Als ich mein erstes Coaching-Training absolvierte, sagte unser Cheftrainer Jimmy:

„Jetzt stell Dir vor, Du sagst zu den Sternen hinauf, alle anderen sind doof, ich bin arm und klein und werde nur unterdrückt. Werden die Sterne darauf antworten? Wohl eher nicht. Aber wenn Du zu den Sternen sagst, ich verpflichte mich, so gut es geht Verantwortung zu übernehmen und so gut zu sein, wie ich kann – werden die Sterne antworten? Hm, vielleicht.“

Ich fand dieses Bild sehr stark, und als ich nach einem intensiven Wochenend-Training Sonntag nacht zuhause ankam, sprach ich zu den Sternen hinauf (es war in Hamburg ausnahmsweise nicht stark bewölkt) und verpflichtete mich, Verantwortung zu übernehmen, wo ich es kann, so gut ich kann. Mein Gefühl war, dass tatsächlich so etwas kam wie zumindest eine Resonanz.

Sowas in der Art wie „Cool. Dann mal los!“

Als Controller will ich hinzufügen: Ich weiß nicht, ob Sterne auf etwas antworten. Schall ist bekanntlich langsamer als Licht, und allein das Licht des nächsten Sterns braucht 4,3 Jahre zu uns. Und im All ist kein Transportmedium für Schall. Sterne sind sehr große Kernfusions-Reaktoren, die brennen, bis der Brennstoff alle ist. Haben sie ein Bewusstsein? Ich weiß es nicht.

Die subjektiv gefühlte Resonanz der Sterne ist vielleicht ein Indikator dafür, wie kraftvoll meine Position ist. Außer, ich bin psychotisch…

Die Welt auf angemessene Weise verbessern

Am 11.05.2017 hörte ich einen Podcast des kanadischen Professors Jordan Peterson.

Jordan Peterson habe ich schon öfter gerne zugehört, etwa bei seinen Ausführungen zum Gini-Koeffizienten und zur Normalverteilung von Produktivität.

Thema des Podcasts war, wie die junge Generation auf angemessene, konstruktive Weise die Welt verbessern kann.

Vom Prinzip her ist die Idee nicht neu: Bevor Du andere verbesserst, verbessere Dich erstmal selbst.

Er empfiehlt u.a. das Lesen verschiedener Autoren, darunter Huxley, Orwell, Tolstoi und Solschenizyn. Er sagte „diese Bücher werden Dein Leben verändern!“ Als ich zur Schule ging (1975-1988) waren all diese Standard im Hamburger Lehrplan. Vielleicht ist das Leben in Deutschland u.a. deshalb so anders als in Kanada und in den USA.

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Später bezeichnete er diesen Podcast selbst als „vielleicht etwas pompös“.

Die Idee, erst vor der eigenen Tür zu kehren und dann mal bei den Nachbarn zu schauen, war in meiner Coaching-Ausbildung auch sehr präsent. Es passt ebenfalls zu einer anderen Notiz, die ich in 2014 oder so aufgeschrieben habe:

Wir können nicht wirksam daran arbeiten, den Schmerz in der Welt zu vermindern, ehe wir nicht unseren eigenen Schmerz zumindest gefühlt haben.

Peterson geht auch darauf ein: Wie will jemand ohne wirkliche Erfahrung die Welt zum Besseren verändern? Ohne Ahnung von Wirtschaft gegen die bestehende Weltwirtschaft protestieren, mit vermuteten, größtenteils nachgeplapperten, unreflektierten Ideen?

Die Lektionen des Jordan Peterson

Im Mai 2017 verwendete ich ein paar Inhalte aus Petersons Vorlesungen in einem Kurs über Personalcontrolling.

Er lässt einige seiner Vorlesungen per Kamera aufzeichnen und stellt sie auf youtube.

Im November 2016 geriet Jordan Peterson unter mediales Feuer, da er sich weigerte, „Transgender-Pronomen“ zu verwenden, die in Kanada sogar per Gesetz („Bill C-16“) verordnet wurden. Peterson meinte, dass eine solche Sprachregelung gegen die freie Rede sei und die charakteristischen Merkmale des Totalitarismus aufweise.

Die Universität verwarnte ihn deswegen, doch erhielt er so viel Zustimmung aus der Bevölkerung, dass er schließlich weiter unterrichten durfte.

Laut wikipedia erhielt Peterson bereits im Alter von 29 Jahren seine Doktorwürde in Psychologie.

In Kanada sehr bekannt wurde sein Buch über „Landkarten der Bedeutung: Wie wir Glaubenssysteme bauen“ (ungefähre sinngemäße Übersetzung).

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Den Millenials heimleuchten

Womit Jordan Peterson völlig recht hat, was er immer wieder anreißt: Der Millenial-Generation in den 2010ern geht es besser als es dem größten Teil der Weltbevölkerung jemals ging. Die meisten davon gehören zu den 1% der wohlhabendsten Menschen auf der Erde und fühlen sich bemüßigt, gegen die wohlhabendsten 1% zu protestieren.

Er sagt, und ich stimme dem zu, dass es den postmodernen nordwestlichen Gesellschaften extrem gut geht und dass Leiden wahrscheinlich unvermeidlicher Bestandteil des Lebens ist. Und wer versucht, das Leiden gänzlich zu vermeiden, der erzeugt nur anderes Leiden, verschiebt also nur.

Er ermutigt die Menschen, ihr eigenes Potenzial wirklich in Aktion zu bringen, statt nur den eigenen Bauchnabel zu bewundern und über das eigene Potenzial zu phantasieren.

Mythen des Lebens in Aktion

Peterson bezieht sich oft auf Mythen und Fabeln, unter anderem ausführlich auf die Geschichte von Pinocchio, um seine Ideen zu illustrieren.

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Einige der Ideen, die Jordan Peterson in seinen Vorlesungen darlegt, kenne ich aus meiner Zeit in den 1990ern, mit Hardcore-Therapie und extrem intensiver Selbsterfahrung, gar nicht zu reden von den außergewöhnlichen Erfahrungen mit meinem Mentor Warren.

Für diejenigen, die jetzt in ihren Zwanzigern und Dreißigern sind, könnte Jordan Peterson ein paar Herangehensweisen liefern, nach denen die Millenials auf einfachere Art ihr Leben verbessern können. Einfacher, als wir es hatten. Ob das besser ist, weiß ich nicht.

Joe Rogan, dem ich auch oft zuhöre, interviewte Jordan Peterson zum zweiten Mal in seinem Podcast Nr. 958 im Mai 2017 und sagte zum Abschluss, dies sei bisher seine liebste Aufzeichnung gewesen.

Fazit zu Jordan Peterson

Mich hat der kanadische Professor auf neue Ideen und Wege gebracht. Das hat schon lange keiner mehr geschafft, etwa seit 2002 nicht mehr (Stand: Mai 2017).

Ich habe ein paar Dinge besser verstanden, insbesondere über Verteilung von Begabungen und Wohlstand und betrachte die Welt nun glaube ich etwas ausgewogener und mit noch mehr Bewusstsein meines eigenen Unwissens.

Meine Empfehlung: Mal reinhören.

HAVE FUN!

 

Das Titelbild ist gezockt vom flickr-Account der Universität Toronto. Ich hoffe, sie verklagt mich nicht deswegen.

 

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Alexander

Controller, Dozent bei AME Fortbildung und Controlling UG (haftungsbeschränkt)
Seit 1998 freier Controller, seit 2010 zusätzlich als Dozent im Rechnungswesen unterwegs. Schreibt über alles Mögliche.

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