Der mit Abstand größte Teil des modernen Geldes existiert in Form von Fiat-Geld, und dieses wiederum größtenteils in Form von Giralgeld.

Das heißt, das meiste Geld hat überhaupt keine materielle Grundlage, größtenteils nicht einmal in Form von Münzen oder Geldscheinen.

Wie wäre es, stattdessen Edelmetalle als Geld zu verwenden, vor allem Gold?

In diesem Artikel setze ich mich zunächst mit einigen Argumenten für und wider Goldwährung auseinander, betrachte dann bestehende Goldwährungen und erläutere ein paar Gedanken für neue Alternativen.

„Am Ende kehrt Papiergeld zu seinem inneren Wert zurück: Null.“
(Francois Marie Arouet / Voltaire)

Teil 1: Argumente für und gegen Edelmetall-Währungen:

  • Gold ist beständig
  • Fiat-Geld verursacht Krieg
  • Fiat-Geld macht Inflation
  • Fiat-Geld ermöglicht überhaupt erst die hohe Staatsverschuldung
  • Die Menge an Edelmetall-Währung kann nicht ausgedehnt werden

Betrachten wir dies aus der Nähe.

Gold ist beständig

Gold hat seinen Wert als Zahlungsmittel in den letzten 5.000 Jahren ziemlich exakt bewahrt. Die Goldmenge, die man heute für einen guten Anzug auf den Tresen legen darf, wurde im antiken Rom für eine gute Toga verlangt.

Gold ist also beständig und wird weltweit als Wertträger anerkannt. Dies wäre ein Argument für Gold.

Krieg wegen Fiat-Geld?

Die Behauptung, die Einführung der Fiat-Währung wäre so ziemlich der einzige Grund für kriegerische Auseinandersetzungen, ist bereits als unzutreffend erkennbar bei einem einzigen Blick auf die Statistiken der menschlichen Gewalt.

Die Zeiten, als mit Edelmetall bezahlt wurde, waren nicht gerade ärmer an Gewalt.

Der Erste Weltkrieg war ein grauenhaftes Schlachthaus, schlimmer als der Zweite; er hat aber immer noch deutlich weniger Todesopfer gefordert (im Verhältnis zur Bevölkerungszahl) als das Alltagsleben im antiken Rom.

Dort haben vermutlich allein die städtischen Verkehrsunfälle mehr Bürger dahingerafft als moderne Granatmörser, gar nicht zu reden von den andauernden körperlichen Auseinandersetzungen, der Sklaverei, den Zirkusspielen, usw. Dazu kam natürlich noch der permanente Krieg, der jahrhundertelang nicht durch Frieden unterbrochen war.

An anderen Orten der Welt war es nicht besser.

Inflation

Ein weiteres Argument: Fiat-Geld bringt Inflation. Das stimmt.

Eine moderate Inflation (bis 10%) ist allerdings, zumindest bei den Menschen, die über Geld nachdenken, kein wirkliches Problem, da sie die Geldentwertung in ihre wirtschaftlichen Entscheidungen einbeziehen.

Staatsverschuldung

Ja, Fiat-Geld ermöglicht überhaupt erst die enormen Staatsverschuldungen. Fiat-Giralgeld wird wie „aus dem Nichts“ geschaffen, nur durch Buchungen in Computern.

Andererseits scheint die Staatsverschuldung kein echtes Problem zu sein. Die Staaten sind verschuldet, aber im Großen Ganzen geht trotzdem alles seinen Gang. In der Geschichte kam es sowieso immer wieder zu Schuldenschnitten, wo also Schulden ganzer Staaten erlassen wurden.

Ausdehnbarkeit

Nur bei einer Währung, die nicht auf begrenzten Ressourcen (wie z.B. Edelmetalle) basiert, kann die Geldmenge nach Bedarf/Wunsch in hohem Maße ausgedehnt werden.

Die Menge an Menschen nimmt ebenso zu wie die Menge an Gütern, die angeboten und gekauft werden. Eine Währung, die aus natürlichen Gründen (Goldmenge) begrenzt ist, kann nicht mit wachsen.

Stellt sich die Frage: Na und? Dann sinken halt die Preise bzw. der Wert der Währung sinkt.

Sogenannte „Wirtschaftsexperten“ zeichnen düsterste Szenarien für den Fall einer Deflation. Aber was von „führenden Experten“ verdammt wird, ist ja oft einen näheren Blick wert.

Zwischenbemerkung: Kubrick und das Gold

Einige hochinteressante Anmerkungen zum Thema finden sich an einem unerwarteten Ort: Eine Filmanalyse von Stanley Kubricks „The Shining“ von dem brillanten Filmexperten Rob Ager. Offenbar hat Kubrick in diesen extrem vielschichtigen Film auch einen Kommentar zur Abschaffung des Goldstandards abgegeben.

Teil 2: Bestehende Edelmetall-Währungen

Derzeit verwendet kein Staat der Welt Edelmetall durchgängig als Zahlungsmittel. Kein moderner Staat hat derzeit (April 2015) eine Währung, die durch Edelmetalle gedeckt ist. In Südafrika darf man mit den verschiedenen Größen des Krugerrand im Geschäft bezahlen, was aber fast niemand tut. In Österreich wird die Goldmünze „Wiener Philharmoniker“ als Zahlungsmittel akzeptiert.

Wirtschaftsjournalist Daniel D. Eckert hat vorgeschlagen, die Regierungen sollten Gold als Zweitwährung zulassen. Hierzu gibt es ein paar Initiativen.

Initiative in Arizona

Im US-Bundesstaat Arizona scheiterte im Februar 2015 eine Initiative, Gold als Parallelwährung zu erlauben.

Der Islamische Dinar

In Südostasien existiert ein Netzwerk, in dem mit silbernen und goldenen Dirham und Dinar bezahlt wird. Die Währung wird „Islamischer Dinar“ genannt. Da der Islam Fiat-Geld im Prinzip verbietet (so die Aussage der „Murabitun“, den Urhebern des Islamischen Dinar), soll die Goldwährung eine Alternative sein, die durch materielle Werte gedeckt ist.

Die Rechtslage des Islamischen Dinar erscheint mir unklar. Das Projekt wird von maßgeblichen Banken in muslimisch beeinflussten Staaten unterstützt, andererseits scheint diese Münze nicht als legales Zahlungsmittel akzeptiert zu sein. Zumindest die EU schließt dies aus und erhebt damit auch Einfuhrumsatzsteuer auf die Münzen.

Teil 3: Neue Alternativen

Im Zeitalter des Internet erscheint Edelmetall als Währung einfach zu schwerfällig. Eine Handvoll Gold zum Lieferanten zu schicken ist umständlich und risikoreich.

Regionalwährungen, die durch Gold gedeckt sind, und wo kleine Beträge gezahlt werden, erscheinen dagegen durchaus denkbar.

In Hamburg gibt es die Überlegung, die Regionalwährung „Hummel“ in Silber zu prägen.

Im Internet habe ich verblüffend wenig zum Thema gefunden. Vielleicht interessiert die Thematik niemanden.

Persönlich würde ich mich über ein kleines Netzwerk freuen, das Gold und Silber als Zahlungsmittel akzeptiert. Dies muss natürlich auf eine Weise geschehen, die mit den Steuergesetzen konform ist.

Ich vermute, dass es mittelfristig mehrere miteinander konkurrierende Währungen geben wird, und dass viele Menschen mehrere Währungen für verschiedene Zwecke verwenden, etwa Bitcoin für Online-Zahlungen, Euro-Giralgeld für laufende Ausgaben wie Miete und Steuern, und Regionalwährungen, goldgedeckt oder nicht, für regionale Einkäufe.

Wer hat Ideen für ganz neue Alternativen?

Bild: Stevebidmead

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Alexander

Controller, Dozent bei AME Fortbildung und Controlling UG (haftungsbeschränkt)
Seit 1998 freier Controller, seit 2010 zusätzlich als Dozent im Rechnungswesen unterwegs. Schreibt über alles Mögliche.

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