Gast-Artikel von Arielle

Naja, natürlich ist das alles nichts Neues.

Älterer Mann, nicht mehr so attraktiv, gibt junger Frau, die ihren eigenen Wohlstand aufbaut, von seinen Ersparnissen ab, damit sie ihm Zuwendung gibt, seinen Schwanz lutscht, und ähnliches.

Die Arrangements zwischen Sugarbaby und Sugardaddy gibt es, seit in menschlichen Zivilisationen Wohlstand aufgebaut wird.

Habe ich den moralischen High Ground, das zu verurteilen? Ganz sicher nicht.

Selbstverständlich habe ich in meinen Zwanzigern meinen sexuellen Marktwert benutzt, um wirtschaftliche Vorteile zu erlangen. Ich schätze, viele Frauen haben das mal getan.

Welcome to the Web, Sugarbaby!

Jetzt gibt es die Plattform „seekingarrangement“, auf welcher ganz nüchtern Deals ausgehandelt werden, wieviel Sex oder gemeinsame Zeit es gibt für wie viel Geld oder andere Tauschwerte.

Vorbei die Zeit, wo junge Frauen in teuren Hotels oder Airport-Lounges nächtelang abhängen mussten, um vielleicht einen Treffer zu landen. Vorbei die Zeiten teurer Parties, wo sie auch den Türstehern erstmal einen Gefallen tun mussten, um überhaupt reinzukommen. Flexible Suchfunktionen ersetzen Zufall und soziale Zirkel.

Das Profil der Herren informiert über ihre Profession, ihren Wohnort, ihr Einkommen (wenn die Angaben ehrlich sind).

Reiche Kerle suchen nach jungen knackigen Mädels. Der Herr braucht dann wenig „Game“, wenig Persönlichkeit oder Charme, um bei der Dame zu landen. Er braucht ein Angebot, welches die Dame attraktiv genug findet, um über eventuelle Mängel hinwegzusehen.

So tauscht man sich aus und versucht, Angebot und Nachfrage im konkreten Fall in Übereinstimmung zu bringen. Es gibt vielleicht ein erstes Treffen.

Zum guten Ton gehört es, dass der Mann ein kleines Mitbringsel überreicht, das substanziell genug ist, um seine „ernsthaften Absichten“ zu dokumentieren, dass er wirklich bereit ist, wirtschaftlich in die Beziehung zu investieren, und dass so ein läppisches Goldkettchen für einen Hunderter für ihn gar nicht ins Gewicht fällt.

Wie manche Frauen berichtet haben, einiger der Männer wollen ganz schlicht schnellen Sex. Die sollten doch lieber gleich eine Hure buchen, sagen sie.

Die Idee eines Arrangements mit einem Sugarbaby ist ja gerade, dass man gemeinsam eine Beziehung simuliert bzw. tatsächlich eine Beziehung hat, nur dass der ältere Herr der jungen Dame beisteht, mit seiner Brieftasche und mit seiner Lebenserfahrung und seinem Verstand.

Ist das alles nur schlecht?

Woody Allen hat mal sowas gesagt wie, Männer bezahlen immer für Sex, auf die eine oder andere Weise, ob sie das nun mitkriegen oder nicht. In Geld, in Anstrengung, in anderen Tauschmitteln.

Und, attraktive Frauen in ihren Zwanzigern haben viel Macht. Sie verwalten den Zugang zum Portal der Freuden, sie entscheiden, wer rein darf und wer nicht.

Mit 25 hatte ich diese Macht auch, und natürlich habe ich sie ausgespielt. Man spielt die Hand, die man hat.

Ich saß in einer Stretchlimousine, ich saß in einem Privatjet, ich lag auf dem Deck einer Segelyacht. Die reichen Männer, denen diese Transportmittel gehörten, haben fast nie Druck auf mich ausgeübt.

Natürlich haben sie sich erhofft, dass ein paar von uns Mädels, zu denen sie nett waren, auch nett zu ihnen waren. Und, im Interesse des sozialen Friedens, waren wir das auch. Wir haben uns die Bearbeitung der Herren in ganz sachlichen Besprechungen untereinander aufgeteilt. OK, Rosie nimmt den Dicken, ich nehme den Alten, Yvonne besorgt es dem Dürren.

Austausch oder Unterdrückung?

Habe ich mich benutzt gefühlt? Gelegentlich, ja. Das hatte aber nichts damit zu tun, dass der Kerl reich war, sondern dass er respektlos zu mir war, nach dem Sex oder überhaupt.

Einer hat mich, weil ich nicht bumsen wollte (ich war seekrank) an einem gottverlassenen Hafen irgendwo in Griechenland stehen lassen. Auf der Mole habe ich geflucht und gekreischt, aber im Nachhinein fand ich das eher lustig.

Abgesehen von den kostenlosen Urlauben, die ich bekommen habe, habe ich die Begegnungen mit den meisten vermögenden Männern sehr genossen. Ja, die waren über 40, die waren um die 50 oder 60, ich war Mitte Zwanzig. Das war manchmal etwas komisch, aber es hatte seinen Reiz.

Ich hätte sicherlich nicht später die „seriöse“ (als wären Porno oder Prostitution unseriös) Karriere im Event-Management gemacht, wenn ich nicht von erfahrenen Unternehmern gelernt hätte. Ich habe gut zugehört. Sie haben mir erklärt, wie die Sache läuft

Das gute alte Verfallsdatum

Jetzt, mit 40 (im April 2017 geworden) habe ich keine so tolle Hand mehr. Ich kriege immer noch Anfragen, aber Einladungen zum Segeln und zum Fliegen sind schon lange nicht mehr dabei.

So ab 30 verliert sich das langsam. Irgendwann werden wir knitterig, schlabberig, und wenn wir nicht den einen one in a million Multimillionär finden, der einen Grandma-Fetisch hat, ist es vorbei mit dem Gratis-Urlaub.

Die Männer behalten ihre Attraktivität länger. Wenn sie unattraktiv sind, können sie das in ihren Fünfzigern und Sechzigern mit materiellem Wohlstand ausgleichen.

Auch den Frauen reicht es oft nach einer Weile. Wie eine es formulierte, „Irgendwann hast Du genug davon, faltige Eier zu lecken!“

Die Ökonomie des Lebens als Sugarbaby

Ganz so alt muss es vielleicht nicht immer sein

Wir wissen schon mal, das Ganze ist zeitlich begrenzt.

Als junge Frau kann ich mir meine Ausbildung und ein paar Urlaube als Sugarbaby finanzieren, wenn mein sexueller Marktwert entsprechend hoch ist.

Daneben sollte ich zusehen, dass ich einen Teil meines Extra-Einkommens spare. Ich habe das die ersten zwei Jahre gar nicht gemacht. Bis ich dann auf einen meiner reichen „Mentoren“ gehört habe. Er hat mir sehr klar gemacht, dass mein Marktwert verfallen wird und dass ich deshalb besser was auf die Seite legen sollte.

Er ging mit mir zu einem Edelmetall-Händler, und wir haben einen Batzen Geld in Krugerrands umgesetzt. Andere Gelder gingen in Unternehmensanteile und Aktienfonds. So habe ich die Hälfte meiner Extra-Gelder angelegt. Auf diese Weise hatte ich später ein ganzes Jahr Zeit, mir einen guten Job auszusuchen.

Sehr informativ und ehrlich ist ein youtube-Interview einer ehemaligen Pornodarstellerin und früherem Sugarbaby namens RedHeadRedemption mit dem Kanal ENGINEERED TRUTH.

Sie beschreibt ihre Erfahrungen als Sugarbaby mit einer größeren Anzahl an Sugardaddies, sehr vermögende Männer, die einen Haufen Dollars rübergeharkt haben, um bei einer Pornodarstellerin rübersteigen zu dürfen.

Nach ihren Vorstellungen sind 3.000 US-Dollar pro Monat sehr wenig für ein Sugarbaby ihrer Klasse. Als eine sehr attraktive und sinnliche Pornodarstellerin mag sie da recht haben, dass sie mit Strippen mehr verdienen kann.

So viel zur Beurteilung „billige Hure“. Billig ist das ganz sicher nicht.

Auch sehr ehrlich ist die Userin „Pretty Woman“ in ihren Videos.

Wenn ein Mann nur Sex will, ist das also ziemlich teuer. Rechnen wir mal zwei Ficks pro Woche zu je 150 EUR, bei 4,29 Wochen pro Monat (meine Zeit im Personalbüro…), dann sind wir im Durchschnitt bei 1.287 EUR pro Monat. Vielleicht ließe sich ein Abo heraushandeln um einen Tausender herum.

Noch sowas, was ich von den reichen Kerlen gelernt habe: Rechnen! Heilige Maria, können die schnell rechnen! So ein alter Knacker weiß in Sekunden, ob sich ein Geschäft für ihn lohnt oder nicht.

Wenn ein Mann auch eine „Beziehung“ will, also sich nach dem Sex unterhalten, gemeinsame Unternehmungen genießen, wird’s halt teurer.

Also, so zwischen 2.500 und 3.000 EUR würde ich fordern, wenn ich im Alter um 25 bin und hinreichend attraktiv. Und, ja, die Höhe geht nach meinem sexuellen Marktwert, auch wenn das wieder keine hören will.

Fazit zum Leben als Sugarbaby

Ich würde weder zu diesem Lebensstil zuraten noch abraten.

Für mich war’s geil und lohnend, ich habe dadurch viel gelernt und konnte einen Grundstock an Vermögen aufbauen.

Aber es ist sicherlich nicht für alle.

Wenn eine Frau das machen will, sollte sie in jedem Fall sparen, und zwar in Unternehmensanteilen und in Sachwerten, Edelmetalle und Immobilienanteile. Papiergeld ist nichts wert.

Richtig schlimm wird es, wenn sie das Geld für Drogen ausgibt oder ihrem spielsüchtigen Freund gibt. Habe ich alles gesehen. Am Ende ist sie ausgebrannt, bitter und pleite.

Für die Männer ist es eher eine Frage, ob sie genügend Geld erübrigen wollen.

So, ich boarde jetzt meinen (selbst bezahlten) Flug. Die pünktliche und zuverlässige Lufthansa.

MEOW !!

Titelbild: 089photoshootings

Bild vom älteren Herrn: Tama66

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Arielle

Arielle

Event-Management bei secret
Arielle ist Jahrgang 1977, Widder mit Aszendent Schütze und arbeitet im Event-Bereich. So viel hat sie uns erlaubt, preiszugeben. Das Profilfoto zeigt nicht Arielle, sondern ist ein Modelfoto, geschossen von claudioscotece.
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