Alternative zur Heirat im Inland: Frauen aus Osteuropa

Während ich versuchte herauszufinden, was ich in einer Mann-Frau-Beziehung will, beschäftigte ich mich unter anderem mit der Option, eine Frau in Osteuropa zu finden.

Ich schildere hier meine persönlichen Erfahrungen mit dem Thema von 2009 bis 2013. Ich unterteile dies in

  1. Die guten Erfahrungen
  2. Die schlechten Erfahrungen
  3. Kulturelle Schmankerl
  4. Anlaufstellen: Wo finde ich eine osteuropäische Braut?

Urteile und Erfahrungen

Da waren zum Einen die Vorurteile: Diese Frauen sind alle Goldgräberinnen und wollen einen reichen Mann aus dem Westen und/oder einen westlichen Pass. Sobald möglich, lassen sie sich scheiden und verschwinden mit ihren Gewinnen und ihrer neuen Staatsbürgerschaft.

Dann waren da Erfahrungsberichte verschiedener Männer: Die Frauen, besonders in Russland und der Ukraine, sind zuverlässig, intelligent, gebildet. Außerdem sind sie nicht so verwöhnt wie viele Frauen im Westen, sind an Arbeit gewöhnt und bieten guten Sex. Sie mögen außerdem die „traditionelle“ Rollenverteilung von Mann und Frau.

Auf dem Weg begegneten mir tatsächlich einige wenige Goldgräberinnen. Die meisten, die ich getroffen habe, waren aber aufrichtig auf der Suche nach einem guten Mann. „Gut“ im Vergleich zur Männerauswahl daheim bedeutet vor allem: Kein Säufer, nicht gewalttätig, geregeltes Einkommen.

Gebildet sind sie. Das Intelligenzniveau, das mir begegnet ist, ist tatsächlich sehr hoch, ebenso wie der Bildungsstand. Das mit dem guten Sex stimmt auch.

Es gibt auch ein paar wenige, die einen verheerenden Eindruck machen. Mir sind zwei begegnet, die so alkoholkrank waren, dass ihnen die Haare ausfielen.

Teil 1: Die guten Erfahrungen

Das Thema nimmt für mich im Jahre 2009 Kontur an.

Ich recherchiere das Thema, unter anderem über eine Vergleichsseite für Dating-Portale. Was immer wieder auftaucht, ist das Portal Interfriendship.

Also erstelle ich mal ein Profil dort.

Meine erste Zuschrift kommt von einer überwältigend attraktiven Frau aus Sibirien. Bei meiner Antwort werde ich etwas von meinem Enthusiasmus davongetragen und schreibe ca. 2.000 Wörter. Das war wohl zuviel, da kommt nichts mehr.

Nur drei Vornamen

Ein alter Witz von mir ist, dass es in Russland nur drei weibliche Vornamen gibt: Olga, Natascha und Olga.

In Polen heißen alle Maria und in der Ukraine alle Elena.

Tatsächlich finde ich es in den ersten Monaten sehr schwierig, alle Olgas, Nataschas, Marinas und Elenas auseinander zu halten.

Nach einer Weile sortiert sich das.

Dozentin Marina

Eine Mail erhalte ich von Marina, die als Dozentin für BWL in der Ukraine arbeitet.

Von den Bildern her finde ich sie eher durchschnittlich attraktiv, aber sie schreibt sehr intelligent, in ausgezeichnetem Englisch. Wir haben ein paar Wochen lang einen witzigen Austausch.

In dem Austausch zeigt sich, dass wir wohl ganz gut miteinander können. Sie schlägt vor, dass wir uns in Kiew treffen. Ich überlege eine Weile und buche dann ein Ticket. Marina kümmert sich um die Unterbringung.

Sie holt mich in Borispol vom Flughafen ab. In Wirklichkeit ist sie sehr viel attraktiver als auf den Bildern.

Marina ist offensichtlich sehr gut organisiert. Das Apartment liegt mitten im Zentrum und ist wunderschön.

Marina hat anscheinend einen Plan. Sie testet ein paar Sachen aus: Wie ich reagiere, wenn sie für eine Weile weggeht, ob ich der Typ bin, der kontrolliert und ausfragt (gar nicht), wie ich auf Alkohol reagiere (ich trinke keinen).

Sie hat zwei Telefone dabei und spricht regelmäßig mit verschiedenen Leuten. Ich schätze, sie bleibt im Kontakt, um immer wieder mitzuteilen, dass alles in Ordnung ist.

Wir kochen abwechselnd füreinander, unternehmen einige Ausflüge. Am vierten Tag sind meine Füße wortwörtlich blutig gescheuert und geschwollen von der ganzen Lauferei. Wir beschließen, einen Faulenzen-Tag einzulegen.

Am ersten Tag will ich mich tatsächlich nur eine Weile hinlegen. Sie legt sich dazu, und vom Vibe her habe ich das Gefühl, jetzt könnte es schon zum Sex kommen. Am ersten Tag? Naja, ich habe nichts dagegen. Die Erfahrung ist großartig.

Auf dem Rückflug laufe ich fast in Metal-Star Doro Pesch hinein. Natürlich, ich fliege über Düsseldorf, das ist ja ihre Heimatstadt.

Von der Reise habe ich ein Video erstellt. Marina ist darin nicht zu sehen.

Meine eigene Verwirrung in Beziehungsdingen führt dann leider dazu, dass wir nicht mehr in Kontakt sind. Mir war nicht klar, was ich wollte. Ich wollte eine solche Frau wie ich sie jetzt habe (Stand: Juni 2017), hielt es aber nicht für möglich, dass es eine solche gibt.

Andere positive Erfahrungen

Es gibt sehr interessante Skype-Sessions, mit lustigen Unterhaltungen, darunter eine quirlige Dame, die mehrere Male zwei Stunden am Stück ununterbrochen redet.

Ich habe weitere Dates in verschiedenen Städten. Es ist meistens nett.

In einem Fall ist von vornherein klar, dass es für uns beide nur ein Abenteuer ist.

Ich versuche in der Zeit herauszufinden, was zum Geier ich denn nun eigentlich will.

Auf dem Wege treffe ich eine Ukrainerin, die aussieht wie eine Kreuzung aus Laura Dern und Diane Kruger. Sie ist intelligent, alltagskompetent und kommuniziert gut. Ich denke: Für mich wird es nicht mehr besser werden. Es ist nicht perfekt, und irgendwie fehlt auch was, aber was ist schon perfekt, also wird’s wohl darauf hinauslaufen, dass ich sie heirate.

Dann kommt mir wieder meine innere Verwirrung dazwischen. Und, es entwickelt sich so, dass ich meinem geliebten Weib näher komme. Wir hatten uns bereits 2012 getroffen, aber sie hatte mir klar gesagt, dass sie kein Interesse an mir hatte. Dann aber doch.

Eine Gelegenheit nutzen: Sprachunterricht

Mit der Zeit stelle ich fest, dass mehrere der Frauen, die ich treffe, ihr Deutsch und Englisch verbessern wollen.

Der Controller in mir erkennt die Gelegenheit. So gebe ich etwas Unterricht in Deutsch und Englisch, teilweise über Skype, teilweise vor Ort in Moskau, Kazan und Kiew. Die Frauen lernen alle sehr schnell.

So kann ich interessante Orte bereisen und dabei noch wirtschaftlichen Gewinn machen.

Eine scheinbar goldene Gelegenheit

Eine der Damen erwähnt, dass ihr ukrainisches Unternehmen einen Verkaufsrepräsentanten in Deutschland sucht.

Ich denke mir erst nicht viel dabei und empfehle ihr einen Freiberufler, den ich kenne, der gute Verkäufer vermittelt.

Eine Woche später fliegt ihr Chef tatsächlich nach Hannover, um meinen Kumpel zu treffen. Er sagt, er sei bereit, eine erhebliche Summe zu investieren.

Jetzt trete ich voll in Aktion, mache Aushänge für den Verkäufer-Job und kontaktiere den besten Verkäufer, den ich kenne.

Leider versandet das Ganze mit der Zeit, und von der ukrainischen Seite wird immer weiter zurückgerudert, was die Investitionsbereitschaft angeht.

Als ich das Unternehmern darauf hinweise, dass die deutsche Version der Website in kaum verständlichem Deutsch ist, werde ich gefragt, ob ich das verbessern will. Ich mache ein sehr niedriges Angebot, aber auch das ist dem Unternehmen zu teuer.

Doch keine goldene Gelegenheit.

Klandestine „Operation Brandenburger Tor“

Eine Frau aus einem Vorort von Kiew, mit der ich länger skype, sagt mir, seit sie 9 Jahre alt ist, träumt sie davon, unter dem Brandenburger Tor in Berlin zu stehen. Ich arbeite gerade in Berlin und sage ihr: Das kriegen wir hin.

Wir prüfen mehrere Wege, auf denen sie reisen kann. Schließlich besorgt sie sich ein Visum für Polen. Damals fliegt wizzair von Kiew nach Katowicze. Von dort nimmt sie den Zug nach Wroclaw, und dort hole ich sie mit dem Mietwagen ab.

Am nächsten Tag fotografiere ich sie am Brandenburger Tor.

Teil 2: Die schlechten Erfahrungen

Überall, wo man mit Menschen zu tun hat, egal wo auf der Welt, erlebt man das ganz normale Zeugs: Unzuverlässigkeit, Nichteinhalten von Absprachen, unklare Aussagen, Emotionaldrama.

Eine seltsame Einladung nach Moskau

Eine Jura-Studentin lädt mich ein, sie in Moskau zu besuchen. Ich war vorher noch nie dort, bin gespannt, fliege hin.

Dort angekommen, holt sie mich nicht mal vom Flughafen ab.

Am nächsten Tag zeigt sie mir ein paar Ecken von Moskau und scheint zunächst auch an mir interessiert zu sein.

Dann wird es immer seltsamer.

Die nächsten Tage versucht sie, mich herumzuscheuchen, was ich nicht mitmache. Ich breche den Kontakt dann aktiv ab und sage ihr, von mir käme dann nichts mehr.

Gefragt, bekommen, beschwert

Ein Phänomen, das mir in allen Lebensbereichen immer wieder begegnet: Jemand bittet mich um etwas, ich liefere genau das, die andere Seite beklagt sich.

Eine weitere Olga, diesmal aus Sibirien, eine sehr feurige Frau, frage ich, ob wir uns treffen wollen. Sie sagt zu, wenn ich mich an ihren Reisekosten zur Hälfte beteilige. Ich schicke ihr das Geld über Western Union.

Am nächsten Tag fragt sie mich, was meine Erfahrungen in früheren Beziehungen waren. Ich schildere ein paar. Darauf schreibt sie, was mir einfallen würde, ihr von anderen Frauen zu erzählen, das sei völlig unmöglich. Sie wolle nichts mehr mit mir zu tun haben.

Daraufhin schickt sie mir mit Western Union das Geld zurück, plus Transaktionsgebühren, plus meiner Auslagen für ihren Visa-Antrag.

Also keine Abzockerin, nur etwas seltsam.

Abzocker-Portale

Abgesehen von den ganzen Massen-Mails mit innovativer Grammatik, die man als Mann so erhalten kann, gibt es Portale, auf denen sich vorrangig Abzockerinnen tummeln.

Viele davon finde ich leicht zu erkennen, andere stellen es geschickter an. Sie geben sich richtig Mühe, um echt und interessiert zu wirken.

Auf einem Gratis-Portal hatte ich zwei interessante Austausche, plus massenhaft Abzock-Versuche.

Teil 3: Kulturelle Schmankerl

2008 bin ich in Freiburg zu Besuch, um einen Austausch mit einem anderen Freiberufler zu haben. In der Stadt sehe ich im Kino die Werbung für einen französischen Film: „Sie sind ein schöner Mann“. Die Beschreibung klingt witzig, den sehe ich mir an.

Es ist ein charmanter kleiner Film über einen Bauern mitten in Frankreich, der eine Frau sucht, die ihm auf seinem Hof hilft. Er landet in Bukarest und nimmt von dort eine junge Dame mit.

Es kommt zu Missverständnissen und dramatischen Verwicklungen. Am Ende kehrt die junge Dame auf den Hof in Frankreich zurück und bringt ihre Tochter mit.
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Die russische Braut

Als das Kapitel Osteuropa für mich mehr oder weniger abgeschlossen ist, kommt meine spätere Frau zu Besuch. Wir sind nicht ganz einig, ob das unser erstes Date war. Sie hat meine Kontakte nach Osten mitbekommen.

Sie liest mir eine Geschichte vor: „Die russische Braut“ von dem Deutschrussen Wladimir Kaminer. Ein witziger kleiner Text, der ein paar Besonderheiten erklärt, die in Beziehungen zwischen deutschem Mann und russischer Frau auftreten.
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Auch um eine Art russische Braut geht es in dem Film „Ausgerechnet Sibirien“ mit Joachim Krol, der sowas ist wie die deutsche Version von Robert de Niro. Ein etwas verhärteter, spießiger Verkaufsleiter reist nach Sibirien und will dort deutsche Zustände einführen.

Am Ende erkennt er die Unsinnigkeit mancher Geschäftspraktiken, rettet einen schwulen Russen vor Diskriminierung und findet als Partnerin eine sibirische Schamanin. Der Film endet damit, dass er nackt in ein Eisloch in einem See springt, wohl als Symbol dafür, dass er in der sibirischen Kultur angekommen ist.
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Teil 4: Anlaufstellen

Und, wo finde ich denn Frauen aus Osteuropa, die es vorwiegend ernst meinen?

DAS Portal für alle, die etwas „Seriöses“ suchen, ist Interfriendship. Die Interaktion dort finde ich etwas teuer. Als Mann bezahle ich, wenn ich eine Adresse einer Frau abrufen will. Ich habe immer sehr genau geschaut, welche Adressen ich abrufe und welche nicht.

Fast alle Profile dort scheinen von echten Frauen zu sein, die auch wirklich einen langfristigen Partner suchen. Ich habe eine Frau in Sachsen getroffen, deren „Erfolgsgeschichte“ auch auf Interfriendship berichtet wird. Trotzdem hielt die Ehe nicht, und sie ist jetzt erfolgreiche Unternehmerin.

Zweitbeste Anlaufstelle: russiancupid. Vorteil für Schlampen wie mich: Dort sind auch ein paar mehr Frauen, die auch mit einem kleinen gemeinsamen Urlaub zufrieden sind und nicht unbedingt heiraten wollen. Andererseits habe ich den Eindruck, dass ca. 2% der Profile nicht echt sind.

Über russiancupid habe ich eine Verkaufschefin eines Pharma-Unternehmens getroffen, mit der ich ein phantastisches Pfingstwochenende erlebt habe. Das war 2011.

Optionen zweiter Wahl

Daneben gibt es eine Reihe weiterer Portale mit niedrigen Mitgliederzahlen. Manche sind gratis. Bei einem, das hier nicht genannt werden will, gibt es eine breite Mischung an echten, unechten und goldgräberischen Profilen. Ich hatte dort zwei nette Austausche.

Eine Frau schickte mir eine professionelle Musikproduktion mit ihrem Gesang, der großartig war. Mit einer anderen hatte ich einen netten Austausch.

Bei der dritten fiel ich auf Abzocke herein. Sie schrieb, ihr Computer sei kaputt. Ich hatte noch ein halbfunktionales Notebook herumstehen, für das ich ca. 200 EUR auf ebay bekommen hätte. Das habe ich ihr geschickt.

Danach zeigte sich, dass sie solche Nummern wohl mit mehreren Männern abzieht und dass sie sonst kein Interesse hat. Sie hat die Täuschung in meinem Fall aber so geschickt eingefädelt, hat sich mit ihren Lügen und Halbwahrheiten so viel Mühe gegeben, über Wochen hinweg, dass sie sich das Ergebnis ihres Betruges verdient hat. Als Unternehmer weiß ich Fleiß zu schätzen.

Für manche Portale sollte man Russisch können. Wer sich natürlich in russischen Chatrooms souverän bewegen kann, hat sowieso gute Chancen.

Fazit zum Thema Frauen aus Osteuropa

Das große Wunder passiert in Osteuropa auch nicht.

Wer aber eine attraktive, gebildete Frau sucht, mit einer eher „konservativen“ Einstellung, was die Mann-Frau-Rollenverteilung angeht, hat in Russland und der Ukraine gute Chancen. Da es in diesen Ländern einen Frauenüberschuss gibt, kann man um 1-2 Punkte als Mann weniger attraktiv sein und trotzdem eine gute Frau abkriegen.

Worüber ich persönlich nicht hinweggekommen bin ist die, im Sinne von Spiral Dynamics, vorwiegend ethnozentrische Weltsicht vor allem der Russen (Ukrainer nicht so sehr). Ich fand auch das Schwulen-Bashing unnötig, übertrieben, und nicht so lustig, wie ich es mit 11 noch fand.

Vor allem die subtilen, aber starken kulturellen Unterschiede haben mich dann doch zu einer deutschen Frau bewegt, deren Eltern aus Polen eingewandert waren.

HAVE FUN!

 

Titelbild: HypnoArt

 

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Alexander

Controller, Dozent bei AME Fortbildung und Controlling UG (haftungsbeschränkt)
Seit 1998 freier Controller, seit 2010 zusätzlich als Dozent im Rechnungswesen unterwegs. Schreibt über alles Mögliche.
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