Alternatives Wohnen: Allgemeine Optionen

Aus verschiedenen Gründen schauen sich Menschen nach alternativen Wohnideen um.

In diesem Artikel gehe ich darauf ein, warum Menschen alternativ wohnen wollen und welche Optionen einem auf der Suche begegnen.

Warum zum Beispiel will jemand anders wohnen als in der typischen Single-Mietwohnung bzw. der kleinen Wohnung für Paare? Mir sind 3 Gründe eingefallen:

  1. Kosten sparen
  2. Gemeinschaft, nicht allein sein
  3. Nachhaltigkeit in Bezug auf Ressourcen und Umwelt

Grund 1: Kosten sparen

Die Mieten in vielen deutschen Städten sind hoch, besonders in denen, in welchen es Jobs gibt.

Für alle Profi-Jammerer: Wir sind trotzdem auch in Hamburg, München und Frankfurt noch sehr weit entfernt von den Mieten in London, Manhattan, San Francisco oder Hongkong.

Teilt man sich eine Wohnung oder findet ein günstiges Eigenheim, so wird die eigene Miete niedriger.

Ich persönlich war oft genervt von hohen Mieten, habe deshalb öfter mit anderen gemeinsam gewohnt.

Grund 2: Gemeinschaft

Wer so pathologisch ungesellig ist wie ich, kann mit Gemeinschaft nicht so viel anfangen.

Vielen anderen Menschen ist Gemeinschaft sehr wichtig; sie mögen nicht allein sein.

Insbesondere im Alter sehen viele Menschen ihre Chancen auf Unterstützung durch den Staat oder ihre Familie als nicht sehr rosig und schließen sich deshalb zu Senioren-Gemeinschaften zusammen. Auf immobilienscout24 gibt es dazu einen interessanten Artikel.

Grund 3: Nachhaltigkeit

Immer mehr Menschen finden es sinnvoll, wenn wir nicht die Grundlagen unseres eigenen Überlebens zerstören.

Außerdem werden Heizung und Strom immer teurer, so dass das Interesse an Energieoptimierung zunimmt.

Strom aus Wind oder Abfall? Gerne; sowohl Wind als auch Abfall gibt es kostenlos.

Häuser aus Materialien, die recycelbar sind? Auch gerne.

Welche Formen alternativen Wohnens sind verbreitet und wie sehen sie im Detail aus?

  1. Obdachlosigkeit
  2. Hausbesetzung
  3. Zelt
  4. Jurte
  5. Bauwagen oder Zirkuswagen
  6. Wohnmobil
  7. Eigenbau
  8. Wohngemeinschaft

 

Form 1: Obdachlosigkeit

Obdachlosigkeit bedeutet, der Mensch hat keinerlei Behausung, kein festes „Dach über dem Kopf“.

Laut Wikipedia wird interessanterweise die Zahl der Obdachlosen vom Statistischen Bundesamt nicht erfasst.

Nach Schätzungen verschiedener Organisationen sind seit dem Jahre 2008 ca. 20.000 Menschen komplett obdachlos, davon 2.000 Frauen. Wohnungslos dagegen, also ohne festen Wohnsitz sind ca. 230.000 Menschen (Stand: ca. 2012)

Die Gründe dafür sind fast ausschließlich wirtschaftlich. So gut wie niemand wählt diese Lebensform freiwillig.

Form 2: Hausbesetzung

Bei der Hausbesetzung wird ein Gebäude, das in aller Regel leersteht, rechtswidrig in Besitz genommen.

In meiner Heimatstadt Hamburg hat Hausbesetzung eine Tradition seit den 1970er Jahren.

Hausbesetzung hat praktische und politische Aspekte. Einerseits haben Menschen, die sonst obdachlos wären, eine Unterkunft. Andererseits wird gegen eine Politik protestiert, die Spekulationen mit Wohnraum ermöglicht, oder die
erlaubt, dass Gebäude leerstehen, die trotz Wohnungsmangels nicht genutzt werden dürfen.

Die Besetzer haben in vielen Fällen von sich aus angeboten, Miete an die Eigentümer der Gebäude zu zahlen. Es handelt sich dann also nicht um „Schnorrer“, die etwas gratis wollen; sie wollen einfach nur wohnen.

Wegen des Konfliktes mit Staatsorganen wäre mir diese Art zu wohnen zu ungemütlich.

Form 3: Zelten

Wildes Zelten außerhalb von ausgewiesenen Campingplätzen ist in Deutschland prinzipiell verboten, wird aber an einigen Orten geduldet bzw. meist nicht sehr streng bestraft. Ausführliches zur Rechtslage auf der Seite wild-campen.de

Naturgemäß ist der Wohnraum im Zelt nicht sehr warm.

Auch die Sicherung des persönlichen Eigentums in einem Zelt ist schwierig bis unmöglich. Schutz vor Einbruch: Keiner.

Form 4: Jurte

Die Jurte ist eine Form von Zelt, die sehr gut befestigt und stabil ist. Die mongolischen Nomaden verwenden diese Form von Behausung seit Jahrhunderten.

Die Jurte wird für längere Zeit errichtet und bekommt eine richtige Inneneinrichtung, fast wie ein kleines Haus.
Auch kirgisische Stämme verwenden sehr ähnliche Zelte. Ebenfalls verwandt ist das Tipi der nordamerikanischen Indianer.

Insbesondere gegen Wind ist die Jurte besser geschützt als das Zelt. Die Konstruktion ist stabiler und auch größer.
Der amerikanische Therapeut und Politiker Brand Blanton hat nach eigenen Angaben eine Weile in einer Jurte gewohnt.

In Deutschland ist es prinzipiell nicht erlaubt, in einer Jurte zu wohnen.

Wie im Zelt, Schutz des persönlichen Eigentums, Schutz vor Einbruch, nicht gegeben.

Form 5: Bauwagen oder Zirkuswagen

Bauwagen und Zirkuswagen werden häufig illegal auf Plätzen in Städten abgestellt und dort manchmal geduldet, insbesondere solange das Stadtbild und die Hygiene nicht beeinträchtigt werden.

Außerdem können diese Wagen auf genehmigten Campingplätzen und Wohnwagenplätzen genutzt werden.

Stromversorgung erfolgt über einen zentralen Verteiler oder über Solarpaneele.

Wer das geringe Maß an Komfort ausreichend findet, für den ist das Leben im Bauwagen eine echte Option.

Ein Bauwagen ist etwas besser gegen Einbruch zu schützen als ein Zelt oder eine Jurte, aber auch nicht besonders sicher.

Form 6: Wohnmobil

Das Wohnen in Wohnmobilen ist in Deutschland nur auf Grundstücken gestattet, die entweder dafür vorgesehen sind oder auf denen das Wohnmobil geduldet wird.

Ein Wohnmobil als Metallkonstruktion kann solider verschlossen werden als ein Bauwagen und sicherlich deutlich solider als ein Zelt. Es ist halt so aufzubrechen wie ein Auto, was immer noch leichter aufzukriegen ist als eine Wohnung, bei der man auch noch erst durchs Treppenhaus muss.

Form 7: Eigenbau

Hier gibt es eine ganze Reihe möglicher Modelle, vom einfachen kleinen Leichtbausatz über größere Modelle bis hin zum komplett selbst entworfenen Gebäude.

Mich persönlich faszinieren die Earthships, gänzlich nachhaltige Bauten aus einer Vielzahl von Materialien, eingebunden in einen ökologischen Kreislauf.

Die weltweiten Erfahrungen von tausenden Architekten und Bauleuten weltweit in den letzten Jahren haben eine starke Basis an vielseitigem Wissen geschaffen, so dass es vielfältige Optionen zum Bauen und Wohnen gibt.

Form 8: Wohngemeinschaft

Dies ist eine sehr weit verbreitete Alternative, jedenfalls eine Alternative zum Wohnen als Single oder mit der Familie.

In den USA ist die WG so weit verbreitet, dass sie bereits eine Normalform ist.

Ich habe selbst lange in WGs gewohnt, erst als Untermieter, dann als Hauptmieter. Hauptmieter gefiel mir besser; einerseits hatte ich die Verantwortung, andererseits bis zu einem gewissen Grad die Kontrolle.

Welche Formen des Wohnens haben Ihnen gefallen? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Bild: LoggaWiggler

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Alexander

Controller, Dozent bei AME Fortbildung und Controlling UG (haftungsbeschränkt)
Seit 1998 freier Controller, seit 2010 zusätzlich als Dozent im Rechnungswesen unterwegs. Schreibt über alles Mögliche.
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