DEVI: Sex-Gott-Methode (???)

Gast-Artikel von Arielle

Sex-Gott? Ernsthaft?

Was im Netz gerade mal wieder (Februar 2018) die Runde macht, ist die DEVI-Sex-Gott-Methode von jemandem, der sich auch noch „Daniel Rose“ nennt. Wie romantisch.

Die Geschichte ist die übliche: Bleicher Nerd erlebt halbtraumatische Dinge mit Frauen und entdeckt dann durch harte Arbeit das mysteriöse tiefe Geheimnis, das ihn in kosmische Sphären der Attraktivität katapultiert.

Das fängt schon mal an mit einer grandiosen Behauptung:

When you start sleeping with beautiful women, one thing you’ll learn very quickly is that most men are TERRIBLE in bed.

Nach meiner Erfahrung: Nein.

Ja, stimmt, ein paar beherrschen einfaches Handwerkszeug und vor allem Mundwerkszeug nicht, berühren mich plump, können nicht küssen und kommen schnell.

Das ist aber nicht die Mehrheit. Die Mehrheit ist ganz OK. Zumindest die meisten deutschen Männer wissen, wo die Klitoris ist und dass Sandpapier darauf nicht so angenehm ist. Immer mehr wissen auch, wo der G-Punkt ist und können ihn bedienen.

Sex-Mythen

Der Mythos, auf den der “Sex-Gott” vor allem abhebt ist der, dass Frauen alles unschuldige kleine Engelchen sind, die NIEMALS hart geknallt werden wollen und keine Dominanz mögen.

An dieser Stelle füge ich noch einmal ein: Ja, es gibt Frauen, die schlimm verletzt wurden und die schreckliche Dinge erlebt haben. An keiner Stelle habe ich die Absicht, dies zu leugnen oder kleinzureden. Auch echter Zwang und echte Gewalt sind an keiner Stelle akzeptabel.

Und keine Frau, die nicht auf den Arsch gehauen werden will oder nicht nackt fotografiert werden will, sollte dazu genötigt werden.

Andererseits habe ich keine Absicht, es den Frauen, die so etwas mögen, zu verbieten oder gar Gesetze dagegen zu erlassen.

Jetzt, wo ich auf die 41 zu galoppiere (im April 2018) hat sich das mit der Nacktfotografie mittlerweile erledigt. Aber in meinen Zwanzigern wurde ich oft abgeknipst. Im Zeitalter der Digitalfotografie mit der Option des Sofort-Uploads wäre ich wohl etwas vorsichtiger. Damals musste der Film erst entwickelt werden, und Vervielfältigungen waren teuer.

Nein, ich werde nicht beherrscht, unterworfen oder gedemütigt, wenn mich jemand nackt abbildet. Und wenn tatsächlich ein neurotischer Mann nur auf meine Titten und Pussy starrt, werde ich dadurch nicht erniedrigt. Ich behalte meinen Wert als Frau und als Person unabhängig davon, wie jemand anders mich sieht. Das zu leugnen, sorry, ist Kindergarten. Ich selbst habe das erst mit 40 gelernt, aber wahr war es schon davor.

Nein, Männer haben nicht alle Macht. Und die meisten Männer nehmen sich auch nicht als mächtig oder überlegen wahr.

Zudem gibt es einen Unterschied zwischen vorübergehender freiwilliger Hingabe und echtem Beherrschtwerden. Wenn ich mich für eine Stunde hingebe, auf die Matratze drücken und knallen lasse (hier nochmal für die hinteren Reihen: FREIWILLIG!), stehe ich danach wieder auf und bin mindestens genau so frei wie vorher.

Würde mir das unfreiwillig widerfahren, gegen meinen Widerstand, wäre das schrecklich und ich und die Girls aus meiner alten Bande würden es Hölle und Lava regnen lassen auf den Kerl. Ein paar übereifrige Ex-Freunde würden den Rest erledigen.

Wahrheit ist: Eine attraktive Frau hat erhebliche Macht. Und eine selbstbewusste Frau lässt sich nicht herumschubsen, schon gar nicht durch sehr billige emotionale Manipulationsversuche. Ein Mann, der mich beherrschen will, braucht dazu ganz plumpe Gewalt. Und das macht ihm auch keine Freude, außer er ist echt Psycho. Und das sind sehr wenige.

Frauen mögen Sex mehr als Männer?

Als Nächstes lehrt uns der Sex-Gott, dass Frauen Sex mehr lieben als Männer.

Das lasse ich so undifferenziert nicht stehen.

Ich kann monatelang ohne Sex herumlaufen und keinen Mangel empfinden. Dann gibt es wieder Phasen, wo ich nach einer Woche Enthaltsamkeit anfange, den Teppich zu zerkauen.

Ich erlebe ab und zu orgiastische Explosionen, und manchmal ist es einfach ganz nett. Meistens ist es lustvoll, aber nicht spektakulär.

Also, ich mag es weder öfter noch mehr. Aber gelegentlich ist mein Erleben beim Sex wahrscheinlich intensiver als das, was den meisten Männern möglich ist.

Beschämung

Wo der Sex-Gott recht hat, in weiten Teilen der Welt werden Frauen beschämt für ihre Lust, und das sitzt immer noch tief.

Als ich mit den Girls unterwegs war, wäre es absolut lächerlich gewesen, wenn eine die andere als „Schlampe“ oder „Hure“ betitelt hätte. Haha, und wessen Schwanz hast Du gestern gelutscht, um Freikarten für die Stones zu kriegen? Wir haben alle das Schwanzkarussell geritten und daraus wirtschaftliche und andere Vorteile gezogen.

Du willst mich jetzt „Nutte“ nennen und glaubst, das verletzt mich? Nochmal für die hinteren Reihen: Ich behalte meinen Wert, unabhängig davon, ob jemand anders neurotische Urteile über mich fällt.

Ich muss dazu nicht mal sagen „fuck you“ oder zurück schimpfen. Es ist ganz schlicht egal.

Langweilig als Lehrerin

Womit der Sex-Gott auch recht hat: Ich finde es abtörnend, einem Mann zu erklären, wie er es mir besorgen soll. Ich habe dazu wenig Motivation.

Ja, das ist unlogisch. Woher soll der arme Kerl das wissen? Woher soll er wissen, dass die eine den Arsch versohlt kriegen will, dass es rote Streifen hinterlässt, und die andere ihn wegen Hassverbrechen anzeigt, weil er einmal kurz ihre Hand nimmt?

Was für mich ganz gut funktioniert hat war, in einem Setting dem Mann ein paar meiner Vorlieben sehr genau darzulegen, dann eine Weile zu warten und mich überraschen zu lassen, wie er in einem ganz anderen Setting (vor allem: anderer Ort) seine Kenntnisse anwendet.

Führung übernehmen

Wahrscheinlich ist es egal, wie oft ich das wiederhole, aber Führung bedeutet nicht zwingend Zwang und Beherrschtwerden.

Ja, viele Frauen stehen total auf dominante Männer.

Ich stehe da in gewisser Weise auch drauf, unterscheide aber sehr fein zwischen dominant und herrschsüchtig.

Ich will einen Kerl, der klare Ansagen macht und mir nebensächliche Entscheidungen abnimmt wie, wo gehen wir essen, welchen Film sehen wir, welchen Spaziergang machen wir heute, usw. Und er muss mit einem Nein umgehen können, ohne zu schmollen.

Andere Frauen, die ich kenne, sind da nicht so empfindlich wie ich. Die lassen sich geradezu herumschubsen – FREIWILLIG (für die hinteren Reihen), finden das aber gut. Die ertragen auch eher kindische Verhaltensweisen, wenn sie dafür hart geknallt werden (hier nochmal: FREIWILLIG).

Da kann ich nicht drauf. Aber, wirklich selbstbewusste, stabile Männer finde ich selten. Dann nehme ich lieber einen, der weniger Ansagen macht, dafür aber sonst ausgeglichen ist.

Großer Schwanz

Ich habe mich ja oft genug geoutet, dass ich auf große Schwänze stehe.

Zumindest will ich was merken, wenn er sich in mir bewegt. Ja, vielen Dank, auch mit 41 ist das bei mir noch nicht wie Salami in der Turnhalle.

Wenn der Herr dann vor allem sein Mundwerk beherrscht, reichen auch 10 cm Schwanz. Aber da gucke ich dann nicht so oft hin.

DEVI: Der Schlüssel zu großartigem Sex

Na, mal sehen…

Die DEVI-Methode besteht aus 4 Komponenten.

Der Sex-Gott verspricht, wenn Du, Mann, diese vier Komponenten umsetzt, dann werden die Frauen „süchtig nach Deinem Schwanz wie Junkies nach Heroin!“

Ähm..

Vielleicht, wenn sie auch noch sehr jung sind oder nicht so viel Erfahrung haben.

Die Komponenten ergeben sich aus den Abkürzungen:

  1. Dominanz
  2. Emotion
  3. Variationen
  4. Intensität

Das ist alles schön und nett. All diese Dinge haben aber mehrere Ebenen und lassen sich nicht an einem Wochenende aus einem PDF lernen. Junger Mann, bitte unterscheide Dominanz und Herrschsucht, Emotion und Drama, Variation und rein rituelle Veränderungen, Intensität und Hektik…

Ein Scheidungs-Einzelkind, das bei Mama aufgewachsen ist, wird in den meisten Fällen, jedenfalls wenn er vor 1980 geboren ist, SEHR viel Arbeit an sich brauchen, bis er seine Gefallsucht und seine Angst vor weiblichen Urteilen überwindet. Und das einfach mit Plumpheit zu übertönen wird auch nicht weit tragen.

1 Dominanz

Das beliebte Beispiel aus der Manosphere: „50 Shades of Grey“. Beweis, dass Frauen darauf stehen, dominiert zu werden.

Die schlechte Nachricht ist: Sie stehen besonders darauf, wenn der Typ REICH ist. Ein armer Schlucker mit dominanten Ambitionen ist weit weniger interessant. Also, junger Mann, vielleicht hast Du Glück, vielleicht nicht.

Der Sex-Gott bringt dann aus seiner persönlichen, nach eigenen Angaben dreistelligen Bums-Statistik Prozentwerte an, wie viele Frauen aus dieser möglicherweise repräsentativen statistischen Masse auf was stehen:

  • 99% mögen, wenn ihre Arme niedergedrückt werden (Das differenziere ich: Werden meine Arme über meinem Kopf runtergedrückt, finde ich das turbogeil. Werden sie an meinen Seiten runtergedrückt, kriege ich Panik. Weiß nicht, warum.)
  • 95% mögen, wenn sie an den Haaren gezogen werden (mochte ich früher ganz doll, jetzt eher nicht mehr so)
  • 80% werden gerne auf den Arsch gehauen (wenn meine Erregung stark ist, finde ich das supergeil)
  • 70% werden gerne gewürgt (nix für mich)

Der Sex-Gott gibt zu, dass dies keine wissenschaftliche Analyse beinhaltet, aber er hat halt viele Frauen gebumst und daraus eine Statistik erhoben.

Bei Statistik ist es wichtig, die Rahmenbedingungen klar zu benennen. Das tut er. Volle Punktzahl für statistische Methodik.

Ja, und auch der Sex-Gott weist fettgedruckt für die hinteren Reihen darauf hin, dass auch seine Tips NICHT dazu aufrufen, Frauen zu vergewaltigen und dass der Mann die Zustimmung der Frau braucht. Selbstverständlich braucht er die, aber für die etwas aufgeregten hinteren Reihen schreibe ich das auch nochmal: Vergewaltigung böse! Zustimmung erforderlich!

Der Sex-Gott beschreibt dann, wie er die Frau, wenn er ihrer Zustimmung sicher ist, in dominanter Weise nimmt.

2 Emotion

Emotionen sind für Frauen antörnend. Sagt der Sex-Gott. Und zwar, egal ob „positive“ Emotionen oder „negative“.
Innerhalb gewisser Grenzen ist das wahr.

Die aufgeregten hinteren Reihen versuchen jetzt zu konstruieren: Arielle ist dafür, Frauen Angst zu machen! Nein, ist sie nicht.
Es ist ein Unterschied, ob ein Mann mir gezielt Angst macht oder ob wir gemeinsam angstmachende Situationen durchstehen.

Und, besonders als junge Frau, konnte ich zeitweilig besessen sein von gemeinen Typen, die mich zum Weinen gebracht haben. Die hatten dann allerdings auch Muskeln oder sahen sonst gut aus, und ich war einfach geil auf die. Das Heulen hat mich in dem Fall nur geiler gemacht. Ohne die vorherige Anziehung ist Gemeinheit eine totale Abschreckung.

Also, sagt der Sex-Gott, befeuere ihre Emotionen.

„Nenne sie eine dreckige Schlampe!“ Mir ist das inzwischen so egal, bei der Aussage würde ich nur denken, wieso, ich habe doch gerade geduscht…

Und, nein, mich in der Hitze der Erregung „Schlampe“ zu nennen, ist NICHT erniedrigend. Das ist eher ein Kompliment. Aber dreckig bin ich meistens nicht.

Der Sex-Gott drückt seine Freundin überraschend gegen die Wand und küsst sie.

Auch hier nochmal: Seine Freundin macht das FREIWILLIG. Wäre es nicht freiwillig, wäre es Nötigung.

Sex an Orten, wo wir erwischt werden könnten

Mit 22 fand ich sowas geil.

Abenteuerlich.

Jetzt ist es eher in der Kategorie „Och nö…“

Zu unbequem.

3 Variationen

Vielfalt ist die Würze des Lebens. Immer die gleiche Nummer, das läuft sich mit der Zeit ab.

Schon ein Ortswechsel bringt wieder Stimmung in die Sache. Küchentisch oder Flurteppich statt Bett.

Kein so ganz neues Konzept, aber zutreffend.

Orale Variationen finde ich auch geil. Anal ist nicht mein Ding. Ein Finger, ein Daumen, ja. Ein Schwanz ab Normalgröße, nein.

Hauptsache, nicht immer dasselbe.

4 Intensität

Intensität wird leider immer wieder verwechselt mit Drama und Hektik.

Intensität kann sehr leise sein.

Ich erinnere mich an einen Typen, der war Controller oder Buchhalter oder sowas, mittelbestückt und eher etwas zu fett, der so intensiv zuhören konnte – in tiefer Weise ZUHÖREN – dass ich anfing zu zittern.

Sieh ihr in die Augen, Kleiner

Auch da hat der Sexgott recht: Augenkontakt kann die Sache sehr intensiv machen, insbesondere, wenn der Mann tief entspannt ist.

Nimm sie wahr, ihr Aussehen, ihre Form, ihren Geruch. Richte Deine Aufmerksamkeit auf sie.

Mmh, das gefällt mir.

Sag ihr, dass sie kommen soll. Zwiespältig. Kann auch als Druck empfunden werden.

Darauf der in der Manosphere allgegenwärtige Rat, zu meditieren.

Fazit zum Sex-Gott

Prinzipiell liegt der Sex-Gott ganz richtig.

Das erscheint mir aber alles nicht göttlich und auch nicht neu.

Wie viele Menschen das jetzt umsetzen, weiß ich nicht.

Jeder Mensch ist seine eigene Welt und zieht bestimmte andere Menschen an. Ich habe in meinem Leben wahrscheinlich mehr Männer angezogen und ausgezogen, die ihr Handwerk, Mundwerk und Schwanzwerk beherrschten als andere Frauen und auch weniger als wiederum andere.

In einer Welt, wo dreißigjährige Frauen im “Sex-Coaching” MONATELANG um ganz harmlose Dinge herumtänzeln, wie dass sie gerne mal ihre Zehen gelutscht hätten, kann ein Mann, der ganz grundlegende Dinge begriffen hat, vielleicht wie ein Sex-Gott wirken.

Auf mich nicht.

Was macht die gleiche Frau, wenn sie mal auf den Arsch gehauen und an den Haaren gezogen werden will? Was, wenn sie sich immer noch danach richtet, wie frustrierte neurotische Menschen über sie urteilen?

Ich bin vielleicht inzwischen abgestumpft, und mehr Dinge sind mir egal.

Wo ich eine kleine Gefahr sehe ist, dass gerade junge Männer die Begriffe durcheinander bringen könnten und glauben, sie seien „dominant“, während sie in Wirklichkeit übergriffig sind. Sie könnten glauben, „intensiv“ zu sein, während sie brutal sind.

Solange die Kommunikation so verwirrt und unehrlich ist, wie ich sie derzeit empfinde (Stand: Februar 2018) bleibt es für uns alle schwierig.

Es ist 4 Uhr nachts. FUCK!

 

Titelbild: DayronV

 

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Arielle

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Arielle ist Jahrgang 1977, Widder mit Aszendent Schütze und arbeitet im Event-Bereich. So viel hat sie uns erlaubt, preiszugeben. Ihre Artikel schreibt sie gewöhnlich auf Flughäfen und in Bahnhöfen auf Geschäftsreise. Das Profilfoto zeigt nicht Arielle, sondern ist ein Modelfoto, geschossen von claudioscotece.
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