Auswandern, die Zweite: Steuern und Drogen

DISCLAIMER: Dieser Artikel enthält keinerlei Steuer- oder Rechtsberatung und ersetzt auch keine solche. Die Angaben sind sorgfältig recherchiert, aber ohne Gewähr. Die Betreiber dieser Seite bieten auch keine Steuer- oder Rechtsberatung an. Hierfür wenden Sie sich bitte an Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte, usw.

Im Dezember 2017 habe ich diesen Artikel posthum eingereicht für eine Blogparade mit dem Titel „Mein Staat in den USA“, zu der Stefanie vom Blog „lebenindenusa“ aufgerufen hat.

Auf meiner Suche nach einem Auswanderungsland habe ich mich weiter umgesehen und habe mich vor allem über zwei Kriterien informiert: Steuern und Drogen.

Warum ausgerechnet diese beiden Kriterien?

Für mich sind der Umgang mit Steuern und mit Drogen gute Indikatoren dafür, wie weit eine Nation entwickelt ist und wie viele Freiheiten sie ihren Bürgern lässt.

Persönlich habe ich in meinen Dreißigern ein paar Male psychotrope Pilze eingenommen. Das hat mir dann auch genügt.

Für mich ist es völlig absurd, Drogensüchtige einzusperren. Drogensucht entsteht aus Schmerz heraus. Das ist etwa so, als würde man Kranke einsperren, weil sie krank sind. Nein, es wäre nicht nur so, es IST so. Und eine Nation, deren Mehrheit das versteht, hat einen wichtigen Entwicklungsschritt getan.

Drogensüchtige zu verfolgen ist zutiefst unmenschlich. Trotzdem ist es immer noch weit verbreitet.

Abgesehen davon, je weniger Drogengesetze es gibt, desto weniger Süchtige gibt es. Dies haben alle bisherigen Beispiele gezeigt. Logischerweise gibt es ohne Drogenverbote auch keine Drogenkriminalität. Die Beschaffungskriminalität nimmt auch sehr stark ab.

 Kandidat Portugal: Drogen weitgehend entkriminalisiert

Portugal hat in der EU die liberalste Drogenpolitik (Stand: Dezember 2016). Nicht nur Cannabis, auch Kokain und Heroin sind weitgehend entkriminalisiert. Drogenbesitz ist nur mehr eine Ordnungswidrigkeit. Statt Strafe erhalten die Süchtigen eine zwangsweise Beratung.

Drogensucht wird nicht als ein kriminelles Problem betrachtet, sondern als Gesundheitsproblem. Was es ja auch ist.

Auch die Steuern sind in Portugal niedrig und es gibt sogar Möglichkeiten der mehrjährigen Steuerminderung.

Andererseits sind die Sozialabgaben sehr hoch, und in Portugal sind die Sozialabgaben auch für Selbständige und Unternehmer Pflicht, in Höhe von knapp 35% des Gewinns (Stand: Dezember 2016).

 Kandidat Estland: Paradies für nicht ausgeschüttete Gewinne

Estland tauchte auf meinem Radar aus mehreren Gründen auf.

Zum Einen hat Estland in der EU die am besten ausgebaute digitale Infrastruktur. Das estnische e-Government ist bahnbrechend.

Die Bürokratie ist schlank; man kann in wenigen Stunden ein Unternehmen gründen. Für Buchhaltung gibt es eine Gratis-Software. Die Einreichung der Steuererklärung erfolgt digital in wenigen Minuten.

Die Natur ist wunderschön, es gibt Wald und Seen.

In 2016 zahlten Kapitalgesellschaften keinerlei Gewinnsteuern, wenn sie die Gewinne in der Gesellschaft beließen.

Bei der Ausschüttung an die Gesellschafter wurden 20% fällig.

Die Sozialabgaben bewegen sich im internationalen Vergleich auch im unteren Bereich.

Andererseits ist die Drogenpolitik extrem brutal. Bereits der Besitz kleinster Mengen wird streng bestraft.

Beim geographischen Nachbar Russland sind Steuern und Sozialabgaben sogar noch niedriger, geradezu unfassbar niedrig im internationalen Vergleich. Dafür drohen für kleinste Drogenvergehen drakonische Strafen; selbst medizinisch verschriebene Schmerzmittel sind umständlich zu beschaffen.

Und, welches sind meine Top-Kandidaten?

Nach ausführlichen Recherchen sind 4 Länder übrig geblieben, von denen 2 für mich praktisch erreichbar sind.

  1. Neuseeland
  2. Schweiz
  3. Chile
  4. Irland

 Platz 1: Neuseeland

Wie wir spätestens seit Peter Jacksons Verfilmung von „Herr der Ringe“ wissen, hat Neuseeland wundervolle Landschaften. Es ist, wie die Schweiz, voller Berge und Seen.

Die Stimmung im Land ist insgesamt entspannt. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Arbeitswelt ist flexibler als sonst irgendwo. Die soziale Mobilität ist hoch, es wird weniger auf Zertifikate und Titel geschaut sondern mehr darauf, was jemand kann und wie er/sie sich in der Zusammenarbeit verhält.

Steuern in Neuseeland

Der Einkommensteuertarif in Neuseeland ist, wie in vielen Staaten, progressiv. Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer landet bei Steuern um 20-25%, der Spitzensteuersatz liegt bei knapp 35%. Die Sozialabgaben sind darin bereits enthalten.

Unternehmen zahlen pauschal 30% ihres Gewinnes.

Drogenpolitik in Neuseeland

Neuseeland setzt auf den kontrollierten Handel mit synthetischen Drogen.

Heroin und Kokain sind im Land kaum verbreitet, da die Transportkosten aufgrund der geographischen Lage von Neuseeland so hoch sind, dass es sich für die Drogenkartelle nicht lohnt.

Stattdessen gibt es ein breites Sortiment synthetischer Drogen, deren Handel stark reglementiert ist.

Der Staat mischt also bei den Drogen mit, sperrt aber niemanden ein, der sich an die Regeln hält.

 Platz 2: Die Schweiz

Für mich das schönste Land der Welt von allen, die ich besucht habe. Ein Land voller Berge und Seen und mit wenig Bürokratie.

Die 26 Kantone stehen in freundlichem Wettbewerb miteinander und bieten ihren Bewohnern ein Höchstmaß an Freiheit, im internationalen Vergleich.

Steuern in der Schweiz

Die Steuerbelastung variiert von Kanton zu Kanton. Mit Abstand am günstigsten ist das kleine Kanton Zug, in welchem naturgemäß zahlreiche internationale Unternehmen ihren Sitz haben.

Selbst im Kanton Jura mit der höchsten Einkommensteuer kommt man immer noch viel günstiger weg als an jedem Ort in Deutschland.

Der Arbeitnehmer bezahlt seine eigene Krankenversicherung selbst. Die restlichen Sozialabgaben variieren, liegen um und bei 7%.

In Zug kann man, sogar ohne dort wohnhaft zu sein, einen treuhänderischen Verwaltungsdirektor vor Ort einsetzen und so z.B. eine Aktiengesellschaft betreiben.

Drogenpolitik der Schweiz

Die Schweiz richtete bereits in den 1980er Jahren „Fixerstübli“ ein, in denen Heroinsüchtige mit sauberen Nadeln Heroin spritzen konnten.

Es gibt eine medizinisch kontrollierte Abgabe von Drogen an Süchtige.

Trotzdem sind Drogen nach wie vor kriminalisiert, und einige politische Stimmen fordern noch härtere Strafen.

 Platz 3: Chile

Chile hat nach seiner totalitären Vergangenheit große Fortschritte in Richtung Freiheit gemacht.

In Chile gibt es eine Vielfalt verschiedenster Landschaften, verschneite Berge ebenso wie Wüsten.

Das Land erschien auf meinem Radar hauptsächlich durch das Fort Galt, eine liberal organisierte Gemeinschaft in Valdivia im Süden von Chile. Der Name stammt von dem Romancharakter John Galt in „Atlas Shrugged“.

Steuern in Chile

Gewinnsteuern von Kapitalgesellschaften liegen bei 18%, Ausschüttungen sind allerdings teuer. Die Einkommensteuer ist progressiv, Spitzensteuersatz 40%. Sozialabgaben um 20%.
Das System scheint tendenziell kompliziert zu sein.

Drogenpolitik in Chile

Im Oktober 2016 diskutierte die chilenische Regierung die Legalisierung von Cannabis. Intensiv gefeilscht wurde um erlaubte Mengen für Besitz und eigenen Anbau.

Südamerika hat wohl über die Jahrzehnte am meisten unter den Drogenkartellen gelitten. Daher ist es logisch, dass Mexico als eines der ersten Länder Drogen entkriminalisiert hat. Uruguay hat immerhin Cannabis legalisiert.

 Platz 4: Irland

Auch ein landschaftlich wundervoller Ort. Die grüne Insel mit Hügeln und Steilküsten, zahlreichen Seen und Bächen übt eine starke Anziehungskraft aus.

Steuern in Irland

In der EU ist Irland berühmt für seine niedrigen Unternehmensteuern. Kapitalgesellschaften zahlen gerade mal 12,5% Körperschaftsteuer auf ihre Gewinne (Stand: Dezember 2016).

Keine Überraschung, dass Unternehmen scharenweise nach Irland strömen oder dort zumindest eine Tochtergesellschaft eröffnen, zu welcher die Gewinne dann geleitet werden.

Die Einkommensteuern sind ähnlich wie in Deutschland. In den unteren Einkommen ist es etwas teurer, Spitzensteuersatz 42%.

Die Sozialabgaben sind deutlich niedriger als in Deutschland.

Drogenpolitik in Irland

Irland erwägt (Stand: 2015), ähnlich wie die Schweiz, eine medizinisch kontrollierte Abgabe von Drogen einzuführen. Auch in Irland haben zumindest ein paar Leute verstanden, dass Drogensucht ein medizinisches Problem ist, kein kriminelles.

FAZIT

Meine persönlichen Wunschländer sind Irland und die Schweiz.

Neuseeland und Chile gefallen mir auch, sind aber etwas weit vom Schuss und schränken auch die Bandbreite möglicher Kunden stark ein.

Der Umgang mit Drogen ist aus meiner Sicht weltweit noch sehr weit von wahrer Freiheit entfernt.

Auch die Erhebung von Steuern erfolgt nach Prinzipien, die weit von Freiheit entfernt sind.

Damit sich das ändert, müssen halt sehr viele Menschen denken und Verantwortung übernehmen.

Tja, Utopia.

HAVE FUN!

Titelbild: Manuela Kandt

Die Staatsflaggen wurden erstellt vom openclipart-User Firkin.

     (7 votes, average: 5,00 out of 5)
 Loading...

Alexander

Controller, Dozent bei AME Fortbildung und Controlling UG (haftungsbeschränkt)
Seit 1998 freier Controller, seit 2010 zusätzlich als Dozent im Rechnungswesen unterwegs. Schreibt über alles Mögliche.
Über Alexander 123 Artikel
Seit 1998 freier Controller, seit 2010 zusätzlich als Dozent im Rechnungswesen unterwegs. Schreibt über alles Mögliche.

1 Trackback / Pingback

  1. Alternative zur Angst vor Ausländern: Tatsächliche wirtschaftliche Integration - Alternative Lebensweisen

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


achtzehn − sechs =