Gast-Artikel von Mike Märzhase

Von 1816 bis 1919 gab es auf einem kleinen Territorium, das heute (Stand: Oktober 2017) zu Belgien gehört, eine kleine unabhängige Zone namens Moresnet.

In den gut hundert Jahren seiner Existenz wuchs Moresnet von anfänglich ca. 200 Einwohnern auf deutlich über 4.000 Einwohner.

Ich stieß auf Moresnet im Oktober 2017 in einer dann aktuellen Episode der Tom Woods Show. Über Tom Woods hatten wir bereits berichtet. Tom Woods wählt, gemeinsam mit seinem Interviewpartner, Moresnet als ein Beispiel für eine florierende Wirtschaftszone ohne starken staatlichen Einfluss.

Was war das Besondere an Moresnet?

Moresnet war eine kleine Gemeinde im Herzogtum Limburg, in der sich eine Förderstätte für Galmei befand, eine seltene Erde, aus welcher Zink und Messing gewonnen werden.

Nachdem Napoleon die politische Landschaft Europas umgestaltet hatte, endete das Herzogtum Limburg und es wurde erst einmal keine Einigkeit erzielt, ob Moresnet zu Preußen gehören sollte oder zu der Nation Belgien, welche sich erst langsam entwickelte.

So einigte man sich darauf, diese Zone vorerst neutral zu belassen. Solange die Rohstoffe zuverlässig gefördert wurden, sah man wohl keine Notwendigkeit, Druck von irgendeiner Seite auszuüben.

Moresnet hatte nicht einmal eigene Gerichte, und so reisten Richter aus dem Umland an, um die von Napoleon erlassenen Gesetze anzuwenden.

Im Laufe seiner Existenz hatte die kleine Gemeinde insgesamt 6 Bürgermeister. Ein uniformierter Polizist sollte für die öffentliche Ordnung sorgen.

Die Steuern waren niedrig, zeitweise gab es für Einwohner keine Pflicht zum Militärdienst. Die Gemeinde florierte.
Zwischenzeitlich gab es einen Versuch, Esperanto als Amtssprache zu etablieren, was aber nicht gelang.

Was können wir aus der Erfahrung von Moresnet lernen?

Ist dies ein weiteres Beispiel dafür, dass Staaten mit wenig wirtschaftlichen Regulierungen zu besonders hohem Wohlstand der Bürger führen?

Bei einem Vergleich der Staaten der Welt zeigt sich tatsächlich, dass die Staaten mit den wenigsten wirtschaftlichen Einschränkungen und Regulierungen dazu neigen, das höchste Pro-Kopf-Einkommen und die beste Infrastruktur zu schaffen.

Und, nein, liebe ewigverschlafene Fans des Sozialismus, der Wohlstand bleibt auch dort NICHT bei den bösen fetten Unternehmer-Bonzen, sondern verteilt sich, im Vergleich zu stärker regulierten Staaten, deutlich gleichmäßiger.

Es gibt ein paar Ausnahmen dabei. Dies sind vor allem die ölexportierenden Länder. Dort wird der Wohlstand nicht durch Produktivität geschaffen, sondern durch einen geologischen Glücksfall. Die Staaten können regulieren und regeln so viel sie wollen, ihr Einkommen hängt nicht von Produktivität oder Zusammenarbeit ab.

In Moresnet könnte man ähnlich argumentieren: Der Wohlstand kam zu einem großen Teil aus der Galmei-Mine.
Die Attraktivität für die Einwanderung lag zu einem sehr großen Teil darin, dass sich dort für lange Zeit der Militärdienst für junge Männer vermeiden ließ.

Auf der einen Seite bleibt die Tatsache, dass weniger Wirtschaftsregulierung tendenziell zu mehr Wohlstand für alle führt.

Moresnet ist aber auf Basis der Fakten, die mir jetzt vorliegen (Stand: Oktober 2017) kein ausreichender Beweis dafür.

Wo sind meine Möhrchen?

 

Das Titelbild zeigt ein Gemälde der Burg Schimper in Moresnet, gemalt von Joseph Charles Cogels, Public Domain.

 

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Mike Märzhase

Mike Märzhase

Hase und Berater bei AME Fortbildung und Controlling UG (haftungsbeschränkt)
Mike Märzhase ist Hase und Berater. Er ist schwer beeindruckt davon, wie dumm die Menschheit geblieben ist. Am liebsten mag er frische Demeter-Möhren und Basilikum-Blätter.
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