Antony Sammeroff ist ein schottischer Autor, der mir in einem der Podcasts von Tom Woods begegnet ist.

Dieser Artikel basiert auf einer teilweisen Übersetzung seines Gratis-Skriptes „Popular Misconceptions About Capitalism Debunked“.

Sammeroff liefert eine Analyse und Gegendarstellung zu mehreren falsch

Antony Sammeroff

Antony Sammeroff

verstandenen Aspekten des Kapitalismus

In diesem Artikel beschränke ich mich auf einen Abschnitt seiner Argumentation, nämlich den Kapitalismus als System und wie dieses missverstanden wird.

Missverständnisse über Kapitalismus als System

Kapitalismus als System wird oft missverstanden.

Nachdem ich zur Geschichte des Kapitalismus recherchiert habe, bin ich zu der Interpretation gelangt, Kapitalismus bedeutet schlicht, menschliche Arbeitskraft durch Kapital zu ersetzen. Der Unternehmer tut dies mit Produktionsmaschinen, wir tun es zuhause mit Geschirrspülmaschinen, Waschmaschinen, Kochherden, usw.

Dadurch, dass Maschinen viele Arbeiten für uns erledigen, haben wir mehr Zeit für andere Dinge. Diese hatten wir zigtausende Jahre lang nicht, jedenfalls nicht innerhalb des heutigen Wohlstandes.

Durch den Einsatz von arbeitendem Kapital wurde zunehmender Wohlstand geschaffen.

Was ich immer wieder höre ist: „Wir haben doch jetzt Kapitalismus und freien Markt, und die Folgen sind verheerend!“

Wir haben eben KEINEN freien Markt, im März 2017 in Deutschland. Der Markt hier ist TEILWEISE frei, teilweise sehr eingeschränkt.

Antony Sammeroff schreibt, viele Leute geben „dem Kapitalismus“ die Schuld für so ziemlich alles, was in der Welt schiefläuft. Dabei definieren sie aber „den Kapitalismus“ nicht klar.

Kapitalismus wird von vielen Menschen assoziiert mit Profitgier und hemmungsloser Ausbeutung des Menschen durch den Menschen.

Schauen wir uns einige der Missverständnisse an:

  1. Was wir jetzt haben, ist Kapitalismus, und das ist ein autoritäres System
  2. Kapitalismus bedeutet (ausschließlich) Konkurrenzdenken
  3. Kapitalismus ist ein System der Ausbeutung
  4. Kapitalismus unterstützt (ausschließlich) Selbstsucht
  5. Kapitalismus stellt den Profit vor den Menschen

Missverständnis 1: Was wir jetzt haben, ist Kapitalismus, und das ist ein autoritäres System

Was wir tatsächlich haben ist eine Mischung aus Kapitalismus, Sozialismus, Korporatismus und Demokratie.

Wenn etwas schlecht läuft, wird oft der „freie Markt“ beschuldigt. Nur wenige kommen auf die Idee, dass manche Probleme auch durch zu starken Interventionismus verursacht worden sein könnten oder durch eine komplexe Mischung von weiteren Faktoren.

Der Markt ist keineswegs zwingend autoritär. Viele Unternehmen arbeiten erfolgreich mit dezentralisierten Strukturen.

Genossenschaften arbeiten für ihre Genossen und ihre Mitarbeiter profitabel, wenn auch die Genossenschaft als Ganzes oft keinen Gewinn erzielt. Wer in Deutschland eine Wohnung einer Wohnungsbaugenossenschaft bekommt, weiß, dass die Mieten dort niedriger sind bei mindestens gleich guter Qualität im Vergleich zum regionalen Umfeld.

Eine der erfolgreichsten Genossenschaften der Welt, Mondragon, ist milliardenschwer und wird von den Mitarbeitern mit gesteuert.

Modelle wie das Mietshäuser Syndikat treten auf dem Markt auf und ermöglichen Gruppen von Mietern in Selbstbestimmung, zu günstigen Mieten zu wohnen.

Gerade kleinere mittelständische Unternehmen sind oft völlig verloren ohne die Ideen und die Initiative ihrer Mitarbeiter.

Missverständnis 2: Kapitalismus bedeutet (ausschließlich) Konkurrenzdenken

Auf einem freien Markt sind die Marktteilnehmer, wie der Name vermuten lässt, frei, miteinander Güter und Dienstleistungen auszutauschen.

Ja, es gibt Konkurrenz, um die beste Leistung, um die meisten Kunden.

Und es gibt Kooperation. Ohne Kooperation zwischen mehreren Unternehmen würden Lieferketten nicht funktionieren. Ohne Kooperation würde überhaupt nichts funktionieren.

Wer unternehmerisch tätig ist, weiß, dass er mit Hauen und Stechen allein nicht weit kommt.

Der Mensch ist sowohl konkurrierend als auch kooperativ.

Auch im Kapitalismus zeigt sich beides.

Missverständnis 3: Kapitalismus ist ein System der Ausbeutung

Sowohl Güter und Dienstleistungen als auch Arbeitskraft werden in einem freien Markt freiwillig ausgetauscht.

Ich gebe zwei Euro für eine Tafel 99% Schoko, weil ich die Schokolade lieber will als die zwei Euro. Der Produzent gibt mir die Schokolade, weil er lieber die zwei Euro will (minus enthaltene Umsatzsteuer) als die Schoko. Wir sind also beide besser dran als vorher.

Auch Arbeitskräfte müssen in einem wahrhaft freien Markt nicht jede Arbeit ausführen.

Wie beute ich jemanden aus, der einfach gehen darf, wenn es ihm nicht mehr passt?

Arbeitgeber haben in einem freien Markt keine Möglichkeit, weder direkt noch auf dem Umweg über die Staatsgewalt, Menschen zu einer bestimmten Arbeit zu zwingen.

Was stimmt: Weltweit arbeiten viele Menschen unter Bedingungen, die wir in Deutschland einfach nur schrecklich finden.

Dies wird dann von vielen auf „den Kapitalismus“ und „die Globalisierung“ geschoben.

In vielen Ländern sind aber bereits die Grundbedingungen schrecklich, und es ist noch keinerlei Volksvermögen aufgebaut, keine belastbare Infrastruktur, sehr wenig individuelles Vermögen. Und vor den Arbeitsmöglichkeiten unter schweren Bedingungen ging es einigen Ländern NOCH schlechter.

Und, mit Kapitalismus und Globalisierung, geht es ihnen zunehmend besser.

Nach verschiedenen Studien, darunter eine aus dem Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, hat sich die globale Armut seit 1980 halbiert.

Missverständnis 4: Kapitalismus unterstützt (ausschließlich) Selbstsucht

Dieses „Argument“ kann nur von jemandem kommen, der noch nie unternehmerisch tätig war. Nur jemand ohne unternehmerische Erfahrung hat keinerlei Idee davon, wie der Unternehmer seine eigenen Interessen hinter die der Kunden und der Mitarbeiter zurückstellen muss, damit das Unternehmen auch nur die nächste Woche überlebt.

Kann der Unternehmer jederzeit tun und lassen, was er will? Keineswegs.

Kann er einfach seine Mitarbeiter ausnutzen?

Schon mal Mitarbeiter gehabt? Alleine, Leute zu finden, die nicht das gesamte Unternehmen in 5 Minuten in Grund und Boden pflügen, ist schwer genug. Und wenn man dann Leute findet, die einen Funken Denkvermögen haben, muss man diese führen, oft unter Verzicht auf eigenen Gewinn und eigene Ego-Neurosen.

Ein Unternehmen überlebt nur, wenn es mindestens den Kunden dient.

Unternehmen minus Kunden ist gleich kein Unternehmen mehr.

Ist es immer nur selbstsüchtig, den Kunden zu dienen?

Das bedeutet natürlich auch, die Käufer entscheiden mit, welche Unternehmen überleben und welche nicht.

Missverständnis 5: Kapitalismus stellt den Profit vor den Menschen

Auf einem freien Markt überleben Unternehmen nur, wenn sie etwas anbieten, dass andere Menschen wollen.

Wenn sie wirklich den Profit vor den Menschen stellen würden, wäre das nicht möglich.

Gibt es ein paar Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter ausnutzen? Ja, die gibt es. In einem wahrhaft freien Markt können die Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, wie es ihnen passt.

Wenn das Unternehmen profitabel ist, dann deshalb, weil es etwas zur Verfügung stellt, das andere Menschen haben wollen.

Ob die Entscheidungen der Käufer dann wiederum sinnvoll und gesund sind, ist eine andere Frage.

Ein Unternehmen, das ausschließlich ausbeutet und nichts bietet, was Menschen wollen, verschwindet sehr schnell.

Fazit zu den Missverständnissen des Kapitalismus

Leider mangelt es den meisten Menschen an einer faktenbasierten Auseinandersetzung mit überhaupt irgendetwas.

Das ist nicht neu, wird nur immer offensichtlicher.

Wie in meinem Artikel über Arbeitnehmer und Arbeitgeber beschrieben, ein Mangel an Erfahrungen führt oft zu unrealistischen Einschätzungen.

Wo ich mir persönlich sicher bin: Gewalt löst keine Probleme, und das Betriebssystem der Staatsform, die wir derzeit haben (Stand: 09.03.2017), ist Gewalt, wenn auch sehr subtil.

Die meisten Menschen bemerken dies nicht oder halten es für gerechtfertigt.

Bis genügend Menschen es merken und sogar etwas daran verändern, werden wohl noch ein paar Generationen vergehen.

HAVE FUN!

Bild: Ganesha, Gott des Wohlstands und des Gelingens, Bild von suyinorlowski

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Alexander

Controller, Dozent bei AME Fortbildung und Controlling UG (haftungsbeschränkt)
Seit 1998 freier Controller, seit 2010 zusätzlich als Dozent im Rechnungswesen unterwegs. Schreibt über alles Mögliche.

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