Die internationale Konkurrenz der Regierungen und Systeme veranlasst einige, insbesondere junge abenteuerlustige Leute, sich neue Domizile in der Welt zu suchen oder auch permanent auf Reisen zu sein, um einen Ort zu finden, an dem sie subjektiv besonders gut behandelt werden.

Genervt von der Gängelung durch Behörden im Heimatstaat? Genervt von zu hohen Steuern und Sozialabgaben?

Es gibt ein paar Möglichkeiten, woanders hinzugehen.

Ein Unternehmen woanders aufbauen, in einem anderen Staat wohnen, mit einem Zweitpass leichter reisen?

Eine gute Ressource, sich über Zweitpässe, Unternehmensstandorte und internationale Reisen zu informieren, ist die Seite von Christoph Heuermann, staatenlos. In schätzungsweise (ich habe nicht genau gezählt) über 100 informativen Artikeln wird über die Chancen und Risiken von internationalen Pässen, Wohnsitzen und Unternehmensstandorten berichtet.

Nach meiner Analyse ist die Seite vor allem für diese Gruppen interessant:

  1. Perpetual Traveller / Digitale Nomaden und solche, die es werden wollen
  2. Unternehmer und Selbständige, die nach einem neuen Wohnsitz suchen und ein Unternehmen im Wohnsitzland oder einem anderen Land betreiben wollen
  3. Unternehmer und Selbständige, die in Deutschland bleiben wollen oder müssen, aber nach Möglichkeiten suchen, Steuern zu optimieren
  4. Alle, die ihr Vermögen vor Enteignung sichern wollen

Eine Fülle an Informationen zur Optimierung der eigenen Situation

staatenlos.ch bietet zahlreiche außerordentlich gut recherchierte Artikel zu verschiedensten Themen, die für den ambitionierten Weltbürger interessant sind.

So elaboriert Heuermann über Bankkonten in der Karibik und in Südostasien, und wie und warum diese nützlich sind oder auch nicht.

Er schreibt, wo man sein Eigentum optimal gegen Enteignung und gegen juristische Klagen absichert.

Ein eher exotisches Thema ist z.B. die Möglichkeit, Kfz-Kennzeichen aus dem Zwergstaat Andorra zu nutzen.

Heuermann schafft nicht ganz das Schaffensvolumen von Tom Woods, doch schreibt er erstaunlich viel in kürzerer Zeit, mit solider Qualität.

Wirklich differenzierte Betrachtung von Vorteilen und Nachteilen statt oberflächlichem Hype

Das Internet ist gepflastert mit Angeboten für angeblich günstige und steuerfreie Offshore-Unternehmen, deren Vorteile dann ziemlich undifferenziert und einseitig dargestellt werden.

Christoph Heuermann dagegen befasst sich intensiv und differenziert mit den verschiedensten Konstrukten. Er legt dar, welche Konstruktion für wen überhaupt geeignet ist.

Was nützt mir z.B. eine Hongkong Ltd., wenn ich dafür nicht oder nur sehr schwer ein Bankkonto eröffnen kann?

Welchen eingeschränkten Nutzen habe ich von einem Offshore-Unternehmen, dessen Rechnungen von deutschen Finanzämtern nicht akzeptiert werden? Was nützt mir ein Unternehmen in einem Staat ohne Ertragsteuern, wenn ich meine Tätigkeit nicht verlagern kann?

Ein besonders eindrucksvoller Artikel spielt z.B. verschiedene Szenarien für das Wohnen und Arbeiten in Malta durch, was man in dieser Ausführlichkeit nicht einmal auf den Seiten von Steuerberatern findet, die auf Malta-Konstrukte spezialisiert sind.

Er klärt auch in der Tiefe über Risiken in den jeweiligen Staaten auf, was z.B. Kriminalität angeht.

Er weist auch darauf hin, dass die internationalen Regularien ständigem Wandel unterworfen sind und dass man deshalb auf dem Laufenden bleiben sollte.

Fazit zu staatenlos

Das internationale Umfeld bezüglich Wohnrecht, Aufenthaltsrecht, Steuern und Sozialabgaben ist ein komplexes Gebiet, das in jedem Fall ausführliche Recherchen zur eigenen Situation erfordert.

Außerdem ändern sich dauernd Sachen.

Die staatenlos-Seite ist sicherlich ein ausgezeichneter Ausgangspunkt für solche Recherchen, um erst einmal umfassende und differenzierte Informationen zu sammeln.

Statistische Tatsache: Die meisten Leute haben nicht die geringste Ahnung, wie Infrastruktur und Wohlstand eines Landes aufgebaut werden. Politiker eines Landes befinden sich meistens bestenfalls dicht am Mittelwert der durchschnittlichen Intelligenz. Helmut Schmidt war da eine Ausnahme, konnte aber, umzingelt von Trotteln, auch nicht viel ausrichten.

Wir wissen aus zahlreichen Beispielen der Geschichte, dass Wohlstand in wenig regulierten Umfeldern aufgebaut und dann durch zunehmende Regularien wieder zerstört wurde. Hm, und was haben wir daraus gelernt? NICHTS!

Das wird wohl auch so weitergehen, da die meisten Leute nicht schlau genug sind, das zu verstehen.

Gleichzeitig werden die Zugriffsmöglichkeiten der Staaten immer besser und schneller, ihre unklugen Regeln mit Gewalt durchzusetzen. Deshalb ändern sich nationale Regelungen andauernd, und der Zugriff wird einerseits immer flächendeckender werden, weil die dummen aggressiven Staaten überall zulangen, andererseits wird es immer wieder schlaue neue Jurisdiktionen geben, die lieber Wohlstand aufbauen als ihn zu vernichten und Möglichkeiten eröffnen.

Die Möglichkeiten wandern also mit zunehmender Geschwindigkeit rund um den Globus.

Meine eigene Situation: Kleine Klitsche ohne echte Verlagerungsmöglichkeit

Als Mitarbeiter einen kleinen Klitsche in Hamburg, die weder ihre Controlling-Projekte noch ihre Seminare (Präsenzunterricht) wirklich auslagern kann, bleiben nicht viele Möglichkeiten.

Mit meiner eigenen Umschulung zum Datenbankentwickler, die ich im Februar 2017 begonnen habe, will ich mir als mittlerer Opa (Jahrgang 1969) ein internationales Umfeld eröffnen. Ich werde sehen, ob das klappt, oder auch nicht.

Wenn ich alles, was mir wichtig ist, zusammennehme und mit der abgabenrechtlichen Situation in Beziehung setze, komme ich persönlich immer wieder auf zwei Nationen: Die Schweiz und Südirland.

Sowohl Malta aus auch Panama klingen ebenfalls attraktiv, aber Panama hat die Größe eines mittleren Supermarktes und kein Militär, kann also von einer Handvoll Marines oder Rangers an einem Nachmittag kassiert werden.

Sobald es realistisch geht, werde ich mich wahrscheinlich in die Schweiz oder nach Irland begeben.

HAVE FUN!

Bild: stokpic

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Alexander

Controller, Dozent bei AME Fortbildung und Controlling UG (haftungsbeschränkt)
Seit 1998 freier Controller, seit 2010 zusätzlich als Dozent im Rechnungswesen unterwegs. Schreibt über alles Mögliche.

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