Gast-Artikel von Pierre de Sousa

Warum werden die höchsten, ambitioniertesten Ziele so hoch bewertet?

Warum muss ein „Marketing-Guru“ außergewöhnlich viel Geld verdienen?

Warum muss ein Aufreiß-Trainer außergewöhnlich viele Frauen herumkriegen?

Ich war immer extrem ambitioniert.

Tatsächlich war ich so besessen davon, „besser“ als alle anderen zu sein, dass ich Gesundheit, Freunde und Erfüllung geopfert habe, um „Meisterschaft“ zu erlangen.

Und wozu?

Traurigerweise, erbärmlicherweise, nur für die Bewunderung anderer.

Man hat mich oft gepriesen für meine Arbeitshaltung

Ich werde oft kontaktiert und gefragt, wie entwickle ich mehr Disziplin?

Naja, wenn Du glaubst, dass es Dich erfüllt, wenn Du besser als andere bist, und weniger als in den obersten 1% zu sein, gibt Dir ein Gefühl von Wertlosigkeit, dann ist das alles, was Du brauchst, um hart zu arbeiten.

Dazu, der Glaube, dass Du dieses Ziel mit genug Arbeit erreichen kannst.

So war das jedenfalls für mich.

Das waren niemals „höhere Schwingungen“ im Dienste eines höheren Zieles für die Welt oder sowas.

Wenn ich die Welt hätte verändern wollen, dann nur, damit ich respektiert und anerkannt werde.

Ich lese gerade ein Buch über die Kürze des Lebens…

Ein erstaunliches Buch.

Es ist das tiefste und erschütterndste Buch, das ich je gelesen habe.

Es wirft mich hin und her zwischen Gefühlen von Verzweiflung und Bedauern sowie Lebenssinn und Hoffnung auf Lebenserfüllung…

Es ist schmerzhaft, fesselnd und lebensverändernd.

Noch nie hatte ein Buch eine so tiefe Wirkung auf meine Lebenssicht.

Und ich bin erst auf Seite 50.

Ich verstehe, wie viele Jahre ich verschwendet habe, wie viele dumme Streitereien ich geführt habe, ohne Grund, und wie viele unsinnige Sorgen ich mir gemacht habe.

Aber, vor allem, ist mir eines klar geworden:

Davon besessen zu sein, „der Beste“ zu werden, ist eine der dümmsten Ideen überhaupt

Völlige Zeitverschwendung.

Und Zeit zu verschwenden ist die schlimmste aller Verschwendungen.

Zeit gibt es nicht zurück erstattet. Die ist weg.

Ich habe das Aufreiß-Spiel hinter mir gelassen, nachdem ich zehn Jahre lang davon besessen war.

Das Ergebnis dieser harten Arbeit bedeutet jetzt gar nichts mehr. Es hat keinerlei Auswirkung auf mein Leben.

Der ganze besessene Einsatz hat mein Leben kein Stück besser gemacht. Es war großartig – bis zu einem gewissen Punkt.

Sobald es mein einziger Lebensinhalt wurde, war es reizlos.

Und jetzt, wo ich ein neues Kapitel meines Lebens aufschlage, bin ich kurz davor, den selben Fehler wieder zu begehen.

Ich denke daran, Millionen Dollar zu verdienen. Und alles andere wäre ein katastrophales Desaster.

Ähm… wie bitte?

Nö. Quatsch.

Warum diese Gier? Wem will ich etwas beweisen?

Wahrscheinlich vor allem meiner Mutter. Und sie ist nicht einmal mehr Teil meines Lebens.

Ich versuche es auch, den Tyrannen vom Schulhof zu zeigen. Welche auch nicht mehr Teil meines Lebens sind. Und es wäre ihnen auch egal.

Schließlich will ich mir vielleicht selbst etwas beweisen, wüsste aber gar nicht, was.

Und in all dem war meine tiefste Einsicht:

Ich muss herausfinden, was *genau* ich im Leben will

Ich muss nicht wissen, welcher Marketer welches Benchmark erreicht hat.

Was will ich *ganz ehrlich* vom Leben?

Was muss ich tun, damit ich froh bin, wenn ich alt bin?

Was wäre keine Zeitverschwendung?

Und, eins gleich vorab, alles auf zwei Beinen bumsen zu wollen oder mehr Geld zu verdienen als so-und-so, nur um mich besonders zu fühlen, ist ein Weg, der sehr sicher in die Zeitverschwendung führt.

Ich weiß immer noch nicht, was genau ich tun will, aber ich bin ein wenig klarer damit, was ich nicht tun will.

Am Ende geht es wahrscheinlich um Freiheit und Beitragen

Genug Geld, um frei zu sein zu reisen, meine Familie zu versorgen, meine Gesundheit zu sichern, und ab und zu Spaß zu haben.

Und dann wahrscheinlich, Opferbereitschaft und das Leben anderer besser zu machen.

Denke ich.

Ich bin nicht sicher, denn ich habe einen festen Knoten im Bauch, als ich dies schreibe, und es fühlt sich alles sehr nutzlos an.

Also muss ich wohl weiter darüber nachdenken.

Was ich noch sagen will:

Ich habe deutlich mehr Respekt für die Person, die zu Kunden Nein sagen kann, zu Frauen, Gourmet-Speisen oder was sonst, weil sie „genug“ hat und sich nicht in Exzessen ergehen will.

Selbstbeschränkung, und Zurückhaltung sind deutlich stärker mit Selbstwert verbunden als der Trieb, mehr und mehr Zeugs

zu erbeuten.

Auf jeden Fall, lies Seneca!

 

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Titelbild: Seneca, von Rubens

 

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Pierre de Sousa

Pierre de Sousa

Marketing Advisor bei self
Pierre de Sousa wurde in den Facebook-Communities bekannt als herausragender PickUp-Trainer mit überdurchschnittlichen eigenen Fähigkeiten. In 2017 orientierte er sich in Richtung Online-Marketing.
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