Gast-Artikel von Arielle

„Ich kann ficken wie ein Tier und mich trotzdem nicht hingeben!“ (Schauspielerin Catherine Oxenberg bei den Aufnahmen zur Dokumentation „Sexology“)

Ich bin so müde, überarbeitet und fertig bis zum Heulen.

Aber als ich das hier gesehen habe, war mir klar, dass ich dazu was schreiben muss.

Ausgangspunkt ist ein ca. 25minütiges Video von Outtakes (herausgeschnittene Aufnahmen) bei der Filmdokumentation „Sexlogy“. Die Schauspielerinnen Gabrielle Anwar und Catherine Oxenberg, beides erfahrene Sexgöttinnen des modernen Magersucht-Kultes, besuchen Hypnotiseur Major Mark Cunningham.

Am 01. Juli 2017 war dieses Video auf youtube zu sehen. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass es gesperrt wird. Es könnte zu viele Leute irritieren.

Gabrielle Anwar und Catherine Oxenberg sind definitiv meine Schwestern. Sie sagen vor der Kamera das Wort „ficken“. Ziemlich oft. Und sie erscheinen mir sehr ehrlich.

Major Mark Cunningham und der hypnotische Orgasmus

Eine Frau, die anonym bleiben wollte, hat hier bereits über Major Mark Cunningham geschrieben, vor allem über seine Arbeit als Orgasmus-Hypnotiseur.

Warum wollte sie anonym bleiben?

Hingabe als Tabu

Weil es immer noch eine TODSÜNDE ist, in deutschen Landen (bei schweizerischen Landen weiß ich es nicht) oder in der US-amerikanischen Kultur als Frau zu sagen: Ich will mich hingeben. Für eine halbe Stunde will ich der Führung eines Mannes folgen und mich richtig durchnehmen lassen.

Nach der halben Stunde kann der Kerl gefälligst die Spülmaschine ausräumen und seine eigenen Hemden bügeln.

Aber in dieser halben Stunde im Bett oder auf dem Teppich will ich mich hingeben.

Nur in dieser halben Stunde, nur in dieser Situation und nur unter diesem einen Aspekt, nämlich, so richtig geknallt zu werden.

Und ich kann fünfzigmal schreiben, dass diese Hingabe nur situationsbedingt ist und zeitlich begrenzt und dass ich für keinen Mann die Putzhilfe bin.

Trotzdem, was einige Frauen lesen werden: Arielle ist für Unterdrückung der Frau und propagiert die Übernahme der Herrschaft durch primitive Höhlenmenschen.

„Bei situationsbedingter Hingabe verlierst Du als Frau nichts außer ein paar politischen Vorstellungen“ (Mark Cunningham bei den Aufnahmen zur Dokumentation „Sexology“)

Für die Frauen, die das jetzt mitgekriegt haben: Weiter an dieser Stelle. Wer immer noch Hingabe mit Unterdrückung verwechselt: Ihr müsst vielleicht noch eine Weile in Eurer Phantasiewelt bleiben. Manchmal ist die Wirklichkeit zu irritierend. Ich meine das nicht wertend. Ich brauche auch oft sehr lange, um aus komischen Vorstellungen herauszukommen.

Die sehnsüchtige Aversion für die Hingabe an das Maskuline

Major Cunningham sagt: Frauen sehnen sich nach einem männlichen Mann. Aber wenn sie dann einen haben, nörgeln sie daran herum, dass er nicht elegant genug ist.

Worauf Gabrielle Anwar sofort anspringt. Sie schildert, wie sie von ihrem Partner einfordert, dass er ein starker Mann ist, und dann ausflippt, wenn er sich nicht verschnörkelt-graziös bewegt. Und sie sagt, sie kann sich kaum gegen ihre Emotionen wehren, auch wenn sie so widersprüchlich sind.

„Wenn Du einen Mann dazu bringst, dass er Dich auf ein Podest stellt, hast Du einen sehr teuren, pflegeintensiven Schoßhund.“ (Mark Cunningham bei den Aufnahmen zur Dokumentation „Sexology“)

Fun Fact nebenbei: Wenn ich auf der Bildplattform pixabay nach „Hingabe“ suche, kommen vor allem Bilder von Hunden, die ihre Herrchen und Frauchen unterwürfig ansehen. Also, auch für die Hunde nochmal: Hingabe ist NICHT gleich Unterwerfung.

Catherine Oxenberg sagt darauf, wenn ein Mann seine eigenen Vorstellungen hat und diese auch durchzieht, ohne sich von ihrem Gezicke ablenken zu lassen, findet sie das sehr entspannend.

Gezicke als Ausdruck von Bedürfnissen

Mark schlägt vor, das weibliche Gezicke nicht wörtlich zu nehmen und stattdessen auf die Bedürfnisse dahinter zu lauschen.

Nein, und das ist ausdrücklich nicht so primitiv linear wie „die Alte zickt, die muss mal wieder gefickt werden“. Auch wenn diese Aussage in manchen Fällen (ja, da steht: in MANCHEN Fällen, NICHT in allen!) einen wahren Kern hat.

Mark sagt, ein kluger Mann geht auf die Bedürfnisse der Frau ein, damit sie wiederkommt bzw. bei ihm bleibt. Nur ein dummer Mann handelt übelwollend oder fahrlässig.

Wünsche sind nicht immer Bedürfnisse

Catherine Oxenberg weist auf den Unterschied hin zwischen Wünschen und Bedürfnissen. Wünsche sind mentale Konzepte, die sich aber nicht immer mit dem decken, was „die Seele“ oder was tiefere Schichten des Menschen brauchen.

Stevie Nicks singt irgendwo über das Dilemma des Rockstars, „you get what you want but it’s not what you need“. Ich glaube, das hat Jon Bon Jovi für sie geschrieben, diese geile alte Kerlschlampe.

Hingabe: Orgasmisch versus neurotisch

Ähnlich wie schon Wilhelm Reich mal davon angefangen hat, der moderne Mensch bewegt sich im Kontinuum zwischen orgasmisch und neurotisch.

Nach dieser Theorie wird Neurose verursacht durch einen Mangel an orgasmischer Energie.

Leider ist die Lösung dann nicht immer so linear einfach, sich einfach oft genug einen abzureiben, um so der Neurose zu entkommen, auch wenn das für manche (ja, da steht: MANCHE, NICHT alle!) ein Teil (ja, da steht: ein TEIL) der Lösung sein kann (ja, da steht: KANN).

Mark sagt, die orgasmische Energie soll durch den ganzen Körper fließen und sich nicht nur in einem kurzen Blitzschlag entladen, der dann auch noch auf kleine Körperregionen begrenzt ist. Er nennt das Gipfel-Orgasmus. Das ist nichts Schlechtes, aber es gibt halt noch mehr.

Bei Männern ist es nicht besser

Männer sind schon von der neuronalen Verkabelung her eher schwanzfixiert. Sie können aber lernen, darüber hinaus zu gehen, und lang anhaltende orgasmische Zustände erleben, die durch den gesamten Körper fließen.

Mark führt auch Männer durch diesen Prozess. Das bringt aber nicht so viele Klicks, also steht davon nichts auf yotube.
Catherine Oxenberg fragt: Glauben alle Männer, dass sie ganz toll ficken?

Mark sagt, ja, aber die meisten Frauen glauben das auch.

Darauf entgegnet Gabrielle, sie dachte das lange nicht; sie dachte, ihre Muschi sei wie ein Loch in einem Donut ohne Muskeln oder Nerven.

Orgasmisches Empowerment durch Hingabe

In einem Segment, zu dem immer wieder geschnitten wird, hypnotisiert Mark eine junge Frau namens Katie. Sorry, Guys, leider nicht Katie Holmes.

Wie die Autorin vor mir bin ich nicht sicher, ob die Frauen in den Hypnose-Videos von Mark Cunningham wirklich Orgasmen haben. Es sieht stark danach aus.

Dabei sagt Mark ihr immer wieder, was für eine großartige Frau sie ist, dass sie stark und lebenstüchtig ist.

Und Mark scheint auch nicht zu implizieren, dass Katie seine Zustimmung braucht, um all das zu sein.

Vor allem übergibt er ihnen nach der Hypnose das komplette Schlüsselbund zu ihrem neuen Vehikel; er zeigt ihnen, wie sie ihre eigenen orgasmischen Zustände selbst auslösen können, ohne ihn, für sich alleine oder mit einem Partner ihrer Wahl.

Klingt für mich jetzt nicht sehr unterdrückend.

Catherine beschreibt eine Phase in ihrem Leben, wo sie sich wie eine Göttin fühlte, weil sie komplette sexuelle Hingabe an einen Mann erlebte, der sie mit leichten Berührungen am ganzen Körper zum Orgasmus bringen konnte.

Und Catherine Oxenberg wirkt auf mich auch nicht wie die Frau, die ihrem Mann die Hemden bügelt.

Völlige Hingabe ohne unerwünschte Nebenwirkungen

Ein Grund, warum Sexualität von Kulturen so verkompliziert wurde, ist der Umgang mit dem Risiko, schwanger zu werden. Ungewollte Schwangerschaften sind grässlich für alle Beteiligten und bringen das gesamt Beziehungsumfeld durcheinander.

Nur wegen dieser biologischen Tatsache gibt es „Moral“, Schlampen-Beschämung, Doppelmoral, den ganzen Kram.
Nun gibt es aber so viele Möglichkeiten, Sexualität zu erleben und nicht weniger zu genießen, ohne dass überhaupt genitaler Kontakt notwendig ist, dass diese Gefahr vollständig gebannt werden kann.

Auch dadurch ist es möglich, Sexualität gänzlich unabhängig von Unterdrückung zu erleben.

Und wer das Prinzip verstanden hat, braucht wahrscheinlich nicht mal einen Mark Cunningham. Ich habe mich versuchsweise mal selbst in Orgasmen hypnotisiert. Bisher habe ich vielleicht ein Viertel der Durchschlagskraft erreicht, und die Orgasmen sind immer noch ziemlich pussy-zentriert. Aber wenn ich mal Zeit finde, bin ich zuversichtlich, dass ich tiefer und weiter komme.

Hingabe: Zusammenfassung

Das Wichtigste: Hingabe ist nicht in jedem Fall gleich Unterdrückung.

Ich für mich selbst finde Hingabe geil.

Alle anderen finden ihren eigenen Weg.



 

Titelbild: xusenru

 

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Arielle ist Jahrgang 1977, Widder mit Aszendent Schütze und arbeitet im Event-Bereich. So viel hat sie uns erlaubt, preiszugeben. Das Profilfoto zeigt nicht Arielle, sondern ist ein Modelfoto, geschossen von claudioscotece.
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