zu begreifen, was sie sind.

Oder, erst in den Worten von Buckminster Fuller, dann von Heinz Erhardt: Glauben Sie nicht alles, was Sie denken.

10. Lüge und stehle nicht, denn Du belügst und bestiehlst nur Dich selbst

Das spirituelle Konzept von „wir sind alle Eins“ ist meines Wissens noch nicht zweifelsfrei bewiesen.

Ein paar professionelle Diebe und Lügner dürften weiterhin subjektiv das Erleben haben, dass sie in ihre eigene Tasche wirtschaften.

11. Hilf Deinem Nachbarn, aber mache ihn nicht abhängig

Nach dem Motto: Lehre einen Mann zu fischen, und Du verlierst einen sicheren Kunden.

12. Ermutige andere nicht, Dich zu imitieren

Ein Vorbild zu sein, kann schön sein, aber eine Blaupause hilft niemandem.

13. Mache Arbeitspläne und führe sie durch

Auch mir selbst gegenüber ist Zuverlässigkeit hilfreich.

14. Nimm nicht zu viel Raum ein

Nach meiner Wahrnehmung hat Jodorowsky klar und einfach vorgelebt, dass es ihm nicht vorrangig um seine eigene Wichtigkeit geht.

15. Mache keine unnötigen Bewegungen oder Geräusche

Ich glaube, Peter Ustinov sagte mal was Ähnliches.

16. Wenn Du nicht an Dein Ziel glaubst, tue so, als ob

Bin nicht sicher, ob das auch gelten soll, wenn das Ziel Blödsinn ist. In dem Fall ist Nicht-Glauben möglicherweise die nützlichere Option.

17. Erlaube Dir nicht, von starken Persönlichkeiten beeindruckt zu sein

Da kommt mir ein ganzer Schwall von Gedanken. Was ist denn eine „starke Persönlichkeit“, was ist ein aufgeblasener Wichtigtuer, und wer hält seinen Einfluss nur aufrecht durch mehr oder weniger subtile Androhungen von Gewalt?

Was vermutlich gemeint ist, ich soll mich nicht zu stark beeinflussen lassen, auch von Leuten, die was drauf haben. Die Idee gefällt mir.

18. Betrachte nichts und niemanden als Deinen Besitz

Alles, was da ist, war auch in dieser Form mal nicht da und wird irgendwann nicht mehr da sein. Und Menschen zu besitzen, welch seltsames Konzept.

19. Teile fair

Für mich noch ein Treffer. Ich glaube, das habe ich bisher getan.

Auch wenn ich juristisch aus schrägen Verträgen mehr herausholen könnte, mir geht es nicht gut damit.

20. Verführe nicht

Damit könnte gemeint sein, ich soll nicht versuchen, meine Ziele durch Täuschung zu erreichen und durch kurzfristige Anreize andere zu etwas zu verleiten, was ihnen langfristig leid tut.

21. Schlafe und iss nur so viel wie notwendig

Spart enorm Zeit und Energie. Wenn ich mich gelegentlich mal dran halte.

22. Sprich nicht über Deine persönlichen Probleme

Wie viele wirklich große Charaktere kennen Sie, die oft herumjammern, wie schlecht sie mit ihren eigenen Neurosen zurechtkommen?

Ich mache das. Ich bin auch kein großer Charakter.

23. Äußere keine Urteile, wenn Du über die Situation nicht umfassend bescheid weißt

Als könne ich jemals ausreichend umfassend über irgendwas bescheid wissen. Also spare ich mir meine Urteile.

24. Knüpfe keine nutzlosen Freundschaften

Weiß nicht, was damit gemeint ist.

25. Folge keiner Modeströmung

Für Leute, die selbst denken, sowieso keine Option.

26. Verkaufe Dich selbst nicht

Oder, in Zeiten der Not, gerade das!

27. Halte Verträge ein, die Du eingegangen bist

Was denn sonst?

28. Sei pünktlich

Wäre auch schön. Wobei die Leute, mit denen ich gearbeitet habe, die wirklich gut sind, meistens pünktlich waren. Bis auf ein paar herausragende Ausnahmetalente, die sich Zeit und Raum nach eigenen Vorstellungen interpretieren.

29. Sie niemals neidisch auf Glück oder Erfolg anderer

Führt sicherlich zu mehr innerem Frieden, wenn’s denn klappt.

30. Sage nicht mehr als nötig

Hier ist wohl weniger Geheimniskrämerei gemeint als eher der Vorschlag, nicht rumzulabern.

31. Denke nicht an den finanziellen Gewinn Deiner Arbeit

Ist wohl was für spirituell SEHR Fortgeschrittene. Für den Rest von uns schlage ich dringend vor, Gewinn, Steuern und Liquidität zu beobachten.

32. Bedrohe niemals jemanden

Sofern Du über 3 Jahre alt bist. Bis dahin geht das in Ordnung.

33. Halte Deine Versprechen

Was denn sonst?

34. In jeder Diskussion, versetze Dich in die Situation des anderen

Wenn ich kann.

35. Gib zu, dass jemand anders Dir in etwas überlegen sein kann

Ja, die großen Charaktere können das.

36. Eliminiere nicht, sondern verwandle

Eines meiner Lieblingskonzepte. Gegen etwas anzukämpfen, insbesondere im Inneren, finde ich sehr anstrengend. Besser, ich finde eine andere Perspektive dazu oder transformiere die Energie gänzlich.

37. Überwinde Deine Ängste; hinter jeder steckt ein verkleideter Wunsch

Ein spirituelles Konzept, das ich schon öfter mal gelesen habe, aber noch nicht verstanden (Stand: Januar 2017).

38. Hilf anderen, sich selbst zu helfen

Denn das macht sie nicht abhängig, siehe unter 11.

39. Überwinde Deine Abneigungen und gehe näher an die heran, die Abneigung in Dir hervorrufen

Fast alles, was ich ablehne, hat sowieso nur mit meinen eigenen Neurosen zu tun.

40. Reagiere nicht auf das, was andere über Dich sagen, egal ob Lob oder Verurteilung

Wie bereits an anderer Stelle ausgeführt, Beurteilungen sind schlicht irrelevant und fast ausschließlich basierend auf Neurosen.

41. Transformiere Deinen Stolz in Würde

Da hätte David Hawkins seine Freude.

Würde liegt energetisch über Stolz. Glaube ich zumindest.

Würde basiert auf einer tiefen Selbstanerkennung, Stolz basiert auf Werten anderer. Lässt sich aber nicht mal eben auf Knopfdruck

transformieren. Die Richtung stimmt, aber das Verfahren ist tendenziell langwierig.

42. Transformiere Deine Wut in Kreativität

Na, da würde meine Frau sich wundern, wenn ich mich nicht dauernd lautstark über völlig belangloses Zeug aufregen würde und mit der Energie was Sinnvolles anfange… (Stand: Januar 2017)

43. Transformiere Deine Gier in Respekt für Schönheit

Erfordert die Fähigkeit, Nahrung bis zu einem gewissen Grad energetisch aufzunehmen.

Falls es das überhaupt gibt und das kein Eso-Hirngespinst ist.

44. Transformiere Deinen Neid in Bewunderung für den Wert des Anderen

Auch hier wieder lieber konstruktiv als destruktiv.

45. Transformiere Deinen Hass in Barmherzigkeit

Einfach mal was Anderes machen!

46. Lobpreise Dich nicht selbst, beleidige Dich nicht selbst

Beides kommt möglicherweise aus der selben psychologischen Ursache.

47. Betrachte das, was nicht zu Dir gehört als zu Dir gehörig

Ich vermute nicht, dass dies eine Aufforderung zu grenzenlosem Diebstahl ist. Das schlägt wohl eher wieder in die Kerbe „Alles ist Eins“.

48. Beklage Dich nicht

Das wäre mal was Neues für mich…

49. Entwickle Deine Vorstellungskraft

Üben hilft bei Vielem.

50. Erteile keine Befehle aus dem einzigen Grund, Dich wichtig zu fühlen

Im Unternehmen nicht nachhaltig, im Militär mittelfristig tödlich.

51. Bezahle für Dienste, die Du in Anspruch nimmst

Mir fällt hier mindestens ein Witz ein, den ich nicht hinschreibe…

52. Missioniere nicht

No comment

53. Versuche nicht, Mitleid zu erregen, Bewunderung oder Verständnis

Andere werden entweder Verständnis und Mitgefühl haben oder nicht. Darum zu ringen führt vorrangig zu Anstrengung.

54. Versuche nicht, vor allem durch Deine Erscheinung aufzufallen

Das heißt, mein pfirsichfarbenes nabelfreies Top bleibt im Schrank? Na gut, als mittlerweile 48jähriger Mann mit 10 kg Übergewicht (Stand: Januar 2017) ist das wohl auch nicht die ästhetischste Option…

55. Widersprich nicht, stattdessen schweige

Bye bye Talkshows…

56. Gehe keine Schulden ein; bezahle sofort

Ja, JETZT weiß ich das auch…

HAVE FUN!

 

Bild: Tama66

 

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Alexander

Controller, Dozent bei AME Fortbildung und Controlling UG (haftungsbeschränkt)
Seit 1998 freier Controller, seit 2010 zusätzlich als Dozent im Rechnungswesen unterwegs. Schreibt über alles Mögliche.
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