Was sind die Vorteile und Nachteile von Regionalwährungen?

Als Alternative zur nationalen Währung sind an vielen Orten der Welt Regionalwährungen geschaffen worden.

Regionalwährungen haben in den meisten Fällen 2 Dinge gemeinsam:

  1. Sie gelten innerhalb einer bestimmten Region
  2. Sie verfallen im Wert, bieten also keinerlei Anreiz zu Spekulieren, allerdings auch nicht zum Sparen

Im Folgenden befasst sich dieser Artikel mit diesen Fragen:

  1. Welche Regionalwährungen gibt es?
  2. Welche Argumente gibt es für oder gegen Regionalwährungen?
  3. Was hat es auf sich mit dem „Wunder von Wörgl“?

Teil 1: Welche Regionalwährungen gibt es?

Es gibt in mehreren Nationen eine ganze Menge verschiedener Regionalgelder. In Deutschland ist am bekanntesten der Chiemgauer.

Daneben gibt es den Roland in Bremen, den Lunar in Lüneburg und das Rheingold in Düsseldorf. Wikipedia listet knapp 50 deutsche Regionalwährungen auf.

Im österreichischen Tirol gilt die Tiroler Stunde, vergleichbar der Währungen von Tauschringen, wo Arbeitsstunde gegen Arbeitsstunde getauscht wird, egal welcher Tätigkeit.

In der Schweiz verwendet man u.a. den WIR.

In Frankreich gibt es in Pezenas z.B. den Occitan.

Das brasilianische Fortaleza hat den Palmas hervorgebracht.

Teil 2: Welche Argumente gibt es für oder gegen Regionalwährungen?

Ich habe noch keine wirkliche „Diskussion“ zum Thema entdeckt, die diesen Namen verdient. Es werden von Befürwortern und Kritikern verschiedene Argumente angeführt, die aber wohl selten aufeinander treffen.

Ich habe hier eine kleine Auswahl von Argumenten getroffen, jeweils 2 dafür und 2 dagegen.

PRO: Regionalwährungen machen Spekulationen unattraktiv

No contest. Diese Aussage ist wahr. Da der Wert abnimmt, ist die Verwendung für spekulative Projekte oder gar Währungsspekulationen nicht gegeben.

PRO: Regionalwährungen unterstützen die lokale Wirtschaft

Auf jeden Fall zwingt eine Regionalwährung den Besitzer dazu, das Geld regional auszugeben. Also unterstützt er kurzfristig lokale Unternehmen.

Ob es langfristig klug ist, den Wettbewerb mit anderen Regionen auszuschalten und damit den Anreiz für Weiterentwicklung zu nehmen, und ob dies dann wiederum langfristig der Region zugute kommt, ist eine andere Frage.

CONTRA: Eine Volkswirtschaft braucht Sparen, damit investiert werden kann

In der klassischen Volkswirtschaftslehre lernt man: Investiert werden kann nur, was gespart wird. In unseren Zeiten kann Giralgeld aus dem Nichts geschaffen werden, allerdings nur, wenn dem eine gewisse Spareinlage zugrunde liegt.

Die Aussage der VWL ist also nicht mehr ganz wahr; aber so weit stimmt sie immer noch: Ganz ohne Sparen keine Investition.

Mit Regionalgeld wird das Sparen gänzlich unattraktiv, da die Kaufkraft schnell abnimmt.

Die Kaufkraft des Giralgeldes nimmt auch ab, durch Inflation, durch die dauernde Ausweitung der Geldmenge. Die Inflation in den meisten Nationen ist aber langsamer als der eingebaute Wertverlust der Regionalwährungen.

Langfristige Investitionen sind im Konzept der Regionalwährungen auch nicht vorgesehen. Das historische Vorbild von Wörgl (siehe weiter unten) hat auch nur 14 Monate exisitiert, so dass sich die Frage wohl nicht stellte.

CONTRA: Eine regional begrenzte Währung erschwert internationale Arbeitsteilung

In einer Stellungnahme vom 26.06.2013 äußert sich die Deutsche Bundesbank sehr kritisch zu Regionalgeldern. Wenn eine mächtige Institution gegen etwas ist, spricht dies ja oft für die Sache.

Aus dem Artikel ergibt sich jedoch zumindest ein Argument, das nicht allein dadurch unwirksam wird, dass man es einer „Marionette der globalistischen Elite“ zuschreibt…

Tatsache ist: Regionalgelder sind nicht geeignet für den internationalen Leistungsaustausch. Wer also nur Chiemgauer in der Tasche hat und Lust auf eine Lederjacke, der kann keine der erstklassigen VANSON-Lederjacken aus den USA importieren. Entweder tut jemand dies für ihn, der Devisen hat, oder er begnügt sich mit einem regionalen Produkt, das ihm vielleicht weniger gefällt.

Eine moderne Industrie, deren Bauteile für ihre Erzeugnisse aus aller Welt bezogen werden, hat keine Chance mit Regionalwährungen.

Teil 3: Was hat es auf sich mit dem „Wunder von Wörgl“?

Von den Befürwortern der Regionalwährungen oft gepriesen wird das „Wunder von Wörgl“. In einer österreichischen Gemeinde gab es im Jahre 1932 wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Nach Ansicht des Bürgermeisters war die Hauptursache dieser Schwierigkeiten, dass Geld gehortet und für Zinsen gespart wurde. Er sagte sinngemäß, „gehortetes Geld unterbricht den Geldfluss und führt somit zu wirtschaftlichen Stauungen.“

Dass die Zinsen nur gezahlt werden können, wenn mit dem geliehenen Geld wiederum etwas erwirtschaftet wird (sonst würde niemand Zinsen bezahlen) und dass manchmal Geld gespart werden muss, um später Investitionen zu tätigen, kam in seinen Überlegungen vielleicht nicht vor.

Das Ausbleiben von Investitionen führt dann wieder zum Verlust von Wettbewerbsfähigkeit und damit wahrscheinlich zu Arbeitslosigkeit.

Der Bürgermeister schuf ein Schwundgeld, Vorbild der modernen Regionalwährungen.

Kurzfristig hat das Schwundgeld von Wörgl sehr gut funktioniert. Die Wirtschaft kam wieder in Schwung, Arbeitsplätze wurden geschaffen.

Nach 14 Monaten war das Experiment allerdings bereits beendet. Die österreichische Nationalbank befand das Regionalgeld für illegal, weil es ihr gesetzlich vorgeschriebenes Geldmonopol verletzte.

Wir wissen also nicht, wie gut oder schlecht das Experiment langfristig gelaufen wäre.

Fazit

Zu Beginn meiner Recherchen war ich sehr für Regionalgelder.

Das derzeitige Geldsystem hat aus meiner Sicht eine Reihe Probleme und kann sicherlich von Verbesserungen profitieren.

Regionalwährungen, das klingt so schön unabhängig und frei, wie Bio-Laden oder fair gehandelte Schokolade. Das gefiel mir.

Aber nach einer Weile der Recherche glaube ich nicht mehr, dass Regionalwährungen eine umfassende, funktionierende Lösung sind.

Ich will einen Teil meines Geldes sparen.

Einen Teil meines Geldes will ich auch der regionalen Wirtschaft zur Verfügung stellen, insbesondere denen, die etwas Gutes bieten. Dazu brauche ich mich nicht von einem Schwundgeld zwingen zu lassen.

Die Wirtschaft ist global und bleibt es auch. Sie war es schon immer, seit der Mensch über den Planeten läuft. Und global ist nicht ausschließlich schlecht. Unethisches Verhalten gibt es hier wie überall.

Hier sehe ich mal wieder, dass nicht alles so ist, wie es zuerst klingt.

Vielleicht finde ich künftig noch Argumente, die mich wieder für das Thema einnehmen.

Im Moment habe ich keinerlei Motivation mehr, mich zu Regionalwährungen zu engagieren.

Persönlich setze ich eher auf Gold und Silber.

Bild: rhae

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Alexander

Controller, Dozent bei AME Fortbildung und Controlling UG (haftungsbeschränkt)
Seit 1998 freier Controller, seit 2010 zusätzlich als Dozent im Rechnungswesen unterwegs. Schreibt über alles Mögliche.

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