Gast-Artikel von Alan Smithee

Heute morgen hörte ich in einem Ausschnitt der Joe Rogan Show eine Theorie, dass die Geschichte von Moses und dem brennenden Busch daraus entstanden sein soll, dass Moses psychoaktive Pflanzen geraucht hat und dabei Botschaften empfangen hat, oder etwas erlebt hat, was er als Botschaften interpretiert hat.

Pflanzen rauchen – brennender Busch – passt zusammen.

Joe Rogan spricht dann seinerseits über eigene Drogenerfahrungen mit „Botschaften“, die man als „spirituell“ bezeichnen könnte.

Ganz gleich, ob diese Theorie zutrifft oder nicht, mich hat sie an ein paar Erlebnisse erinnert, die ich in den Jahren 1996 bis 2006 hatte, als ich etwa ein halbes Dutzend Erfahrungen mit psychoaktiven Pilzen und Kakteen machte. Hier will ich vor allem eine dieser Erfahrungen schildern, die ich besonders stark erinnere.

Große Artenvielfalt der psychoaktiven Pflanzen

Es gibt eine reiche Auswahl an Pflanzen mit halluzinogener Wirkung. Es gibt Pilze, darunter habe ich mexikanische und hawaiianische probiert.

Dazu gibt es Kakteen, darunter Peyote, der durch die Bücher von Carlos Castaneda besonders berühmt wurde und den südamerikanischen San Pedro mit zwei potenten Unterarten.

In manchen Kreisen trinkt man ein Gebräu, das sich Ayahuasca nennt. Es soll stinken und Übelkeit verursachen, dabei aber tiefe Erfahrungen bringen.

Castaneda erwähnt auch Datura. Gemeint ist hier laut wikipedia eine Unterart des Stechapfels.

Berauscht in der Wüste

Nun zu meiner konkreten Erfahrung.

Im Sommer 2002 war ich auf Gran Canaria. Ich hatte mir hawaiianische Pilze mitgenommen, um sie in den wüstenartigen Dünen von Maspalomas einzunehmen. Damals wusste ich noch nichts von all den Merkwürdigkeiten um Carlos Castaneda und hatte auch noch nicht die Inkonsistenz in seinen Erzählungen erkannt. Ich wollte so genau wie möglich die Erfahrung nacherleben, in der Wüste psychoaktive Pflanzen einzunehmen.

Um die Pilze bei einer möglichen Zollinspektion zu tarnen, drückte ich sie in einen Weichkäse hinein. Weichkäse mit Pilzen? Gibt es oft.

Komische Sachen erlebt man auch ohne Drogen

Ich hatte den Plan, zunächst das Terrain zu sondieren und einen guten Platz zu finden, um meine Erfahrung zu machen. Naturgemäß sollte das ein Platz sein, wo nicht dauernd Leute durchlatschen.

Ich lag erst einmal eine Weile im FKK-Bereich der Dünen und ließ die Gegend auf mich wirken.

Ein Stück entfernt stand ein älterer Herr in kurzer Hose, in Sandalen und Ringelsocken. Er wirkte völlig deplatziert an diesem Ort und ich dachte an seltsame Fremde aus Hitchcock-Filmen. Er starrte ununterbrochen intensiv auf mein nacktes Hinterteil.

Als ich eine Weile später wieder aufsah, war der ältere Herr näher gekommen. Ich hatte keinerlei Schritte gehört.

Er starrte weiterhin auf meinen Hintern.

Noch ein paar Minuten später war der seltsame Herr wieder ein ganzes Stück näher gekommen, ohne jedes Geräusch. Er beobachtete weiterhin das Objekt seines Interesses.

Ein professioneller geräuschloser Arschgucker. Ein Popo-Ninja.

Wenn er jetzt nochmal näherkommt, könnte er schon in mir drin sein, dachte ich.

Ich dachte eine Weile lang nach, was jetzt eine gute Strategie wäre. Ich fasste den Plan, einfach nackt aufzustehen, auf den Herrn zuzugehen, die Hand ausgestreckt, und zu sagen „Guten Tag, kann ich etwas für Sie tun?“

Ich stand auf und drehte mich in die Richtung des Herrn.

Keine Spur von ihm. Nirgends.

Ein guter Platz

Ich nehme meine Sachen und schaue mich weiter um.

Irgendwann gelange ich ein einen Busch, um den armlange Eidechsen herumhuschen. Ich hatte keine Ahnung, dass es Eidechsen in dieser Größe hier gibt.

Vorher hatte ich mich mit Feng Shui beschäftigt, wo das perfekte strategische Zentrum beschrieben wird. Ich kriege es nicht mehr ganz zusammen, aber da war ein Hügel im Rücken, freie Sicht nach vorne, eine leichte Erhöhung links und eine minimale Erhöhung rechts… Feng Shui ist nicht unbedingt kosmisch, es ist weitgehend pragmatisch. Dies IST der perfekte Platz. Ich breite mein Handtuch aus.

Wasserflasche bereit, Pilze herausgeholt zum Verzehr.

Ich pule die Pilze aus dem Käse und esse sie. Etwas bitter.

Dann lege ich mich hin. Ich denke, vielleicht passiert auch gar nichts. Ein paar Monate zuvor hatte ich eine mexikanische Sorte probiert, bei der so gut wie nichts passiert war.

Plötzlich trifft es mich wie ein elektrischer Schlag. Ich sehe Wüstendünen, Felsen und Pflanzen mit dicken harten Blättern, die Töne erzeugen. Aus einem Loch im Himmel spricht jemand oder etwas zu mir.

Die Botschaften der Pilze

Nach meiner Erfahrung machte ich eine Reihe Notizen, die dann verloren gingen.

Ich erinnere leider nicht mehr alles.

Eine Kernbotschaft: Es gibt kein „Zurück zur Natur“; was es geben wird ist ein „weiter voran MIT der Natur“; die Menschen werden natürliche Prinzipien erkennen und sich zu Nutzen machen. Der technologische Fortschritt wird bleiben, er wird aber dosierter und klüger.

Außerdem: Wenn die Menschheit weiterleben will, muss sie sich in gesunder Weise die Mechanismen klar machen, nach denen ihre Gehirne funktionieren, und darf diesen Mechanismen nicht mehr blind folgen. Sie muss sich klar machen, welche dieser Mechanismen nützlich sind, welche übergangen werden können, welche Impulse umgelenkt werden können, usw.

Die Welt ist Schwingung. Wir erzeugen tatsächlich unsere Welt selbst, allerdings nicht auf so oberflächliche Weise, wie das in manchen Affirmations-Seminaren gelehrt wird, nicht durch das Nachplappern von Wort-Formeln, sondern durch unser SEIN mit all seinem Schatten und den Unklarheiten, die wir projizieren.

Sind das Ideen, auf die man auch ohne Drogen kommen könnte? Ganz sicher.

Sind das alles beweisbare Tatsachen? Nein.

Bin ich jetzt ein Prophet? Hoffentlich nicht.

 

Titelfoto: wikimedia commons, User Zergboy, Public Domain

 

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Alan Smithee

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Alan Smithee ist ein Künstlername, der auf unserem Blog männlichen Autoren zur Verfügung steht, die anonym veröffentlichen wollen. Die Idee stammt von dem gleich lautenden Pseudonym, welches Hollywood für Regisseure bereit hielt, die sich von der Endfassung ihres Films distanzieren wollten. Das icon ist von openclipart.
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